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China-USA - Der programmierte Krieg  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Kultur & Zeitgeschehen
Geschrieben von Priscilla Wolmeringer   
Dienstag, 4. August 2009

China-USA - Der programmierte Krieg

Originaltitel: Chine-USA: La guerre programmée
Verlag: List
Erschienen: Februar 2009
ISBN: 978-3-548-60822-8
Preis: 9,95 EUR

272 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Aufgrund seines atemberaubenden Aufstiegs, vor allem aber wegen seines historischen, geopolitischen und demografischen Gewichts ist China prädestiniert, zur asiatischen Vormacht und - neben den USA - zur führenden Weltmacht des 21. Jahrhunderts zu werden. Für den französischen Wirtschaftsfachmann Jean-François Susbielle, Asien-Berater internationaler Konzerne und seit zwanzig Jahren intimer Kenner Chinas, steht fest, dass es in absehbarer Zeit geradezu zwangsläufig zur - auch gewaltsamen - Konfrontation der beiden Supermächte kommen muss.

Meinung:

Der Autor Jean-François Susbielle arbeitet seit zwanzig Jahren als Berater für Industrie- und Handelspolitik deutscher und internationaler Unternehmen in China und hat dadurch einen tiefen Einblick in die chinesische Wirtschaft. Am lesenswertesten ist der erste Teil des Buches, in dem der Autor die Geschichte Chinas wiedergibt. Die meisten Europäer sind mit der chinesischen Historie nicht vertraut und Jean-François Susbielle geht bei seiner Beschreibung auf die wesentlichen Fakten ein und verliert sich nicht in unwichtigen Details.

Während der Leser die verschiedenen chinesischen Dynastien und ihre Errungenschaften für das chinesische Volk durchstreift, erfährt man mehr über den Konfuzianismus und andere Grundlagen der chinesischen Kultur. So lernt man die kulturellen Wurzeln dieses mächtigen Landes kennen, das sich in den letzten Jahren zu einer wirtschaftlichen Großmacht entwickelt hat. Auf diese Weise hat man die Möglichkeit, auf relativ wenigen Seiten einen wesentlichen Einblick in die Kultur Chinas und ihre Ursprünge zu gewinnen.

Der Hauptteil des Sachbuchs beschäftigt sich mit den aktuellen Konflikten zwischen China und den USA, die sich vor allem um Themen wie Ölreserven und Rüstungspolitik drehen. "China-USA - Der programmierte Krieg" bietet interessante Einblicke in die Einflüsse der chinesischen Wirtschaft auf den Ölpreis und die amerikanische Wirtschaft. Die Beispiele, die Susbielle zur Untermauerung seiner These vom drohenden Krieg nutzt, werden mit aktuellen Statistiken und Schaubildern belegt. Diese sind stets mit Quellen versehen, die zeigen, dass seine Argumentation nicht nur auf Hirngespinsten basiert. Die erschreckenden Folgen, die er aus diesen Daten zieht, muss man als Leser allerdings nicht teilen.

Jean-François Susbielle erwähnt viele Sachverhalte, die einem als Normalbürger verborgen bleiben. Insbesondere die verzweifelte Suche nach Energieressourcen für die größte Bevölkerungszahl der Welt führt die Chinesen vom Nahen Osten bis nach Afrika. Der Autor hebt besonders hervor, dass China nicht nur von diesen Staaten profitiert, sondern sich auch ebenso in diesen meist unterentwickelten Regionen Afrikas mit Investitionen beteiligt. China weist den Vorteil auf, dass es auch mit so genannten "Schurkenstaaten" verhandelt und somit ein größeres Repertoire an möglichen Kooperationspartnern hat. Allerdings hat Amerika den Chinesen einen Strich durch die Rechnung gemacht, als US-Truppen in den Irak einmarschiert sind. Mit den dortigen Ölreserven hatten die Chinesen bereits geliebäugelt.

Der Gedanke, dass China zum Erreichen wichtiger Energieressourcen einen Krieg mit seinen Nachbarländern beginnt, scheint nahe liegend, da 1,3 Milliarden Einwohner einen weitaus größeren Verbrauch haben als jedes europäische Land. Dennoch ist es fraglich, ob dieser prognostizierte Krieg wirklich vor der Tür steht. Schließlich müssen alle Staaten mit den Folgen der Globalisierung und begrenzter Ressourcen zurechtkommen. Das Sachbuch erweckt den Anschein, dass Öl die einzige Energiequelle wäre, um die sich alle streiten. Dabei waren die Chinesen schon immer erfindungsreich und zeigen dies auch in Fragen der Energieversorgung, z.B. mit dem Bau des Drei-Schluchten-Staudamms in Zentral-China. Weiterhin hat die chinesische Regierung auch keine Probleme, mit dem Bau von etlichen Atomkraftwerken die Energieversorgung zu sichern.

Da die Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten zum Zeitpunkt des Verfassens des Buchs noch bevorstand, fußt die Argumentation des Autors darauf, dass der neue Regierungschef der USA zeigen wird, welchen Kurs er in der China-Politik einschlägt. Daher lässt "China-USA - Der programmierte Krieg" auch viele Fragen für die Zukunft offen.

In der Buchklappe befinden sich zwei Karten, die unterschiedliche Ausschnitte des Reichs der Mitte und seiner Nachbarn zeigen. Das ist sehr hilfreich, um einen Überblick zu bekommen. Nachteilig ist jedoch, dass man viele im Buch erwähnte Staaten, die man vielleicht nicht auf Anhieb geografisch genau lokalisieren kann, auf diesen Karten gar nicht findet. Somit bleibt es dem interessierten Leser nicht erspart, in einem Atlas nachzuschlagen.

Fazit:

Wenn man sich für den noch unter der Oberfläche brodelnden Konflikt zwischen China und den USA und allgemein für die Geschichte und Entwicklung Chinas interessiert, ist "China-USA - Der programmierte Krieg" genau die richtige Lektüre. Das Buch bietet mit Hilfe anschaulicher Statistiken einen aktuellen Überblick über die Entwicklungen und Ambitionen im Reich der Mitte. Allerdings gewährt das Buch vor allem im Bereich Energiepolitik nur einen Einblick in die Versuche, an Erdöl und -gas zu kommen, und erwähnt keine möglichen Alternativen. Trotz der etwas einseitig wirkenden Darstellung der politischen Beziehungen und deren Ausmaß kann sich der Leser aufgrund der präsentierten Fakten selbst gut eine Meinung zu den Sachverhalten bilden.
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