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Genug  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Ratgeber
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Sonntag, 21. Dezember 2008

Genug

Originaltitel: Enough
Übersetzt von: Barbara Först

Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-431-03762-3
Preis: 18,00 EUR

300 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Mehr Informationen, mehr Essen, mehr Sachen, mehr Statussymbole. Heute gibt es von allem mehr, als wir jemals nutzen, genießen oder uns leisten können. Trotzdem rücken wir keinen Millimeter von der ältesten Überlebensstrategie der Menschheit ab: Wir wollen immer noch mehr, mehr, mehr - auch wenn uns das krank, müde, übergewichtig, unzufrieden und arm macht. Die Welt des Überflusses zerstört unsere persönlichen Ressourcen und die des Planeten.

Meinung:

Bis vor Kurzem herrschte noch der Eindruck, dass wir in einem Zeitalter des Überflusses leben: Grenzen schien es nicht zu geben, besonders in der Finanzbranche fiel dies auf. Ein Gefühl der Gier hatte die Menschen erfasst, welches dazu führte, dass sie über ihre Verhältnisse lebten. Solange bis es zu einem Kollaps kam, dessen Nachwirkungen heute noch die Welt beschäftigt. Die Leute hatten verlernt, "genug" zu sagen, einen Schlussstrich zu ziehen und mit dem Erreichten zufrieden zu sein. "Genug" ist auch der Titel eines Buches von John Naish, das sich mit den Themen "Information", "Essen", "Sachen", "Arbeit", "Auswahl", "Glück", "Wachstum" und dem Buchtitelthema im Allgemeinen beschäftigt.

Dabei geht der Autor immer äußerst systematisch vor: Zuerst beschreibt er, wie es in den jeweiligen Sachgebieten aktuell aussieht. So schildert er beispielsweise, wie ein Durchschnittsmensch mit Informationen geradezu überflutet wird. Sei es durch 24-Stunden-Nachrichtensender oder das Bedürfnis, jederzeit erreichbar zu sein, stets bleibt eine Art Gefühl des "Hungers" zurück. Ein Verlangen nach mehr, obwohl das bereits Erhaltene ausreichend sein sollte. Danach widmet sich John Naish Menschen, die mit ihrem aktuellen Status Quo zufrieden sind. Gegen Ende eines jeden Kapitels gibt es auch noch einen Leitfaden, anhand dessen der Leser selbst seine persönliche Zufriedenheit erreichen kann.

Nun würde man bei einem solchen Thema erwarten, dass so ein Buch eher von einem Wissenschaftler veröffentlicht wird, der darüber geforscht hat. Doch John Naish ist keiner - und doch hat das, was er schreibt, Hand und Fuß und ist für jeden Leser nachvollziehbar. Er hat Ahnung von der Materie, was auch daran liegt, dass er selbst schon einmal dem Drang nach Mehr zum Opfer gefallen ist. Einst stand der Journalist vor einem Burnout-Syndrom. Und die einzige Möglichkeit, seinen vollständigen Kollaps zu verhindern, war, sein Leben und seine Denkweise radikal zu ändern.

Es ist allerdings nicht so, dass der Autor aufgrund seiner Erfahrungen mit dem berühmten moralischen Zeigefinger daherkommt. Geschickt vermeidet er die große Konsumkritik und seinen Lesern ein schlechtes Gewissen einzureden. Warum auch? Freimütig gesteht er, dass er selbst in einigen wenigen Momenten sich dem Wunsch nach Mehr unterwirft. So schildert er beispielsweise, wie er sich einen neuen Rechner zulegte, obwohl der alte Computer noch ausreichte, einzig aus dem Grund, ein persönliches Bedürfnis zu stillen.

Dieses Geständnis ist ein Beispiel dafür, was John Naish zu einem für dieses Thema idealen Autor macht. So stellt er sich auf eine Ebene mit seinen Lesern, wodurch seine Thesen und Anleitungsvorschläge - denn diese sind der eigentliche Sinn des Buches - glaubwürdiger wirken, als wenn sie von irgendeinem Gesellschaftsapostel kämen.

Außerdem kommt es dem Gelegenheitsleser entgegen, dass der Ton im Text nicht allzu trocken ist. Immer wieder blitzt ein gewisses Augenzwinkern durch, welches dem eben Gelesenen ein wenig die Schärfe nimmt, ohne jedoch die Brisanz des Inhalts vollständig zu verwässern. Und für diejenigen, die sich mit einem Thema näher beschäftigen wollen, gibt es gegen Ende des Buchs selbstverständlich ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Wenn man mit der Lektüre von "Genug" fertig ist, bleibt die eigene Lebensmentalität von den gelesenen Eindrücken erst einmal nicht unberührt. Entweder fühlt sich der Leser in gewissen Details - wie zum Beispiel in dem Verzicht auf ein eigenes Handy - bestätigt oder man fühlt sich bemüßigt, über sein Leben und sein Verhalten nachzudenken und etwas zu ändern, um zufriedener durchs Leben gehen zu können.

Fazit:

Mit "Genug" liefert der britische Journalist John Naish ein Buch ab, das wirklich jeden Leser etwas angeht. Detailliert widmet sich der Autor einer Vielzahl von Themen, wie zum Beispiel "Information" oder "Geld" und verzichtet dabei darauf, in irgendeiner Weise zu moralisieren. Er schildert seine Erfahrungen nicht von einer überlegenen Warte aus, sondern gesteht freimütig ein, dass er - genau wie seine Leser - Fehler gemacht und dies sein Leben negativ beeinflusst hat. Dadurch wirken seine Ratschläge glaubhafter und die Chancen sind höher, dass man sie auch für sein Leben ausprobiert. John Naish beschreibt die verschiedenen Sachlagen nachvollziehbar und immer mit einem gewissen Augenzwinkern, ohne dass deswegen der Inhalt in Gefahr gerät, an Brisanz zu verlieren.
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