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Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Natur, Wissen & Technik
Geschrieben von Viola Reinhardt   
Dienstag, 3. Juni 2008

Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen

Verlag: Ullstein
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-548-37222-8
Preis: 7,95 EUR

191 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.1

Wertung:
6.1
von 10
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Zum Inhalt:

Wir leben keineswegs in der "besten aller Welten", sondern in einer Welt voll unzulänglicher Wesen. Viele Tiergattungen haben skurrile Eigenarten entwickelt, die nicht gerade dazu dienen, ihr Überleben zu sichern. Da lieben Nattern Speisen, mit denen sie sich vergiften; Robben sind ausgerechnet für das Blau des Meeres farbenblind und Schwäne verlieben sich in Tretboote. Alle diese Arten sind trotz ihrer Handicaps der natürlichen Auslese entgangen und Jörg Zittlau erklärt uns, weshalb.

Meinung:

Dr. Jörg Zittlau studierte Philosophie, Biologie und Sportmedizin. Nach einigen Jahren in Forschung und Lehre gelangte er zu der Erkenntnis, dass Wissenschaft nicht langweilig sein muss - und man sie durch Zutaten wie Humor und spannende Geschichten auch einem breiten Publikum vermitteln kann. Er schreibt mittlerweile als freier Journalist für Die Welt, Natur & Kosmos, Psychologie heute und viele andere Medien. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Bestseller, in denen Wissenschaft nicht nur zur Informationsquelle, sondern auch zum Spaßfaktor wird.

Entsprechend erwartet den Leser in dem vorliegenden Buch natürlich auch so einiges, wie etwa interessante Erkenntnisse aus der Tierwelt und der Evolution, die auf unterhaltsame Weise vermittelt werden. Es ist schon amüsant, wenn man erfährt, dass Nilpferde mit dem Schwanzwedeln ihren Kot verteilen und damit ihr Revier markieren. Oder dass es Ameisen gibt, die bei Hochwasser eine absurde Technik entwickelt haben, um ihren Bau trocken zu legen: Die Ameisen versuchen zunächst, mit ihren Köpfen das Wasser abzuhalten. Stellen sie fest, dass das nicht funktioniert, beginnen sie, das Wasser zu trinken, rennen aus ihrem Bau und urinieren direkt neben den Eingang. Diese Aktion wiederholen sie zigfach und sind entsprechend der Erschöpfung nahe. Viele der Tierchen sterben sogar aufgrund dieser Anstrengung. Jörg Zittlau erklärt in leicht verständlichen Worten, weshalb sich während der Evolution die verschiedensten Wesen in welcher Form verändert haben und welche Vor- oder Nachteile dadurch für sie entstanden sind.

Mit einer gewissen Ironie zieht der Autor oft Vergleiche zu uns Menschen, die einen zum Schmunzeln anregen, aber auch Zittlaus Aussagen kritisch begutachten lassen. Der Humor ist nicht immer jedermanns Sache und kann somit gelegentlich zu Missstimmung beim Leser führen.

Das Buch liest sich zunächst erst einmal sehr leicht und durch die amüsanten Darstellungen kann man sich oft ein Grinsen nicht verkneifen. Nach einer gewissen Zeit fällt einem jedoch auf, dass wohl insbesondere das Sexualleben der Tiere einen großen Reiz auf den Autor ausstrahlt. Sei es das Liebesleben der Käfer, Eintagsfliegen oder Kraken - in jedem Fallbeispiel geht Zittlau lang und breit auf das "Wie?", "Wie lang?" und "Wo?" des Geschlechtsakts dieser Tiere ein und zieht auch dort wiederum Parallelen zum Menschen. Auf Dauer kommt einem das schon irgendwie etwas befremdlich vor und man fragt sich ernsthaft, ob es nicht interessantere Themen aus Tierwelt und Evolution zu berichten gibt.

Den Abschluss des Buchs bildet ein Kapitel über den Homo sapiens, also den Menschen von heute. Zittlau geht darin darauf ein, wie unvollkommen unsere Spezies doch sei. Der Autor schreibt über die Fettfalle und die steigende Fettleibigkeit, doch sind seine Ausführungen sehr allgemein gehalten, eine evolutionäre Erklärung lässt sich in ihnen nicht entdecken.

Fazit:

Wer auf der Suche nach einigen lustigen Erkenntnissen aus der Tierwelt ist und auch einen kleinen Einblick in die evolutionären Entwicklungen erhalten will, ist mit "Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen" sicher gut bedient. Das Buch eignet sich - trotz mancher inhaltlicher Schwächen, die am speziellen Humor bzw. Interessensgebiet des Schriftstellers liegen - bestens als leichte Unterhaltungslektüre für zwischendurch. Tiefer gehendenes Wissen zu den Themen Fauna und Evolution wird man hier jedoch vergeblich suchen und sollte bei Interesse daran eher zur entsprechenden Fachliteratur greifen.

 
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