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Der Schatz der Nibelungen  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Geschichte
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Mittwoch, 24. September 2008

Der Schatz der Nibelungen - Mythos und Geschichte

Verlag: Gustav Lübbe
Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-785-72318-0
Preis: 19,95 EUR

304 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.9

Wertung:
9.9
von 10
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Zum Inhalt:

Eine der Legenden um die Nibelungen erzählt vom unverwundbaren Krieger, der in Drachenblut gebadet hat. War es Arminius, der die Römer in der Varusschlacht vernichtend geschlagen und deren Wunderwaffen erbeutet hatte? In den Nibelungen verbinden sich übersinnliche Motive, germanische Götterwelt und Heldengeschichten. Doch in ihnen steckt noch viel mehr an historischen Fakten.

Meinung:

Das Nibelungenlied weckt beim Durchschnittsbürger viele Assoziationen. Der eine denkt an die alljährlich stattfindenden Wagner-Festspiele in Bayreuth, bei denen mindestens einer der vier Teile von Richard Wagners Nibelungensaga auf dem Programm steht. Der andere hingegen fühlt sich bei dem Namen an das dritte Reich erinnert, während wieder ein anderer eine Buchadaption des Liedes gelesen haben dürften.

Nun hat Jörg Oberste mit dem Titel "Der Schatz der Nibelungen - Mythos und Geschichte" im Zusammenhang mit einer Dokumentation der ARD über diese berühmte deutsche Sage ein sehr detailliertes Buch geschrieben. Dabei kann das Sachbuch unabhängig von der ARD-Serie gelesen und verstanden werden.

"Der Schatz der Nibelungen" beeindruckt in vielerlei Hinsicht. Da wäre einerseits die hohe Informationsdichte und -fülle. Auf über 300 Seiten geht Jörg Oberste nicht nur auf die möglichen historischen Wurzeln des Werks ein, sondern auch auf die vielen verschiedenen Varianten, die es von der Sage im Laufe der Jahrhunderte gab. Der Autor analysiert Schritt für Schritt die bekannteste Version und so erfährt der Leser zum Beispiel, dass das Nibelungenlied in der ursprünglichen Fassung ziemlich abrupt endete - und erst nach einigen Jahren um einen Epilog ergänzt wurde.

Auch spricht Jörg Oberste die möglichen historischen Wurzeln der Nibelungensage an. Obwohl manche Thesen wirklich abenteuerlich sind, führt der Autor Beweise an, die durchaus für die verschiedenen Theorien sprechen. Er selbst bezieht zu diesen kühnen Ideen nie selbst Stellung. Weder verwirft er sie noch bestätigt er sie. Vielmehr überlässt er es dem Leser, sich eine Meinung dazu zu bilden. Das zeigt sich besonders schön an einer Theorie, die besagt, dass Arminius (der legendäre Cherusker), der die Legionen von Varus besiegte, das Vorbild für Siegfried sein könnte. Jörg Oberste stellt diese These in den Raum und untermauert sie mit Beweisen, wobei er gleichzeitig betont, dass diese Fakten keinen ganz eindeutigen Schluss zulassen.

Der Autor konzentriert sich in "Der Schatz der Nibelungen" nicht nur auf die Hauptpersonen des Nibelungenlieds, sondern erläutert auch die Rollen diverser Nebenfiguren. Als Beispiel sei Dietrich von Bern genannt, der nicht nur im letzten Akt der Sage eine wichtige Rolle spielt, sondern dessen Taten auch in einem umfangreichen Heldenlied erzählt werden. Dabei formuliert der Autor alle Thesen und Gedanken auf sehr verständliche Art und Weise, sodass der Leser keine Vorbildung benötigt.

Doch Jörg Oberste vergisst dabei auch nicht die Bedeutung des Nibelungenlieds in der jüngeren Vergangenheit. Hier geht er detailliert auf die Relevanz für das ab Ende des 19. Jahrhunderts schnell wachsende rechtsnationale Bewusstsein ein. Dabei wird klar, dass man sich zu dieser Zeit zwar auf das Kulturgut berufen hat, jedoch ohne die Sage wirklich verstanden zu haben. Denn sonst wäre der Begriff "Nibelungentreue" nicht in den verwendeten Zusammenhängen genutzt worden, "Treue bis in den Untergang" kann man schließlich kaum positiv auffassen.

Abgerundet wird das Buch durch sehr viele Fotos und Illustrationen, die den Text an den passenden Stellen ergänzen und unterstützen. Man bekommt sehr viele Bilder zu sehen, die Teile der Siegfried-Sage gemäß ihrer Epoche interpretieren. Doch nicht nur Gemälde werden abgebildet, sondern es finden sich in diesem Buch auch Fotos von Gebäuden und Fassaden-Verzierungen - immer zum textlichen Zusammenhang passend. Besonders positiv ist noch die Qualität der Abbildungen hervorzuheben. Diese sind so gut gedruckt, dass man wirklich jedes Detail erkennen kann.

Fazit:

Jörg Oberste liefert mit "Der Schatz der Nibelungen" vielleicht das bislang interessanteste Buch über die Nibelungensage. Es ist äußerst detail- und kenntnisreich erzählt und trotzdem für jeden Leser leicht verständlich. Der Autor vermittelt sehr viel Wissen und scheut auch nicht davor zurück, kühne Thesen in den Raum zu stellen. Diese Theorien bewertet er jedoch nicht, sondern bietet sie dem Leser als eine Möglichkeit an, wie man diese Sage auch noch interpretieren kann. Die vielen hochwertigen Fotos und Illustrationen unterstützen die Texte und runden das Werk überzeugend ab.
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