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Wo hat Prometheus das Feuer versteckt  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Natur, Wissen & Technik
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Mittwoch, 22. Oktober 2008

Wo hat Prometheus das Feuer versteckt

Originaltitel: Don't Know Much About Mythology
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juli 2008
ISBN: 978-3-404-60603-0
Preis: 9,95 EUR

704 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Mythen sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Wir begegnen ihnen in Redewendungen, Filmen, Büchern und Popsongs. Haben Sie schon einmal jemanden mit Argusaugen beobachtet, ein gigantisches Chaos angerichtet und sind in Panik geraten? Eben. Seit Jahrtausenden suchen die Menschen Antworten auf große Fragen: Woher kommen wir? Welche Bedeutung hat unser Leben? Warum gibt es das Böse? Auf diese Antworten entstanden Geschichten, die den Grundstock für Wissenschaft, Religion, Philosophie und Populärkultur bilden sollten: die Mythen.

Meinung:

Wer kennt sie nicht, die Geschichten von Herkules? Wer weiß nicht, was eine Sisyphusarbeit ist? Und was für Mythen kennen die Ägypter oder die Afrikaner? All diese Fragen beantwortet Kenneth C. Davis im Laufe des Buches "Wo hat Prometheus das Feuer versteckt". Der Autor hat dieses Sachbuch in drei Teile untergliedert: "Die Mythen des Westens" mit Ägypten, Mesopotamien, Griechenland und Rom sowie den Geschichten der German und Kelten, "Die Mythen des Ostens" mit Indien, China und Japan und "Die Mythen der alten Völker" - womit die Völker des afrikanischen Kontinents gemeint sind - sowie der neuen Welt.

Das ist einiges an potenziellem Material, das Kenneth C. Davis da bearbeiten will. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Autor keinen College-Abschluss hat, also im Prinzip ein wissenschaftlicher Laie ist. Nichtsdestoweniger veröffentlicht er seit 1984 Bücher und ist in seinem Heimatland, den USA, bekannt für seine populärwissenschaftliche Reihe "Don't Know Much About ...". Über 15 Titel sind in dieser Reihe enthalten, auch wenn es davon bisher nur vier Bücher zu einer deutschen Veröffentlichung gebracht haben.

Die Taschenbuchausgabe von "Wo hat Prometheus das Feuer versteckt" ist nicht die deutsche Erstveröffentlichung, sondern "nur" die Neuauflage der gebundenen Ausgabe, die 2006 im Ehrenwirth-Verlag, der zur Verlagsgruppe Lübbe gehört, erschienen ist. Das Buch ist als eine Art "Was ist Was?" für Erwachsene aufgebaut. Kenneth C. Davis stellt eine Frage und beantwortet sie dann, wobei der große Unterschied zu den berühmten Kinder-Sachbüchern ist, dass die Antworten hier wesentlich ausführlicher ausfallen.

Die Kapitel sind alle gleich aufgebaut: Zuerst listet der Autor die Fragen auf, die gestellt werden, ehe er sich den Mythischen Meilensteinen zuwendet. Dies ist eine Art Zeitstrahl, der alle wichtigen Daten im Bezug auf die Entstehung und Weitergabe von Mythen angibt. Zwischendurch streut der Autor immer wieder Zitate aus religiösen Texten ein, wodurch sich ein schönes und abwechslungsreiches Gesamtbild ergibt.

Was den Inhalt angeht, so gelingt es Kenneth C. Davis, selbst die schwierigsten Aspekte einfach zu erläutern. Ebenso antwortet er auf die Fragestellungen in aller Ausführlichkeit. Stellt sich zum Beispiel die Frage, ob Atlantis überhaupt in der griechischen Mythologie erwähnt wurde, beschränkt er sich bei der Beantwortung nicht nur auf die Griechen, sondern verweist am Ende noch auf den zum Erscheinungszeitpunkt des Buches aktuellen Stand der Forschung. Diese Sorgfalt ist für den Leser wirklich beeindruckend.

Ebenso erwähnt der Autor auch, wenn er der Ansicht ist, dass die Quellen, aus denen er sein Wissen bezieht, die Sagenwelt leicht gefälscht wiedergeben. Dies ist besonders bei den nordischen und amerikanischen Mythen der Fall, die von christlichen Missionaren gesammelt wurden. Diese haben den Stoff meistens etwas verändert, um diese fremdartigen Religionen in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.

Überhaupt setzt Kenneth C. Davis nahezu kein Vorwissen voraus. Nur einmal ist ihm eine Anspielung durchgeschlüpft, die man als europäischer Leser nicht so selbstverständlich verstehen kann. Es geht um eine Anekdote von George Washington und einem Baum - wovon der Autor hier redet, dürfte sich nur einem amerikanischen (oder dem entsprechend vorgebildeten deutschen) Leser erschließen. Hier wäre es angebracht gewesen, einen entsprechenden Hinweis einzuflechten.

Je mehr sich das Buch thematisch vom Westen entfernt, desto dünner werden die Fakten und der Inhalt. So hakt der Autor in einem einzigen, eher kurz geratenen Kapitel die Mythen Afrikas ab - was natürlich auch daran liegen kann, dass diese nur mündlich überliefert werden und es so kaum schriftliche Aufzeichnungen dazu gibt. Dennoch kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass dem Autor hier langsam die Lust ausging und er das Buch zu einem Abschluss bringen wollte. Zuletzt wird "Wo hat Prometheus das Feuer versteckt" noch durch eine Bibliografie, Anmerkungen und ein umfangreiches thematisches Register abgerundet.

Fazit:

"Wo hat Prometheus das Feuer versteckt" ist ein sehr gut geschriebenes Sachbuch über die Mythen der Welt. Es ist zwar nicht vollständig, aber es berührt Sagenwelten rund um den Globus. Kenneth C. Davis versucht, das Beste aus seinen Quellen-Materialien zu machen und versäumt dabei nicht zu erwähnen, wenn diese leicht abgefälscht sein könnten. Dieses Buch überzeugt durch das dichte, kompakte Wissen, das es liefert. Zu fast keinem Zeitpunkt hat man als Leser das Gefühl, irgendwie überfordert zu sein, auch wenn der Autor an einer Stelle auf eine Geschichte über George Washington anspielt, die dem europäischen Leser nicht bekannt sein dürfte.
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