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Die Geschichte des Dritten Reiches  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Geschichte
Geschrieben von Heike Bellas   
Sonntag, 23. November 2008

Die Geschichte des Dritten Reiches

Untergenre: Jugend-Sachbuch
Verlag: Campus
Erschienen: September 2008
ISBN: 978-3-593-38539-6
Preis: 17,90 EUR

172 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Hattet ihr Angst vor Hitler? Konnte man nicht wissen, welche Verbrechen die Nationalsozialisten vorbereiten? Mit welchen Gefühlen seid ihr in den Krieg gezogen? Als Torsten Körner diese Fragen stellt, ist niemand mehr da, der sie ihm beantworten kann. So wie ihm geht es heute den meisten Jugendlichen: Ihre Fragen zum Dritten Reich, dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg bleiben ohne Antwort. Torsten Körner stellt in diesem Buch die wichtigsten Fakten aus Politik und Alltag Nazideutschlands zusammen. Schlicht, anschaulich und eindringlich erzählt er vom Leben im Dritten Reich und macht deutlich, warum uns dieser Abschnitt unserer Vergangenheit noch lange beschäftigen wird.

Meinung:

Torsten Körner wurde 1965 in Oldenburg geboren und lebt heute in Berlin, wo er als freier Autor und Journalist arbeitet. Er schreibt Medienkritiken und ist seit mehreren Jahren Juror des Grimme-Preises. Neben "Die Geschichte des Dritten Reiches" veröffentlichte Torsten Körner größtenteils Biografien, darunter preisgekrönte Titel über Heinz Rühmann und Franz Beckenbauer.

Der Autor leitet "Die Geschichte des Dritten Reiches" mit seiner persönlichen Vergangenheit ein. Er berichtet von seinem Großvater, der in Torsten Körners Jugend bei seiner Familie lebte und dessen Eigenheiten seine Mutter damit erklärte, dass er im Zweiten Weltkrieg gedient habe und dabei an der Leber erkrankt sei. Lange Zeit war sein Großvater für ihn nur der Mann, der - außer bei Fußballübertragungen im Fernsehen - wenig mit ihm sprach, der zitternd und grau im Gesicht in seinem Sessel saß und auch sonst sehr wenig Verbindung zu seinem Enkel aufbaute.

Erst lange nach dem Tod des Großvaters brachte Körner das, was er über den Zweiten Weltkrieg gesehen und gelesen hatte, mit dem Leben seines Opas in Verbindung und erkannte, dass die Geschichte auch Teil des Lebens seiner eigenen Familie ist. Da er seinem Großvater die Fragen, die ihm in den Sinn kamen, nicht mehr stellen konnte (zumal der Autor bezweifelt, dass dieser sie ihm hätte beantworten wollen) und er sich überlegt, wie heute - trotz der negativen Vergangenheit - immer noch Rassenfeindlichkeit herrschen kann, versucht Körner mit diesem Sachbuch, wenigstens den Lesern Antworten zu liefern.

Dabei ist seine Zielgruppe bei den Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren anzuordnen. Auf deren normalen Sprachgebrauch zugeschnittene Texte erklären, wie Hitler an die Macht gelangen konnte und wie das Leben unter seiner Führung aussah. Abschließend werfen sie die Frage auf, ob man die Vergangenheit bewältigen kann. Dadurch, dass die Texte nicht trocken geschrieben sind, lässt sich das Buch leicht lesen. Die Kapitel sind logisch angeordnet und jedes von ihnen beinhaltet noch einmal zusätzliche Überschriften. Somit lässt sich die Lektüre in kleinere Portionen einteilen, was bei einem solchen Thema angebracht ist, damit man über das Gelesene nachdenken kann. Trotz der lockeren Sprache wirkt das Buch nicht verharmlosend. Den erklärenden Text untermalt Körner mit Aussagen von Betroffenen und mit Reden, die Himmler damals vor dem Volk gehalten hat.

