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Dinge, die es nicht geben dürfte  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Natur, Wissen & Technik
Geschrieben von Manuel Tants   
Montag, 28. April 2008

Dinge, die es nicht geben dürfte

Verlag: Ueberreuter
Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-8000-7344-3
Preis: 19,95 EUR

206 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
3.3

Wertung:
3.3
von 10
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Zum Inhalt:

Archäologen stoßen immer wieder auf mysteriöse Gegenstände, die wegen ihrer Altersdatierung nicht ins vertraute geschichtliche Weltbild einzuordnen sind: menschliche Überreste aus der Zeit der Dinosaurier, Neandertaler mit dem Einschussloch einer modernen Waffe, High-Tech-Geräte aus längst vergangenen Tagen. Viele dieser Merkwürdigkeiten wurden ignoriert, als Fälschung abqualifiziert oder verschwanden in dunklen Kellerarchiven. Reinhard Habeck hat spektakuläre Artefakte aus internationalen Museen und Privatsammlungen aufgestöbert und in diesem Buch in Wort und Bild dokumentiert.

Meinung:

Reinhard Habeck präsentiert in "Dinge, die es nicht geben dürfte - Mysteriöse Museumsstücke aus aller Welt" eine ganze Reihe von archäologischen Fundstücken, die dem Betrachter Rätsel aufgeben. Da gibt es z.B. den modern wirkenden Hammer mit seinem Kopf aus erstaunlich reinem Stahl, der allerdings Berichten zufolge in einer Jahrtausende alten Kalksteinschicht gefunden wurde und dessen Holzstiel bereits versteinert ist. Ebenso faszinierend sind die knapp 2500 Jahre alten Tongefäße aus dem heutigen Irak, die sich nachweislich wie Batterien einsetzen lassen und möglicherweise sogar zur Elektrolyse genutzt wurden.

Und dann ist da noch der Apparat aus der griechischen Antike, gebaut vor etwa 2000 Jahren, der ein unglaublich fein gearbeitetes Differenzialgetriebe enthält - nicht nur in mechanischer und mathematischer Hinsicht eine Meisterleistung. Denn diese Rechenmaschine ist auch deshalb höchst bedeutsam, weil sie vermutlich in der Lage war, die Umlaufzeiten einiger Planeten um die Sonne sehr präzise zu berechnen. Ihr Erbauer hielt also nicht wie damals üblich die Erde für den Mittelpunkt des Kosmos, sondern besaß offensichtlich ein heliozentrisches Weltbild.

Diese und die vielen weiteren Artefakte, die in dem Buch vorgestellt werden, sollten eigentlich genügend Stoff bieten, um den Leser zu fesseln. Doch leider belässt der Verfasser es nicht dabei, diese interessanten Objekte so sachlich wie möglich vorzustellen. Schon die kurze Auflistung von Eckdaten, die zu Beginn jedes Kapitels auf den in ihm behandelten Gegenstand einstimmen soll, spart nicht mit beinahe esoterischen Spekulationen oder gar Seitenhieben auf die vorherrschende Lehrmeinung. Und dafür gibt es einen einfachen Grund: Reinhard Habeck gehört zur Gruppe der "Grenzwissenschaftler", die der so genannten Paläo-SETI-Hypothese anhängen.

Der Paläo-SETI-Ansatz (SETI = "search for extraterrestrial intelligence") geht davon aus, dass die vorgeschichtlichen Menschen Besuch von "Astronauten" aus dem All hatten. Zahlreiche Kunstobjekte und Alltagsgegenstände aus grauer Vorzeit, aber auch viele religiöse Mythen, seien Zeugnisse dieses Kontakts und werden als Nachbildungen oder Interpretationsversuche der fortschrittlichen Ausrüstung dieser außerirdischen Besucher ausgelegt. Mitunter hätten die "Aliens" den Menschen sogar Einblicke in ihr immenses Wissen vermittelt und ihnen so Zugang zu technischen Errungenschaften gewährt, die nach landläufiger Meinung erst Jahrhunderte später erfunden wurden. Der berühmteste Vertreter dieser Auffassung dürfte Erich von Däniken sein, der vor exakt 40 Jahren mit seinem ersten Buch "Erinnerungen an die Zukunft" berühmt wurde und auch prompt das Vorwort zu "Dinge, die es nicht geben dürfte" verfassen durfte.

So kommt es, dass der Goldschmuck aus Mittel- und Südamerika, der in seiner Formgebung in der Tat an moderne Düsenjets erinnert, natürlich unweigerlich nach dem "realen Vorbild" modelliert worden sein muss. Und tierköpfige Gottheiten, wie sie etwa die Ägypter verehrten, führt Habeck auf die Resultate von Genmanipulationen zurück. So etwas wie Fantasie oder Freude am Gestalten ästhetischer Formen gesteht der Autor den Völkern und Kulturen, deren Kunstwerke er hier untersucht, nicht zu.

