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Europa im Mittelalter  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Geschichte
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Freitag, 3. Juli 2009

Europa im Mittelalter

Verlag: Campus
Erschienen: September 2008
ISBN: 978-3-593-38507-5
Preis: 24,90 EUR

317 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Viele mittelalterliche Entwicklungen sind bis heute hoch aktuell: das Verhältnis zwischen Christentum und Islam etwa, die Geldwirtschaft und die Entstehung von Städten und Nationen. Auch kulturell gab diese Epoche dem Abendland seine Identität, zum Beispiel durch das Vermächtnis der Antike, den Individualismus und Umgang mit der Zeit oder die Popularität von Pilgerwegen wie dem Jakobsweg. Arnulf Krause rekonstruiert das Leben im hohen Mittelalter aus der Perspektive der Menschen und anhand zeitgenössischer Stimmen. Dabei werden verblüffende Bezüge zur Gegenwart deutlich. Damals nahm das Europa, wie wir es kennen, seinen Anfang.

Meinung:

Das Mittelalter besetzt auch heute noch eine wichtige Rolle in unserem Alltag: Kleine Jungen spielen Ritter, die meisten Menschen kennen das Nibelungenlied und im Fernsehen laufen regelmäßig Dokumentationen über diese Zeit. Doch nur selten findet man unter den Sachbüchern eine für den Durchschnittsmenschen verständliche Gesamtübersicht dieser Epoche. An diese Aufgabe wagt sich der promovierte Germanist und Skandinavist Arnulf Krause, der sich bereits früher mit dieser Zeit auseinandergesetzt hat. Dies merkt man schon bei einem Blick auf sein Leben und seine bisherigen Bücher, zu denen unter anderem "Die Geschichte der Germanen" und "Die Welt der Wikinger" zählen.

Der Schwerpunkt von "Europa im Mittelalter" liegt auf den Kreuzzügen, mit denen sich der Autor vor allem in den ersten beiden Kapiteln beschäftigt. Zuerst wird erläutert, wie es in Europa während der Kreuzzüge aussah, ehe sich mit der Geschichte jener die Welt so prägenden Ereignisse beschäftigt wird. Aber auch im weiteren Verlauf wird immer wieder auf diese Geschehnisse zurückgegriffen und sie werden in den jeweiligen Kontext eingeordnet. Der Staat, bzw. dessen Herrscher im hohen Mittelalter, ist Gegenstand des dritten Kapitels, während die damalige Gesellschaft und ihre verschiedenen Stände Thema der nächsten drei Abschnitte sind. Danach wird die Entwicklung der Stadt beschrieben, ehe der Autor sich dann der damaligen Rolle der Frau zuwendet. Kapitel neun stellt die Ängste dar, die zu jener Zeit vorherrschten, und zuletzt befasst sich Arnulf Krause mit der Frage, ob und inwiefern der mittelalterliche Mensch seinem modernen Verwandten nahe steht.

Der Schreibstil des Autors ist sehr ruhig und nüchtern. Er verzichtet darauf, diesen Zeitabschnitt mit seinen Eigenheiten zu bewerten, sondern stellt ihn einfach nur dar. Es bleibt dem Leser selbst überlassen, sich aufgrund der aus dem Buch gewonnenen Erkenntnisse eine eigene Meinung zu bilden. Zielgruppe ist daher nicht der Akademiker, sondern eher der typische Durchschnittsleser. Dies merkt man vor allem daran, dass Arnulf Krause auf Fachbegriffe verzichtet, wodurch der Text für jedermann verständlich ist.

Allerdings muss man bemängeln, dass die Exkurse, die der Autor ins Buch einstreut, schlecht platziert sind. Man liest beispielsweise gerade das Kapitel vier über den Klerus, als plötzlich auf der unteren Hälfte der Seite eine Abhandlung über Handschriften anfängt. Zwar ist dieser durchaus interessant, doch als Leser ist man quasi gezwungen, erst den einen Text zu Ende zu lesen und dann zurückzublättern, um dasselbe bei dem anderen zu machen. Sicherlich wäre es besser gewesen, diese Einschübe ans Ende eines jeden Kapitels zu setzen und im Haupttext selber nur einen Hinweis einzufügen, statt diese beiden Elemente parallel laufen zu lassen.

Arnulf Krause unterstützt seinen Text immer wieder mit verschiedenen Zitaten. Wenn er im zweiten Kapitel auf einen Kampf zwischen Frankreich und Deutschland genauer eingeht, zitiert er einen der damaligen Zeitzeugen. Dabei erwähnt er zwar den Namen des Zeugens, aber nicht, aus welcher Quelle dieser stammt. Und auch wenn im Anhang ein Literaturverzeichnis abgedruckt ist, fehlt eine Zuordnung der angegebenen Materialien zu den jeweiligen Passagen in den vorhergehenden Kapiteln. Bei dem ebenfalls vorhandenen Abbildungsverzeichnis sind diese Verweise hingegen zu finden - und es gibt nicht gerade wenige Bilder im gesamten Buch. Durch die fehlenden Quellenverweise wird es einem interessierten Leser erschwert, sich weiter über eine bestimmte Thematik zu informieren. Außer den beiden oben erwähnten Verzeichnissen gibt es auch noch eine sehr ausführliche Zeittafel, ein großes Personenregister sowie ein Orts- und ein Sachregister.

Fazit:

Arnulf Krauses Sachbuch "Europa im Mittelalter" weist sowohl Stärken als auch Schwächen auf. Von Vorteil ist, dass das Buch vor allem für Durchschnittsleser konzipiert wurde. Außerdem verzichtet der Autor auf eine Bewertung der Geschehnisse, die von ihm dargestellt werden. Von Nachteil sind vor allem die Exkurse, die an einigen Stellen urplötzlich im Text auftauchen und eine Weile parallel zu diesem verlaufen. Hier wäre es sicherlich besser gewesen, diese ans Ende des jeweiligen Kapitels zu setzen und dafür an passender Stelle einen Hinweis einzubauen. Ebenso fällt auch negativ auf, dass Krause viel und gerne zitiert, aber nicht erwähnt, welche Quelle er verwendet hat. Zwar listet er am Ende des Buches alle verwendete Literatur auf, doch es fehlt eine eindeutige Verbindung zu den daraus entnommenen Zitaten. Trotz dieser Schwächen ist das Buch sehr gut zu lesen und für alle am Mittelalter Interessierten empfehlenswert.
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