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Berge des Wahnsinns (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Horror
Geschrieben von Manuel Tants   
Dienstag, 15. April 2008

Berge des Wahnsinns (Hörbuch)

Gelesen von: David Nathan
Originaltitel: At the Mountains of Madness
Art der Lesung: ungekürzt
Medienanzahl: 5 CDs

7. Teil der Reihe

Label: LPL records
Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-7857-3522-0
Preis: 25,95 EUR
Inhalt
9.0
Sprecher
8.0
Bearbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.6

Wertung:
8.6
von 10
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Zum Inhalt:

Bei einer Antarktis-Expedition stoßen Wissenschaftler auf die gefrorenen Leichen seltsamer Wesen. Angetrieben von unstillbarem Wissensdurst entdecken die Forscher ein riesiges, bis dahin unentdecktes Gebirge. In diesen Bergen des Wahnsinns stoßen sie auf eine verlassene, düstere Stadt, die scheinbar von den unbekannten Kreaturen erbaut wurde. Aber dann machen die Wissenschaftler eine grauenhafte Entdeckung ...

Meinung:

"Berge des Wahnsinns", geschrieben 1931, ist zweifellos eine der bekanntesten Geschichten H.P. Lovecrafts. Angelegt als Expeditionsbericht des Geologen William Dyer, dessen vorgeblicher Zweck es ist, weitere Forschungsreisen in die Antarktis zu verhindern, gelingt es dem Autor in dieser Erzählung besonders meisterhaft, eine subtile Spannung aus dem Kontrast zwischen der Neugier der Forscher und dem unaussprechlichen Grauen, das sie dabei entdecken, zu erzeugen.

"Subtil" ist hierbei ein wichtiges Stichwort, denn oberflächlich betrachtet mag es "Berge des Wahnsinns" an Action mangeln: Die ersten Berichte über seltsame Fossilienfunde werden als telegramm-artige, aber dennoch lange und komplexe Funksprüche durchgegeben. Zwischendurch werden mehrfach ausgiebige Beschreibungen architektonischer Wunder jenseits aller physikalischen Gesetze eingeflochten und die letzten beiden CDs setzen sich fast ausschließlich aus der Schilderung vorgeschichtlicher Ereignisse zusammen, die die Forscher aus - offenbar erstaunlich aussagekräftigen - Reliefs herauslesen.

Diese gründliche Ausführlichkeit ist für Lovecraft relativ untypisch; sonst belässt er es - gerade bei der Beschreibung der Äußerlichkeiten monströser Kreaturen aus dem Cthulhu-Mythos - meist bei vagen Andeutungen und dem Verweis auf die "Unaussprechlichkeit" dieser Wesen. Doch gerade die etwas trocken anmutende Präzision und Wissenschaftlichkeit in "Berge des Wahnsinns", die einen ungewöhnlich rationalen Blick auf die von ihm erschaffene Welt des kosmischen Grauens wirft, verleiht der Geschichte gekonnt den Anschein einer Authentizität, die die Wirkung der eingestreuten Warnungen an die geplante Starkweather-Moore-Expedition noch weiter steigert.

Trotz der eben erwähnten Länge und Ausführlichkeit der Beschreibungen war es die richtige Entscheidung von Regisseur und LPL-Labelchef Lars Peter Lueg, dem Hörbuch die ungekürzte Fassung des Textes zugrunde zu legen, denn jeder Eingriff hätte den sorgfältig konstruierten Spannungsbogen zweifellos gefährdet. Nur in der vollständigen Fassung des Romans bewirken die Andeutungen auf das unglückliche Ende der Expedition, die der Autor einstreut, beim Hörer eine derart effektive Steigerung der Faszination und des Nervenkitzels.

H.P. Lovecrafts adjektivreicher, bewusst gestelzter und altertümlicher Stil eignet sich auf den ersten Blick nicht unbedingt für ein Hörbuch. Daher ist gerade "Berge des Wahnsinns" ein hartes Stück Arbeit für David Nathan, der nicht nur Stammsprecher der preisgekrönten "Bibliothek des Schreckens"-Hörbuchreihe ist, sondern vor allem dadurch bekannt sein dürfte, dass er in Kinofilmen Stars wie Johnny Depp und Christian Bale nachvertont. Für die Rolle des Mittfünfzigers William Dyer klingt seine Stimme leider etwas zu jung und gerade zu Beginn des Hörbuchs betont er den Text eine Winzigkeit zu übertrieben.

Doch im weiteren Verlauf bessert sich seine Leistung spürbar: Die langen, wissenschaftlich-präzisen Beschreibungen vermittelt der Sprecher interessant und lebhaft genug, dass der Hörer bei der Stange bleibt. Besonders hervorzuheben ist hier die Schilderung der Luftspiegelungen, die den Expeditionsteilnehmern einen ersten Eindruck von der Welt jenseits der Berge des Wahnsinns liefern. Und gerade gegen Ende der Geschichte, wenn der Vortrag aufgrund der Entwicklung der Ereignisse endlich etwas emotionaler sein darf, liefert David Nathan eine vollauf überzeugende Leistung ab.

Auch die atmosphärische Musik von Andy Matern überträgt gekonnt die Gefühle der Expeditionsteilnehmer auf den Hörer: Von der extremen Kälte und Einsamkeit der antarktischen Eiswüste über die ebenso faszinierenden wie verstörenden ersten "Fossilien"-Funde und die phantastisch anmutenden Luftspiegelungen bis hin zum surrealen Grauen, das sich schließlich bei der Erkundung der fremdartigen Stadt hinter den Bergen manifestiert, decken die Klänge das gesamte Spektrum ebenso stimmig wie abwechslungsreich ab. Dabei sind die vorwiegend aus dem Ambient-Bereich stammenden Töne zum Glück nie so laut oder aufdringlich, dass sie den gesprochenen Text überlagern würden. Unnötig ist allerdings der Hinweis an den jeweiligen Enden der ersten vier CDs, dass das Hörbuch auf der folgenden Disk fortgesetzt wird.

Fazit:

Dass "Berge des Wahnsinns" zu den Höhepunkten des Schaffens Lovecrafts zählt, ist unbestreitbar. Dass diese bewusst trocken präsentierte Geschichte jedoch auch als Hörbuch gut funktioniert, ist ein großer Verdienst des Teams von LPL Records. Sprecher David Nathan geht nach kurzen Anlaufschwierigkeiten ganz in seiner Rolle auf und die dezente, aber stets passende musikalische Untermalung trägt wirkungsvoll dazu bei, dass das antarktische Grauen erfolgreich zum Leben erweckt wird. Damit stellt "Berge des Wahnsinns" einen weiteren gelungenen Hörbuch-Eintrag in der "Bibliothek des Schreckens"-Serie dar.
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