Banner bookdepository.com

Mäx 1: Rechte Schergen in Schweizer Bergen  Drucken E-Mail
Comics: Sonstiges Krimi & Thriller
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 24. August 2009

Mäx 1: Rechte Schergen in Schweizer Bergen

Autor: Tobi
Zeichner: Tobi

1. Band der Reihe

Verlag: Epsilon
Format: Softcover
Erschienen: März 2009
ISBN: 978-3866930193
Preis: 10 EUR

46 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.8

Wertung:
6.8
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Party, Party, Party ... Da legt sich Mäx lieber schlafen und zieht später hinaus in ein gefährliches Abenteuer, um einer schönen Frau zu helfen, obwohl es ihm lieber wäre ... von Schnucki in Ruhe gelassen zu werden ...

Meinung:

Hinter dem Autoren Tobi steckt der Schweizer Stefan Tobler Frank. Er ist Leiter der "Tobis International Comic School" und freier Mitarbeiter bei dem satirischen Magazin "Nebelspalter". Mit "Mäx 1" liefert er nun sein Debüt als Comic-Macher ab.

Mäx Meier ist freiberuflicher Autor und nicht nur ein ruhiger und zurückhaltender Mensch, sondern kann auch keiner Fliege etwas zu Leide tun. Da erfährt er, dass der Journalist Beat Nützli, den er gut kannte, verschwunden ist. Bald darauf nimmt dessen Tochter Ilona Kontakt mit ihm auf. Sie überredet ihn, gemeinsam mit ihr nach dem Verbleib des Vaters zu forschen. Und so gerät Mäx in ein aufregendes Abenteuer.

"Mäx Band 1: Rechte Schergen in Schweizer Bergen" ist ein Semifunny-Comic. Das heißt, er beschäftigt sich mit ernsten Themen, in diesem Fall Rechtsextremismus, wobei die Handlung durch komische Szenen aufgelockert wird. Dies ist besonders bei den Protagonisten deutlich zu bemerken: Mäx Meier ist alles andere als der typische Held. Er ist arg- und harmlos. Als eine Party in seiner Wohnung außer Kontrolle zu geraten droht, vermeidet er jede Konfrontation und legt sich stattdessen schlafen. Dass er in ein Abenteuer gerät, ist daher sehr ungewöhnlich für ihn. Trotzdem schließt er sich Ilona Nützli an, weil ihr Vater ihm einst das Leben rettete. Dies heißt allerdings noch lange nicht, dass er der jungen Frau eine große Hilfe ist. Im Gegenteil, denn er bleibt die ganze Zeit passiv und lässt sich von den Ereignissen treiben. Nur einmal wird er selbst aktiv und kassiert dafür auch prompt Prügel.

Ilona ist der genaue Gegensatz von ihm: Aktiv und zielstrebig, weiß sie, was sie will und wie sie es erreichen kann. Wo Mäx mit seiner freundlichen, harmlosen Art nichts zustande bringt, ist sie direkter und bohrt nach. Die Rolle von Ilonas Hund, Schnucki, ist unklar. Die Dogge hat eine große Szene, in der angedeutet wird, dass sie eventuell als Comedy-Relief dienen sollte. Sie fühlt sich nämlich stark von Mäx angezogen, was, wie bei der Titelfigur üblich, zu seinen Ungunsten ausgelegt wird. Doch aus diesem Ansatz entwickelt sich nichts. Dass Schnucki nicht vollkommen in Vergessenheit gerät, liegt daran, dass sie immer wieder kurz auftaucht, ohne jedoch etwas zur Handlung beizutragen.

Die Balance zwischen komischen und ernsten Momenten ist dem Autor bestens gelungen. Vor allem beschäftigt er sich in den ernsthafteren Szenen mit dem Thema Vorurteile. Dies fällt schon am Anfang auf, als ein Bekannter von Mäx sich negativ über den Beruf der Journalisten äußert. Immer wieder sprechen Personen Plattitüden aus, die ihren Fremdenhass zeigen, während Menschen mit anderer Hautfarbe Ziel von feindlichen Attacken werden. Dabei stellt Tobi diese Gesinnung im späteren Verlauf des Bandes bloß, als er den wahren Hintergrund über die zwei besonders repräsentativen rechten Schläger Urs und Doppelmeter enthüllt.

Die Komik entsteht, wenn zum Beispiel der Autor den im Comic geäußerten Hass durch die Darstellungen der Sprecher karikiert. Denn die Personen sehen genauso aus, wie man sich solche dumpfen Menschen vorstellt, meistens dick und mit einer Bierflasche in der Hand. Aber auch Mäx trägt mit seinen Aktivitäten zum Humor des Bandes bei, etwa durch die übertriebene Betonung seiner Harmlosigkeit.

An einigen Stellen macht die Handlung und Darstellung einiger Personen leider deutliche Sprünge. So gesteht Ilona Mäx auf einmal ihre Liebe, was zwar nicht wirklich aus heiterem Himmel kommt, aber angesichts der bis zu diesem Punkt geschehenen Ereignisse doch nicht so ganz überzeugend wirkt. Ebenso gibt es auch eine Szene, in dem er von einer Person, die ihn eben erst kurz vorher gerettet hat, grundlos im Stich gelassen wird. Dies mindert etwas den ansonsten guten Gesamteindruck des Comics. Die Zeichnungen von Tobi sind gut. Ihm liegt der leicht übertriebene, karikaturenhafte Stil, den die meisten seiner Figuren haben. Allerdings wirkt in diesem Zusammenhang Ilona, die eher realistisch dargestellt wird, etwas merkwürdig, ja schon fast fehl am Platz.

Fazit:

Für ein Erstlingswerk kann "Mäx 1: Rechte Schergen in Schweizer Bergen" bereits durchaus überzeugen. Tobi gelingt es, einen nahezu perfekten Semifunny-Comic zu produzieren. Ernste und komische Momente halten sich die Balance. Dies wird besonders durch die Hauptfiguren Mäx und Ilona deutlich. Mäx ist eigentlich kein Held, sondern nur jemand, der eher passiv bleibt und keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Dadurch ist er der Garant für Comedy-Relief. Ilona hingegen ist aktiv, zielstrebig und weiß sich zu helfen. Das Thema Rechtsextremismus wird hier durch Vorurteile repräsentiert. Dabei gibt der Autor diese durch die Umstände, in denen sie geäußert werden, der Lächerlichkeit preis. Allerdings existieren ein paar Stellen, in denen die Handlung und die Charakterisierung unglaubwürdige Sprünge machen. Die Zeichnungen passen perfekt zur Atmosphäre. Mäx wirkt mit seiner Knollennase als lebendige Karikatur, während Ilona realistisch gezeichnet wird, was im Gesamtzusammenhang ein wenig irritiert.
Weiterführende Infos

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.