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Simone de Beauvoir - Ein Lesebuch mit Bildern  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Kultur & Zeitgeschehen
Geschrieben von Maren Volkmann   
Sonntag, 31. Mai 2009

Simone de Beauvoir - Ein Lesebuch mit Bildern

Verlag: rororo
Erschienen: Dezember 2008
ISBN: 978-3-499-62418-6
Preis: 9,95 EUR

336 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Für Generationen von Frauen war Simone de Beauvoir (1908 - 1986) Vorbild und Wegbereiterin: eine Frau, die Emanzipation lebte und in ihren Büchern theoretisch untermauerte. Und heute? Was ist geblieben? Welche Texte der Autorin haben Bestand? Alice Schwarzer, die mit Beauvoir ab Anfang der 70er-Jahre befreundet war, zieht Bilanz. Ihr "Lesebuch" liefert ein ganz persönliches Porträt der französischen Kollegin: mit einer Auswahl ihrer wichtigsten Texte, einem einleitenden Essay und einigen eindrucksvollen Fotos.

Meinung:

Simone de Beauvoir - ein Name, der selten ohne den Jean-Paul Sartres Erwähnung findet. Dabei war de Beauvoir viel mehr als die Muse im Schatten des großen modernen Philosophen: Sie war Vor- und Querdenkerin, hoch intellektuell und prägend für die folgenden Frauengenerationen. Feminismus bekam durch sie Gestalt - in der Theorie und auch weitgehend in der Praxis.

Mit diesem Lesebuch gelingt es Alice Schwarzer, zum einen zu verhindern, dass de Beauvoir in Vergessenheit gerät, zum anderen macht sie durch eine wunderbare Auswahl Beauvoirs bester Texte deutlich, wie aktuell und relevant ihre Themen immer noch sind. Nicht nur ihr berühmtes Essay "Das andere Geschlecht" strotzt vor Klarheit, auch selten Gelesenes wie ihre Gedanken über das Alter und ihre Prosatexte machen die Brillianz der gebürtigen Französin deutlich.

Neben der "philosophischen" de Beauvoir gewährt das Buch jedoch auch Einblicke in ihre ganz private Sphäre. Reisetagebücher, Briefe und Memoiren zeigen uns eine rastlose, innerlich stets zerrissene Frau, die eine Balance zwischen Intellekt und Gefühl zu finden versucht. Ihre unkonventionelle Beziehung zu Sartre verdeutlicht ihr Streben nach einem Leben jenseits der traditionellen Rollenvorstellungen - ein Kampf, der nicht immer leicht ist.

Alice Schwarzer nimmt den Leser auf eine sehr unaufdringliche Art und Weise mit auf die Reise durch de Beauvoirs Leben und Schaffen. Als ihre Vertraute liefert sie interessante Hintergrundinformationen und dient so als roter Faden durch dieses gelungene Lesebuch. Kompetent moderiert sie die Texte an, lässt aber zum überwiegenden Teil de Beauvoir selbst reden.

So ist es Alice Schwarzer zu verdanken, dass auch diejenigen, die nicht mit de Beauvoirs Leben und Werk vertraut sind, das Buch von vorne bis hinten genießen können. Wer sich mit der Philosophin und Feminismus allgemein schon einmal beschäftigt hat, wird in dem Lesebuch eine wunderbare Zusammenfassung finden - doch auch alle anderen kommen auf ihre Kosten: Die Sprache ist einfach und verständlich, de Beauvoirs Thesen glänzen vor Klarheit und ermöglichen es dem Laien, ihren Argumenten zu folgen. Und so intellektuell die Französin auch war, spätestens in ihren Liebesbriefen an Nelson Algren und Sartre wird klar, dass wir alle die selbe Sprache der Liebe sprechen.

Anschaulichkeit und Abwechslung gewinnt das Buch durch etliche Schwarzweiß-Bilder, nennt es sich doch auch explizit "ein Lesebuch mit Bildern". Gerade dadurch, dass ihre Texte chronologisch geordnet sind, unterstreichen die Fotos das Altern de Beauvoirs und ihre verschiedenen Lebensabschnitte. Sieht man sie anfangs noch im Jahre 1973 mit Freundinnen (u.a. Schwarzer) in ihrer Pariser Wohnung, essend und in rege Diskussionen vertieft, erscheint sie gegen Ende des Buches als ernste, alte Frau, zusammen mit ihrer um viele Jahre jüngeren Lebensgefährtin Silvie Le Bon. Dazwischen werden die Bilder immer wieder Zeugnis eines Lebens, das in vollen Zügen gelebt wurde: de Beauvoir mit Sartre und Algren auf Reisen, in fernen Ländern, stets in Gesellschaft anderer Intellektueller. Daneben bekommt aber auch ihre getriebene, arbeitswütige Seite ihren Platz: de Beauvoir arbeitend am Schreibtisch, in Gedanken vertieft. Ausgewogen spiegelt diese Auswahl von - teils sehr privat anmutenden Fotos - das Bild wieder, das in ihren Texten gezeichnet wird.

Das Buch schließt mit einer tabellarischen Zusammenfassung de Beauvoirs Lebensdaten und ermöglicht somit dem Leser, das Gelesene noch einmal stichpunktartig Revue passieren zu lassen. "Was für ein aufregendes und spannendes Leben", mag man unverzüglich nach der Lektüre denken.

Fazit:

"Simone de Beauvoir - Ein Lesebuch mit Bildern" von Alice Schwarzer ist eine pointierte und abwechslungsreiche Zusammenstellung de Beauvoirs bester Texte, die den Leser auch ohne Vorkenntnisse in ihren Bann ziehen. Es werden sowohl spannende Einblicke in ihr Privatleben gewährt, als auch ihre wichtigsten politischen und philosophischen Thesen in einen geschichtlichen Kontext gestellt. Die Auswahl der Bilder sorgt nicht nur für Abwechslung und Anschaulichkeit in dem recht umfangreichen Buch (336 Seiten), sondern unterstreicht das Gelesene in einem hohen Maße. Ein Lesebuch zum Staunen, das Lust auf mehr de Beauvoir'sche Texte macht.
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Leseprobe

 
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