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Von Mäusen und Menschen (Hörbuch)  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Sabine Hut   
Mittwoch, 26. November 2008

Von Mäusen und Menschen

Gelesen von: Ulrich Pleitgen
Originaltitel: Of Mice and Men
Art der Lesung: ungekürzt
Medienanzahl: 3 CDs

Erschienen: Februar 2008
ISBN: 978-3-899-03794-4
Preis: 9,95 EUR
Inhalt
9.0
Sprecher
10.0
Bearbeitung
9.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.3

Wertung:
9.3
von 10
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Zum Inhalt:

George und Lennie ziehen gemeinsam als Erntehelfer durchs Land. Zusammen träumen sie davon, eine kleine Farm zu besitzen und Kaninchen zu züchten. Aber so weit wird es nie kommen, denn Lennie kriegt überall Probleme. Er ist zwar bärenstark, aber geistig zurückgeblieben. Was er streicheln will, macht er mit seinen ungelenken Händen tot. Und als die junge Frau eines Gutsbesitzers ihn auffordert, sie anzufassen, ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Meinung:

John Steinbeck lebte von 1902 bis 1968 in Amerika und gehört zu den erfolgreichsten US-Autoren des 20. Jahrhunderts. Er schrieb viele Kurzgeschichten sowie Novellen und war streckenweise als Journalist tätig. Auch deshalb war er im zweiten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter unterwegs. Einen seiner größten Erfolge hatte Steinbeck 1952 mit "Jenseits von Eden". Im Jahr 1962 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Die Novelle "Von Menschen und Mäusen" wurde bereits 1937 veröffentlicht.

George und Lennie sind so unterschiedlich, wie Menschen nur sein können. Lennie ist sehr stark und liebenswürdig, aber auch dumm. Das Reden und Denken übernimmt deshalb George für ihn. Natürlich ist genau das nicht einfach, denn wer stellt schon einen etwas dummen Erntehelfer ein? Aus diesem Grund versucht George, zumindest vor Arbeitsbeginn zu verheimlichen, wie Lennie wirklich ist, und spricht für ihn. Die beiden Hauptcharaktere beschreiben sich durch viele sehr schöne, lange Dialoge selbst und geben so dem Hörer Einblick in ihr Leben. Sie zeigen auf, warum sie so leben, reden über ihre Freundschaft und sind eigentlich immer ehrlich miteinander. Genau dies macht George und Lennie so unwahrscheinlich sympathisch, dass sie einem schon bald ans Herz wachsen. Ihr Traum, ein eigenes Haus mit Feld und Tieren zu haben, ist so wunderschön und wirkt doch so unendlich weit entfernt. Vor allem Lennie klammert sich sehr an diese Vorstellung, denn er möchte sich dort um die Kaninchen kümmern. Streckenweise hat man das Gefühl, ohne diesen Traum könnten die beiden nicht leben.

Der schwerfällige und bärenstarke Lennie hat ein reales Vorbild. John Steinbeck war, nachdem er die Universität ohne Abschluss verlassen hatte, in den frühen 1920er Jahren für zwei Jahre Wanderarbeiter. Während dieser Zeit sah er, wie ein bärenstarker Erntehelfer einen Vorarbeiter erschlug. So wurde die Idee für Lennie geboren.

Am liebsten möchte man in die Handlung eingreifen, denn von Beginn an macht sich ein merkwürdiges Gefühl breit: Kann diese Geschichte wirklich gut ausgehen? Lennie ist sehr lieb und würde keiner Fliege etwas zuleide tun, doch lässt sich dies aufgrund seiner Ungeschicklichkeit und Naivität manchmal nur sehr schwer erkennen. Das macht es Menschen, die ihn nicht näher kennen, nicht leicht, ihn einzuschätzen. Lennie sehnt sich eigentlich nur nach etwas Freiheit und Liebe. Für seinen Kumpel George würde er alles tun, er ist für ihn seine Familie. Auch George mag Lennie im tiefsten Herzen sehr - auch wenn er manchmal recht grob und unwirsch zu ihm ist, hat man doch immer das Gefühl, dass er Lennies Bestes möchte.

