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Sehen wir uns morgen? (Hörbuch)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 5. April 2008

Sehen wir uns morgen?

Originaltitel: Life on the Refridgerator Door
Art der Lesung: ungekürzt
Medienanzahl: 1 CD

Erschienen: November 2007
ISBN: 978-3-86610-434-1
Preis: 12,95 EUR
Inhalt
5.0
Sprecher
9.0
Bearbeitung
9.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
6.8

Wertung:
6.8
von 10
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Zum Inhalt:

Claire und ihre Mutter verpassen sich ständig. Dann hinterlassen sie kleine Nachrichten an der Kühlschranktür - mit Einkaufslisten, Verabredungen, kleinen Geschichten aus ihrem Leben. Bis die Mutter eines Tages eine Entdeckung macht, nach der nichts mehr ist wie zuvor - und Mutter und Tochter auf den kleinen Zetteln so viel mehr unterbringen müssen als bisher.

Meinung:

"Sehen wir uns morgen?" ist nach einigen Kurzgeschichten der erste Roman, den die Autorin Alice Kuipers veröffentlicht hat. Während bei dem Buch allgemein zwar die sehr schöne und liebevolle Aufmachung gelobt wird, sind sich die Kritiker auch einig, dass das Preis-Leistungsverhältnis nicht besonders ausgewogen ist, da nur jede zweite Seite mit einer obendrein noch kurzen Notiz bedruckt wurde. Bei der Hörbuchversion des Romans kann sich der Zuhörer über leere Seiten weniger beklagen, aber trotzdem ist auch hier der Preis für eine Laufzeit von nur 76 Minuten ein wenig üppig ausgefallen.

Immerhin bekommt der Hörer mit der CD eine ungekürzte Version des Romans in die Hände, bei der die beiden Sprecherinnen Josefine Preuß als Tochter Claire und Anna Stieblich als Mutter eine sehr gute Leistung abliefern. Vielleicht liegt es daran, dass die beiden Schauspielerinnen auch schon als Mutter-Tochter-Gespann in der Fernsehserie "Türkisch für Anfänger" gearbeitet haben. Der zum Teil etwas unpassende wehleidige Unterton ist dabei eher der Buchvorlage anzukreiden als den Sprecherinnen, die wirklich sehr stimmig besetzt sind.

"Sehen wir uns morgen?" ist nicht der erste Brief-Roman (hier kann man es eher als einen Notiz-Roman bezeichnen), der sich um das heikle Thema Krebs dreht. Doch erscheint diese Kommunikation in der heutigen Zeit, in der die Menschen sich kaum noch Briefe schreiben und selbst in gut funktionierenden Familien sehr aneinander vorbei leben, erstaunlich passend zu sein, um das Leben von Mutter und Tochter darzustellen.

Aufgrund der Kürze der einzelnen Mitteilungen, durch die man die wichtigsten Dinge im Leben der beiden Frauen teilen kann, bleibt sehr viel der Vorstellungskraft des Hörers überlassen. In der Regel ist das, was die eigene Fantasie hier produziert, mitreißender als der eigentliche Text. Gerade zu Beginn des Hörbuchs hat man oft das Gefühl, dass der Unterton, der in den Notizen mitschwingt, unangebracht selbstmitleidig ist und die Sprache der Tochter gestelzter ist, als man es bei kleinen Mitteilungen einer Fünfzehnjährigen erwarten dürfte.

Bestimmt ist es für die Mutter nicht einfach, den anstrengenden Beruf als Medizinerin mit der Tätigkeit als allein erziehende Mutter zu vereinbaren und auch Claire muss wesentlich mehr Verpflichtungen übernehmen, als es andere Mädchen in ihrem Alter normalerweise tun. Aber oft genug hat der Hörer gerade bei den "Habe dich schon wieder verpasst"- und "Warum warst du nicht da?"-Passagen das Gefühl, dass die beiden Frauen mit ein bisschen Rücksicht und Organisation mühelos diese unangenehmen Probleme vermeiden könnten. Dann wäre ihr Zusammenleben auch weitaus befriedigender und sie müssten sich nicht so alleine fühlen.

Selbst als sich bei der Mutter der Krebsverdacht bestätigt, gehen beide erst einmal ganz normal ihrem Alltag nach, statt miteinander zu reden oder Zeit zu verbringen. Auch wenn immer wieder im Text darauf hingewiesen wird, dass es einfacher ist manche Dinge anzusprechen, wenn man es schriftlich tut und dem anderen dabei nicht ins Gesicht blickt, so erscheint es doch unnatürlich, dass Mutter und Tochter immer noch fast ausschließlich über die Zettel am Kühlschrank miteinander reden.

Vor allem da die Tochter verantwortungsbewusst genug ist, um bereits vor der Erkrankung der Mutter den Haushalt selbstständig zu erledigen, kommt es einem schon seltsam vor, dass man über die Notizen wochenlang nur mitbekommt, dass Claire die Verabredungen mit ihren Freunden wichtiger sind als etwas Zeit mit der kranken Mutter zu verbringen. Grundsätzlich ist dieses Verhalten ganz natürlich für eine Fünfzehnjährige, aber dann doch nicht ganz stimmig nach der Krebsdiagnose der Mutter.

Positiv hingegen muss man herausstreichen, dass in dieser Erzählung gerade die Seite der Mutter sehr gut dargestellt ist, die nach der Diagnose von Verdrängung über Optimismus bis zur Resignation alle Emotionen durchlebt. Da passt es auch, dass sie mit der Tochter und dem Ex-Mann eine Auseinandersetzung hat, als diese vorsorglich schon mal eine Mütze gegen die eventuell bei der Chemotherapie ausfallenden Haare besorgen.

Schade ist es, dass gerade das Stadium, in dem Claire und ihre Mutter doch endlich aufeinander zugehen, nur so wenig beschrieben wird. Da die beiden Frauen dann doch endlich mehr Zeit miteinander verbringen, ist es natürlich nicht mehr nötig, so ausführliche Zettel am Kühlschrank zu hinterlassen, aber so bleiben für den Hörer auch einige interessante Fragen unbeantwortet.

Gerade bei einem solch schwierigen Thema wie Krebs wäre mehr Tiefgang wünschenswert gewesen. Auf diese Weise bleibt es dem Leser überlassen, sich die Hintergründe mit seiner eigenen Fantasie zu schaffen und so die Lücken zwischen diesen wenigen Zeilen zu füllen. Trotzdem erreicht den Hörer der Aufruf der Autorin, mehr Zeit mit denen zu verbringen, die einem lieb sind.

Fazit:

Auch wenn man bei der Hörbuchversion von "Sehen wir uns morgen?" von Alice Kuipers weniger das Gefühl hat, einer Mogelpackung aufzusitzen, als bei dem gebundenen Buch, so kann man doch den fehlenden Inhalt und den Mangel an Tiefgang kritisieren. Auch schafft es die Autorin gerade zu Beginn nicht, den beiden Protagonisten überzeugende Worte in den Mund zu legen. Besonders fällt dies bei der Tochter Claire auf, deren Wortwahl oft nicht der einer Fünfzehnjährigen entspricht. Wer als Hörer allerdings über genügend Fantasie verfügt, um die Lücken zwischen den kurzen Notizen zu füllen, der wird dann doch einiges über den Umgang mit Krebs und die Auswirkungen einer solchen Krankheit auf eine Familie aus dieser Erzählung ziehen können.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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