Habeck scheut sich ebenfalls nicht, die bereits in den Werken Erich von Dänikens zu Genüge breitgetretenen Abbildungen von maskierten Gottheiten als "Astronauten in Raumanzügen" zu deuten, und bringt sogar die immer wieder als "Raumschiff-Landebahn" verkaufte Hochebene von Nazca ins Spiel. Dabei ist er immerhin geschickt genug, niemals eine klare Behauptung zu äußern (denn eine solche Aussage wäre ja eventuell widerlegbar), sondern es bei suggestiven Fragen und Andeutungen zu belassen. An der von ihm präferierten Deutung gibt es trotzdem keinen Zweifel.

Dieses stete Herumspekulieren, das zum Teil sogar völlig ohne konkreten Anlass stattfindet, verbindet sich obendrein mit einem weiteren Faktor, der den Lesespaß deutlich beeinträchtigt: Da Paläo-SETI-Verfechter von "ernsthaften" Wissenschaftlern häufig belächelt werden, hat sich in diesen Kreisen mittlerweile ein an Paranoia grenzender Verschwörungsglaube entwickelt. Im Falle Habecks führt das dazu, dass er seine Argumentation von vornherein ungemein aggressiv aufbaut: Selbst vage formulierten Ansichten von Forschern schreibt der Autor unter Verwendung leicht durchschaubarer rhetorischer Mittel eine hohe Verlässlichkeit zu - solange der vermittelte Standpunkt sich nur mit seinem eigenen deckt. Manche dieser Personen stilisiert er sogar beinahe zu heldenhaften Freidenkern hoch, die sich trotz aller Widrigkeiten tapfer gegen die etablierte Lehrmeinung behaupten.

Dem Gros der "etablierten" Archäologen und Anthropologen steht Habeck jedoch ablehnend gegenüber. Um die Deutungen dieser Fachleute zu diskreditieren, greift er dabei oftmals lediglich kleine Zitat-Bruchstücke heraus, ohne deren Gesamtzusammenhang zu berücksichtigen. Diese Fragmente aus dem Munde einzelner Wissenschaftler verwendet er dann dazu, ganze Forschungszweige als unglaubwürdig darzustellen. Der Grundvorwurf lautet dabei, dass die Universitäten und Museen verbissen am Status Quo der Menschheitsgeschichte festhalten wollen. Angeblich geschieht dies, indem die Institute die mysteriösen Artefakte entweder aus Mangel an Ressourcen nicht hinreichend untersuchen oder schlimmstenfalls sogar Erkenntnisse, die den gängigen Ansichten widersprechen könnten, bewusst unterdrücken - also eine Mischung aus Faulheit und bösem Willen. Diese penetranten Seitenhiebe Habecks auf die "Schul"-Archäologie ermüden den Leser schnell, sofern er nicht selbst Befürworter dieser Grenzwissenschaften ist.

Mit seinen 206 Seiten ist "Dinge, die es nicht geben dürfte" relativ kurz und dank des großen Schriftsatzes bleibt der Textanteil insgesamt recht überschaubar. Immerhin weist das Buch zahlreiche Schwarzweiß-Illustrationen auf. Die meisten davon sind Fotografien, die die bei aller Kritik an der Präsentationsweise nach wie vor interessanten Gegenstände anschaulich machen. Nur zu wenigen im Text erwähnten Fundstücken verzichtet das Buch auf eine Abbildung. Wer sich mit den vorgestellten Artefakten intensiver auseinandersetzen möchte, findet im Anhang ein Verzeichnis von weiterführender Literatur und Web-Links.

Fazit:

Der Titel von "Dinge, die es nicht geben dürfte" verspricht viel - doch leider hält das Buch den geschürten Erwartungen nicht Stand. Neben zwei oder drei tatsächlich interessanten (und auch halbwegs gut erforschten) Artefakten kaut Reinhard Habeck hauptsächlich sattsam bekannte "Phänomene" aus Erich von Dänikens Grenzwissenschaften-Kabinett durch, ohne ihnen neue Aspekte abgewinnen zu können. Und selbst wenn die beschriebenen Gegenstände wirklich bislang weitgehend unbekannt wären, so bliebe doch immer noch das gravierendste Problem bestehen: Letztlich ist der Leser ganz allein auf Habecks Beschreibung und Interpretation der Fundstücke sowie seine Einschätzung ihrer Authentizität angewiesen. Da sein Urteil aber natürlich stark von den eigenen Ansichten gefärbt ist und auch die Sachlichkeit der Argumentation häufig der Spekulation weichen muss, kann der unabhängige Leser sich auf die Aussagen des Autors leider nur sehr bedingt verlassen. Wer bisher von der Paläo-SETI-Hypothese nicht überzeugt war, wird seine Meinung auch durch dieses Werk nicht ändern.

 
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