Das einzige Manko an dem Buch sind die Abbildungen. Wer erwartet, hier Neues zu sehen, wird enttäuscht werden, denn die meisten Fotografien kennt man bereits aus Geschichtsbüchern und Reportagen. Außerdem wurden die Bilder bearbeitet und erscheinen durchgehend entweder in Rot-, Blau-, Grün- oder Gelbtönen. Dazwischen finden sich nur hin und wieder normale Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Diese Farbveränderungen verwirren nicht nur, sondern vermindern auch die Qualität der Aufnahmen, die nun schwammig und ungenau erscheinen. Das ist nicht sehr vorteilhaft, denn eine Zielgruppe, die noch wenig über das Thema weiß, sollte nicht raten müssen, was vage auf den Bildern zu sehen ist. So verlieren die Abbildungen ihren informativen Zweck und "verschönern" das Buch nur noch.

Zwar ist das Buch so geschrieben, dass es jede Altersgruppe gerne liest, weil es das Gefühl vermittelt, man bekäme die Geschichte des Dritten Reiches von jemandem erzählt, der sie vielleicht nicht hautnah erlebt, aber zumindest aus zweiter Hand hat, was einem das Thema noch näher bringt. Auch kann man sich gut vorstellen, dass die Lektüre die jugendlichen Leser betroffen macht, weil sie dadurch nah ans Geschehen gebracht werden. Doch jemand, der nicht zur Zielgruppe gehört, wird zwar gut unterhalten, lernt aber nichts Neues, wenn er sich mit dem Thema schon einmal auseinandergesetzt hat. Dazu ist das Buch zu sehr darauf gemünzt, 14- bis 17-Jährige allgemein zu informieren, damit sie einen Überblick über das Dritte Reich bekommen. Durch die persönliche Note sollen sie darüber nachdenken, welchen Effekt die Geschichte auf ihr Leben hat und wie sie dafür sorgen können, dass sie sich nicht wiederholt.

Doch diese Fokussierung auf die Zielgruppe ist gar nicht negativ zu sehen. Da die Jugendlichen heutzutage nicht einmal mehr auf die Kriegserfahrungen ihrer Verwandten zurückgreifen können, die älteren Generationen noch zur Verfügung standen, wird es umso wichtiger, dass sie trotzdem auf altersgerechte Weise an ein Thema herangeführt werden, das ihren heutigen Alltag immer noch stark beeinflusst. Wie Torsten Körner schon in seiner Einleitung beschreibt, kennt die heutige Jugend Hitler und den zweiten Weltkrieg nur noch aus Fernsehreportagen, Kinofilmen und dem Geschichtsunterricht und nimmt dadurch einen Standpunkt ein, der auf eine weit entfernte Vergangenheit zurückzublicken scheint. Dabei ist das Ende des Zweiten Weltkriegs erst 63 Jahre her. Dass ihre Urgroßväter vielleicht noch in den Krieg gezogen sind, Hitler zugejubelt oder für ihn auf Menschen geschossen haben: für sie stellt sich diese Frage gar nicht mehr. Daher sollte den Jugendlichen in Erinnerung gerufen werden, dass diese Vergangenheit näher an ihrem Leben liegt, als sie denken, und dass die damalige Zeit immer noch Auswirkungen auf ihr Leben hat, die ihnen nur nicht bewusst sind.

Fazit:

Torsten Körners "Die Geschichte des Dritten Reiches" ist ein informatives Sachbuch, das auf komplizierte Texte und umständliche Formulierungen verzichtet, um in gut verständlicher und lockerer - aber nicht unangebrachter - Weise vom Beginn und der Entwicklung des Dritten Reiches zu erzählen. Dabei ist der Band übersichtlich aufgebaut und mit Zeitzeugenberichten angereichert. Nur die Abbildungen hätten etwas weniger Farbe und dafür mehr Genauigkeit vertragen können. Dennoch ist der Band sehr empfehlenswert, um Jugendlichen das Thema "Drittes Reich" näher zu bringen.
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