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Die Herrscherin der Eismark (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 4. Dezember 2008

Die Herrscherin der Eismark

Gelesen von: Johannes Steck
Originaltitel: The Cry of the Icemark
Art der Lesung: gekürzt
Medienanzahl: 6 CDs

1. Teil der Reihe

Label: Silberfisch
Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-86742-612-1
Preis: 24,95 EUR
Inhalt
7.0
Sprecher
9.0
Bearbeitung
6.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Die erst 13-jährige Thirrin findet sich nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters unvermutet in der Rolle der Herrscherin wieder. Sie muss ihre Heimat, die Eismark, gegen den skrupellosen Feldherrn Scipio Bellorum verteidigen. Der Mut droht sie zu verlassen. Doch ihr wird prophezeit, dass sie eine Chance hat - wenn sie es schafft, die Werwölfe, Vampirmajestäten und Schneeleoparden als Verbündete zu gewinnen. Ausgerechnet diese barbarischen Kreaturen? Thirrin hat keine Wahl. Zusammen mit ihrem Freund und Berater, dem Hexensohn Oskan, macht sie sich auf eine gefährliche Reise, um die uralten Feinde der Eismark für sich zu gewinnen.

Meinung:

Mit "Die Herrscherin der Eismark" hat HörbucHHamburg im Rahmen seines Silberfisch-Labels das Erstlingswerk von Stuart Hill vertont. Stuarts Hills Welt setzt sich aus verschiedenen Gegensätzen zusammen. So verwendet er für die Völker der Menschheit historische und bereits bekannte Vorbilder.

Die Menschen aus der Eismark basieren eindeutig auf den Wikingern, was sich in ihrem Glauben an Valhalla widerspiegelt, wo die Krieger nach ihrem Tod am Tische Odins sitzen. Die Feinde der Eismark-Bewohner hingegen, die Polypontus, haben ihre historischen Vorbilder in den Römern, was sich besonders an dem Namen ihres obersten Feldherrn, Scipio Bellorum, zeigt. Dieser Name weckt Erinnerungen an berühmte römische Feldherrn wie zum Beispiel Scipio Africanus. Die Alliierten der Eismark wiederum, die Hypolita, sind klar an die sagenumwobenen Amazonen angelehnt.

Für die Völker aus dem Land der Geister verwendet Stuart Hill zwar bekannte Bezeichnungen, verbindet diese jedoch mit eigenen Interpretationen. So sind die Werwölfe bei ihm keine verfluchten Menschen, die sich bei jedem Vollmond verwandeln, sondern Kreaturen mit eigenen Sitten und Gebräuchen. Sie zeigen sich als eigenständige Wesen und haben keinerlei Ähnlichkeit mit den berühmt-berüchtigten Vorbildern aus Literatur und Film.

Es sind daher auch die Kontraste, die das Hörbuch bestimmen. So trägt Thirrins Vater bei sich zuhause Plüschpantoffeln und liebt es, mit seiner Katze und seiner Tochter zu schmusen. Doch gleichzeitig ist er auch ein gefährlicher Krieger, der es schafft, eine Übermacht von Feinden mit einer kleinen Armee aufzuhalten - wenn auch um den Preis seines eigenen Lebens.

Es geht in dieser Geschichte zudem darum, konträre Eigenschaften zu akzeptieren und zu überwinden. Das zeigt sich besonders schön an Thirrin selbst, die bereit ist, über Unterschiede hinwegzusehen. Ihre Entwicklung und ihr Hineinschlüpfen in die Rolle der Königin - eine Aufgabe, für die sie eigentlich viel zu jung ist -, macht einen Teil der Faszination beim Hörer aus. Das Mädchen ist bereit, die Fehler ihrer Vorfahren und ihres Vaters zuzugeben und auszugleichen.

Als Opposition werden die Polypontus dargestellt, die alles unterwerfen und das, was sich nicht in ihr Weltbild einpasst, vernichten wollen. Sie sind nicht bereit, die unterschiedlichen Eigenschaften anderer zu akzeptieren. Leider macht dies auch ihren einzigen charakteristischen Zug aus. Wenn die Polypontus, die nur gelegentlich auftauchen, dann mal in Erscheinung treten, sind sie klare Antagonisten. Ihre primärer Zweck besteht darin, böse zu sein - und das war's auch schon. Im Vergleich zu den anderen Völkern ist deutlich zu wenig von ihrem Hintergrund zu erfahren.

Die Hörbuch-Fassung muss als eher durchschnittlich bezeichnet werden. Das liegt allerdings nicht an Johannes Steck, der als Sprecher hervorragende Arbeit leistet. Er hat für jeden Charakter die passende Stimme parat. Seine Thirrin klingt wirklich wie ein junges Mädchen, während er bei den Werwölfen die für ihre Kehlen ungewohnte menschliche Sprache ebenfalls überzeugend verlauten lässt.

Die technische Seite der CDs ist hingegen leider nicht so gelungen. Die Aufnahmen sind bei normaler Lautstärke viel zu leise und daher schwer zu verstehen, sodass man gezwungen ist, den Ton wesentlich lauter zu drehen. Auch ist die Dauer der einzelnen Stücke sehr schwankend. Von zwei bis zu neun Minuten ist jede Länge vertreten. Manchmal aus ersichtlichen Gründen (z.B. kürzere Kapitel), manchmal kann der Hörer jedoch keine Ursache dafür erkennen. Immerhin gibt es eine kleine Pause, wenn ein Szenenwechsel stattfindet.

Fazit:

Stuart Hills Erstlingswerk "Die Herrscherin der Eismark" ist beeindruckend. Das Grundthema der Geschichte sind die Existenz von Gegensätzen sowie das Überwinden von ihnen. Dies zieht sich durch alle Ebenen des Hörbuchs. Besonders der Konstrast zwischen der jungen Thirrin und den Polypontus ist auffällig. Die Heldin will Unterschiede überwinden, während die Polypontus stagnieren und lieber das vernichten, was sie nicht verstehen. Sie werden als flache und zweidimensionale Schurken dargestellt, ohne irgendwelche positiven Eigenschaften. Hier hat sich Stuart Hill bei der Ausarbeitung dieses Volkes leider keine allzu große Mühe gegeben. Dasselbe lässt sich auch von der Hörbuchfassung sagen. Während Johannes Steck wirklich großartige Arbeit abliefert, ist die technische Bearbeitung leider nur mittelmäßig.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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