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Die Welt des Mittelalters  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Kinder-Sachbuch
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 17. Mai 2009

Die Welt des Mittelalters - 20 faszinierende Ereignisse vom Ritterfest bis zum Klosterbau

Reihe: Live dabei
Untergenre: Geschichte
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: September 2008
ISBN: 978-3-407-75344-1
Preis: 16,95 EUR

176 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

Das Mittelalter bietet mehr als Ritter und Burgen. Das Mittelalter war auch die Zeit der Völkerwanderungen, die Epoche der ersten Klöster und Universitäten, das Zeitalter, in dem riesige Kathedralen entstanden. Es war aber auch eine dunkle Zeit, in der sich die Pest ausbreitete und Kreuzzüge geführt wurden. All das lässt diese Epoche zu einer der spannendsten der Menschheitsgeschichte werden.

Meinung:

In "Die Welt des Mittelalters" bietet Mira Hofmann dem Leser "20 faszinierende Ereignisse vom Ritterfest bis zum Klosterbau". Erschienen ist dieser Titel in der Reihe "Live dabei", mit der der Verlag Beltz & Gelberg Sachbücher für Kinder ab elf Jahren präsentiert und dabei laut eigenen Angaben "fundiertes Wissen, großartige Bilder, spannend in Szene gesetzt" präsentiert.

Tausend Jahre umfasste das Mittelalter, und Mira Hofmann hat versucht, zwanzig Ereignisse herauszustellen, die diese Zeit besonders beeinflusst haben sollen. So dreht sich das erste Kapitel auch um "Die Hunnen und die Völkerwanderung" - und die Legende, nach der Papst Leo I. Attila, den Hunnenkönig, im Jahr 452 davon abhalten konnte, die Stadt Rom zu plündern und weiter vorzudringen.

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit dem Leben im Kloster um 540, Pippins Krönung im Jahr 749, den Raubzügen der Wikinger, der Zeit der Araber in Spanien, der Hochzeit von Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu, König Heinrichs Gang nach Canossa im Jahr 1077, den Veränderungen in der Landwirtschaft durch die Drei-Felder-Bewirtschaftung, der Gründung zahlreicher neuer Städte zu Beginn des 12. Jahrhunderts und vielem mehr.

Jedes Thema beginnt mit einem kleinen Dialog oder einem Auszug aus einem historischen Schriftstück. Unangenehmerweise wurden für diese Einleitungen in der Regel drei verschiedene Schriftgrößen verwendet, um bestimmte Bereiche des Textes hervorzuheben, während zusätzlich durch einen Einschub und eine andere Schriftart eine weitere Betonung erfolgt. All diese Manipulationen an diesen kurzen Passagen erschweren die Lesbarkeit erheblich - und da nicht einmal eine nachvollziehbare Logik hinter den Hervorhebungen steht, wäre es doch deutlich besser gewesen, darauf zu verzichten.

Auf die Einleitungen folgen nähere Beschreibungen, die sich mit den Tatsachen und Legenden zu den jeweiligen Ereignissen beschäftigen. Kurz, aber interessant wird auf die Ursachen und Folgen eingegangen, wie zum Beispiel auf den Zusammenhang zwischen der Pest und den darauf folgenden Judenpogromen. Und doch wird schnell deutlich, dass bei acht Seiten pro Thema die verschiedenen Ereignisse nur angerissen werden können. Immerhin bieten Kästchen am Rande, die unter der Überschrift "Wissen spezial" oder "Thema" stehen, genauere Erläuterungen zu relevanten Begriffen und Hintergrundinformationen.

Aufgelockert werden die verschiedenen Kapitel durch eine große Zahl von Abbildungen. Gemälde aus den verschiedensten Epochen und Fotos sollen die unterschiedlichen Szenen unterstreichen. Doch so angenehm diese Bilder zu betrachten sind, spürt man doch in diesem Bereich deutlich eine traurige Lieblosigkeit. Fotos, bei denen die Headsets der Darsteller ebenso wie Armbanduhren deutlich zu sehen sind, oder in deren Hintergrund Autos auftauchen, haben in einem Sachbuch zum Thema Mittelalter einfach nichts zu suchen. Gerade wenn so ein Buch für Kinder gedacht ist, welche nicht immer in der Lage sind, das Dargestellte richtig einzuordnen, ist eine sorgfältige Bearbeitung solchen Bildmaterials von Nöten.

Bei den Gemälden hingegen vermisst der Leser schmerzlich eine genauere Angabe über die Zeit, in der das Kunstwerk entstanden ist, und von welchem Künstler es geschaffen wurde. Einzig eine Auflistung der Quellen ist am Ende des Bandes zu finden, dabei ist es doch von einiger Relevanz, ob ein Bild zur selben Zeit gemalt wurde, in der die Ereignisse, die dort beschrieben sind, stattfanden - oder ob es nur die Vorstellung eines Künstlers spiegelt, der Jahrhunderte später seine Fantasie an einem geschichtlichen Moment erprobte. Grundsätzlich ist die Idee, zwanzig bedeutende Ereignisse genauer zu betrachten, um ein Zeitalter zu beschreiben, sehr reizvoll. Doch bei einer Epoche, die 1000 Jahre umspannt, kommt schnell das Gefühl auf, dass ein solches Konzept nicht ausreichend ist, um dieser Zeit gerecht zu werden.

Fazit:

Während Mira Hofmanns Titel "Die Welt des Mittelalters" inhaltlich aufgrund der zwar knappen, aber dennoch interessanten Texte überzeugen kann, verhindern mehrere Punkte ein stimmiges Gesamtbild bei diesem Sachbuch. Schon die unerklärliche und schlecht leserliche Formatierung des Einleitungstextes eines jeden Kapitels schreckt den Leser ab, und der genauere Blick auf das - zugegebenermaßen zahlreiche - Bildmaterial lässt dann wirklich Ärger aufkommen. Fotos, die mittelalterliche Aspekte untermauern sollen, auf denen aber Armbanduhren, Headsets und Autos zu sehen sind, haben in einen Sachbuch für Kinder nicht zu suchen - und ebenso vermisst man bei den dargestellten Gemälden Angaben über die Künstler und den Schaffungszeitpunkt, die es dem Leser ermöglichen würden, die Aussagekraft der abgebildeten Szenen richtig einzuschätzen.
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