Gerade diese Beziehung zwischen den beiden so ungleichen Männern zieht den Hörer in ihren Bann. Die Geschichte an sich mag nicht einmal etwas Besonderes sein. Doch durch die Erzählweise und die tiefgründigen Charaktere wird sie wirklich außergewöhnlich. Sie entführt den Hörer in eine andere Welt - in eine Welt, die zu Steinbecks Lebzeiten spielt. Sicherlich gibt es auch heute noch Erntehelfer, doch die Zustände von damals findet man heutzutage nicht mehr vor. Was die Menschen in dieser Zeit vor allem am Leben gehalten hat, war der ungemeine Zusammenhalt zwischen den Helfern. Ohne ihn wären einige ihren grausamen Herren zum Opfer gefallen.

Der Sprecher Ulrich Pleitgen liest diese Geschichte einfach wunderbar. Er hat schon mehrere Hörbücher aufgenommen und diese Erfahrung macht sich hier bemerkbar. Es ist fast wie ein Hörspiel, denn jeder Figur verleiht Pleitgen eine unverwechselbare Stimme und Art. Auch ohne dass gesagt wird, wer gerade spricht, erkennt man die Figuren. Mit seiner rauen und ungeschliffenen Stimme spricht er vor allem die Männer sehr passend, doch selbst die Darbietung einer Frau ist für ihn kein Problem. Alle Emotionen und Gefühlslagen bringt Pleitgen zum Ausdruck, mal laut mal leise. Einen besseren Sprecher hätte es für "Von Mäusen und Menschen" kaum geben können. Durch ihn erwacht die schöne, aber auch tragische Geschichte erst zu richtigem Leben.

John Steinbecks Erzählweise wird als naturalistisch und realistisch beschrieben, was sehr richtig ist. Er erzählt aus der damaligen Zeit, so wie es war - ohne Umschweife und ohne etwas zu schönen. Doch immer wieder lässt er auch etwas Fantasie zu, vor allem in den Träumen von Lennie und George. Ohne Träume kann ein Mensch nicht existieren und man bekommt immer wieder das Gefühl, dass diese beiden Charaktere ohne ihren Traum schon nicht mehr am Leben wären. Der Autor hat sich in seinen Geschichten oft Menschen aus sozialen Randgruppen als Hauptcharaktere ausgesucht, wie auch in diesem Fall. Seine Erzählstil ist natürlich von der damaligen Zeit geprägt. Doch stört das bei dieser Geschichte nicht im Geringsten, sondern passt einfach sehr gut.

Das Hörbuch "Von Mäusen und Menschen" bietet den Roman als ungekürzte Lesung. Dies kommt leider bei Hörbüchern heutzutage immer noch viel zu selten vor und ist deshalb umso erfreulicher. Wahrscheinlich war einer der Gründe für die komplette Umsetzung auch der, dass die Geschichte von Beginn an als Schauspiel bzw. Drehbuch gedacht war. Dadurch lassen sich die Dialoge sehr einfach übernehmen. Die Szenen wechseln ebenfalls nicht sehr oft, sodass auch bei einem Hörbuch der Überblick gewahrt bleibt.

Fazit:

"Von Mäusen und Menschen" ist eine wunderbare Geschichte, bei der immer an das Gute im Menschen geglaubt wird. Die Charaktere wachsen dem Hörer schnell ans Herz, sodass man bei mancher Szene am liebsten selbst eingreifen möchte. So unterschiedlich die beiden Hauptcharaktere auch sind, so gut passen sie doch zusammen auf ihrer Reise. Der Sprecher Ulrich Pleitgen verleiht jeder Figur ihre eigene Art und macht das Gehörte dadurch fast zu einem Hörspiel. Jede Gefühlsregung ist den Charakteren anzumerken und auch dies trägt zum wunderbaren und tragischen Charakter der Geschichte bei. Selbst John Steinbecks anfangs etwas altertümlich anmutende Erzählweise passt hier wunderbar - anders könnte man sich "Von Mäusen und Menschen" letztlich gar nicht vorstellen.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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