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Andrax 2: Im Labyrinth der Zeit  Drucken E-Mail
Comics: Sonstiges Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Manuel Tants   
Donnerstag, 16. April 2009

Andrax 2: Im Labyrinth der Zeit

Zeichner: Jordi Bernet

Reihe: Andrax
2. Band der Reihe

Verlag: Cross Cult
Format: Hardcover
Erschienen: Januar 2008
ISBN: 978-3-936480-76-4
Preis: 18,00 EUR

144 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.1

Wertung:
8.1
von 10
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Zum Inhalt:

Andrax lernt ein urzeitliches Volk kennen, das sich gegen gut organisierte Truppen aus dem Nachbarreich wehren muss, um der Sklaverei zu entgehen. Natürlich schlägt der Held sich auf die Seite der Schwächeren und unterstützt sie in ihrem Freiheitskampf. In weiteren Geschichten erforschen Andrax und Holernes einen geheimnisvollen Tempel, in dem sie eine seltsame Fernbedienung finden, sie geraten zwischen die Fronten zweier unversöhnlich verfeindeter Germanenstämme und entdecken ein Volk von Reptilienmenschen, das ein grausames Geheimnis birgt ...

Meinung:

"Andrax" wäre das Comic-Äquivalent zu einem Roadmovie - wenn es in der kaputten Zukunft, in die es den Titelhelden verschlagen hat, denn noch Straßen gäbe. Gemeinsam mit seinem treuen Freund Holernes bereist der ehemalige olympische Zehnkämpfer, der vor seiner unfreiwilligen Zeitreise noch Michael Rush hieß, recht planlos die verwüstete Erde und lässt sich von Begegnung zu Begegnung treiben. Dabei hofft er herauszufinden, wie es in den letzten 2000 Jahren dazu kommen konnte, dass die menschliche Zivilisation untergegangen ist und durch Barbarenstämme, Dinosaurierherden, außerirdische Usurpatoren und andere unliebsame Überraschungen ersetzt wurde.

In "Im Labyrinth der Zeit", dem zweiten Band der Serie, trifft Andrax dabei unter anderem auf ein steinzeitlich anmutendes Volk, das von der straff organisierten Truppe eines deutlich fortschrittlicheren Reiches (etwa auf dem Stand der Antike) entführt und zum Sklavendienst gezwungen wird, sowie auf einen Kult, der ein übermächtiges Wesen anbetet. Außerdem kann dieser Band mit einer echten Besonderheit aufwarten: Für die Geschichte "Die Germanen" lag der Original-Text nicht mehr vollständig vor, und in der (rechtlich umstrittenen) spanischen Veröffentlichung der Serie wurde diese Episode gleich ganz ausgelassen. Dadurch war Peter Wiechmann, der sowohl damals in den 70er Jahren bei Kauka als auch nun bei Cross Cult die redaktionelle Betreuung dieser Reihe übernahm, genötigt, allein anhand der Bilder die Dialoge von Grund auf neu zu schreiben. Die Germanen-Episode hebt sich zudem durch eine weitere Besonderheit hervor: Ausnahmsweise sind die Damen, denen unsere Reisenden begegnen, mal nicht dunkelhaarig, sondern durchweg blond!

Ohnehin sind viele Herrscherposten in der Welt der Zukunft glücklicherweise von rassigen Frauen besetzt, die zudem durchaus empfänglich für die männliche Ausstrahlung und den überlegenen Intellekt von Andrax sind. Das erspart dem Helden so manches Mal die sofortige Hinrichtung. Wenn er dann allerdings "neumodische" Ideen vorschlägt, wie etwa die Wahrung der Menschenrechte, hat die Geduld der Regentinnen oft auch ganz schnell wieder ein Ende. Und in so gut wie jedem Abenteuer ist Platz für mindestens einen Kampf mit einem Dinosaurier - in der letzten Episode des Bandes wird diese Tendenz sogar von Andrax und Holernes selbst bemängelt, die sich zur Abwechslung mal ein paar andersartige Gegner wünschen.

Doch diese Reptilienlastigkeit stört im "Andrax"-Kontext keineswegs, denn die Geschichten sind so erfrischend einfach, naiv und temporeich aufgebaut, dass die Klischee-Echsen einfach dazugehören. Hinzu kommen die steif und ein wenig künstlich wirkenden Dialoge, die mitunter fast schon ans Absurde grenzen. Denn bei "Andrax" fällt die Wahl zwischen einem realistischen Wortwechsel und einem dummen Spruch stets zugunsten der augenzwinkernden Albernheit aus. Gerade der barbarische Holernes nimmt im Eifer des Gefechts so manches Mal Bezug auf Dinge, die er als Bürger der Zukunft gar nicht kennen kann (wie etwa "Heinzelmänner"). Aber das nimmt man dem Comic absolut nicht übel - im Gegenteil, solche kleinen Unstimmigkeiten tragen sogar sehr zur guten Unterhaltung bei. Der Humor nimmt dem Endzeit-Szenario zwar ein wenig die Bedrohlichkeit, macht beim Lesen aber umso mehr Spaß.

Die Schwarzweiß-Zeichnungen von Jordi Bernet sind auch im zweiten "Andrax"-Band ein echter Augenschmaus: Mit seinem gewohnt lockeren Strich gelingt es dem Spanier, sowohl Urzeitmonster als auch adonishafte Helden, sowohl ausgemergelte Zombies aus der Unterwelt als auch üppige, leicht geschürzte Damen eindrucksvoll aufs Papier zu bringen. All diese Bilder bersten geradezu vor Lebhaftigkeit und Dynamik. Davon profitieren natürlich vor allem die zahlreichen Kampfszenen. Aber auch wenn prunkvolle Thronsäle oder verfallende Ruinen ins rechte Bild gerückt werden sollen, liefert Bernet stets erstklassige Arbeit ab.

Wie schon beim ersten Band gibt es auch hier als redaktionelles Extra einen ausführlichen Hintergrundbericht von Peter Wiechmann selbst, der diesmal den redaktionellen Arbeitsalltag in den 70ern beschreibt. Erneut ist dieser Einblick natürlich spürbar von seinem individuellen Standpunkt geprägt. Dennoch sind die hier präsentierten Informationen ausgesprochen interessant. Auch ein Vorwort von Alexandra Kauka bereichert den wie gewohnt hochwertig produzierten A5-Hardcover-Band um nostalgisch gefärbte Insider-Informationen, die nicht nur für Comic-Historiker lesenswert sind.

Fazit:

Wer durch die Lektüre moderner Comics zu sehr auf gebrochene Helden fixiert ist, die mehr mit ihren eigenen psychischen Problemen zu kämpfen haben als mit ihren Widersachern, wird sich beim Lesen von "Andrax" womöglich verwundert die Augen reiben: Der ehemalige Olympionike kann alles und handelt stets richtig, daher braucht er auch keine Gewissensbisse zu fürchten. Die charmante Naivität der Abenteuer und ihrer Protagonisten vermag gerade in der heutigen Zeit, in der auf vielschichtige Charaktere und "political correctness" Wert gelegt wird, umso mehr zu amüsieren. Jordi Bernets Zeichnungen setzen die Trash-Szenerien voller Dinosaurier und primitiver Kulturen zudem so rasant und überzeugend in Szene, dass es beinahe unmöglich ist, sich dem Reiz dieses einfachen, aber ehrlichen Comic-Vergnügens zu entziehen.

 
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