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Indien - Das Licht der Weisheit und die Farben des Lebens  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 17. April 2009

Indien: Das Licht der Weisheit und die Farben des Lebens

Verlag: Gerstenberg
Erschienen: Februar 2009
ISBN: 978-3-8369-2987-5
Preis: 49,90 EUR

348 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Ewige Faszination Indien: Licht und Schatten, Weisheit und Armut, Stille und Gedränge. Jenner Zimmermann fasst seine Erfahrungen aus 30 Jahren in einem großen Text-Bild-Band zusammen. Die gelebte Religiosität mit ihren farbenfrohen Festen und Göttern, die rasante Modernisierung und die städtische Schnelllebigkeit in ihrer beängstigenden Dichte des Zusammenlebens und die wechselvollen Landschaften des Subkontinents sind die großen Themen dieses prachtvollen Buches. Zugleich erfährt der Leser in den Worten des weitgereisten Autors alles Wesentliche über die fünf wichtigen Religionen Indiens und die großen religiösen Feste, und er wird Zeuge von eindrücklichen Begegnungen mit Heiligen und Asketen.

Meinung:

Denkt ein Europäer an Indien, dann entsteht in der Regel ein ungemein gegensätzliches Bild: Elendsviertel und Armut, IT-Wissenschaft und Bollywood-Filme, anerkannte Philosophen und eine unglaubliche Religiosität. So recht scheinen die vielen Facetten dieses Landes nicht zueinander zu passen. In seinem Text-Bildband "Indien: Das Licht der Weisheit und die Farben des Lebens" konzentriert sich Jenner Zimmermann sehr auf den religiösen Aspekt Indiens - und gerade deshalb gelingt es dem Fotografen, für den Betrachter eine Brücke zwischen den verschiedenen Bereichen dieses unglaublichen Landes zu schlagen.

Die drei großen Kapitel "Festen, Mythen, Götter und Asketen", "Licht und Schatten im Dschungel der Städte" und "Küsten und Berge, Tempel und Klöster" zeigen in wunderbaren Fotografien Portraits von indischen Asketen, Bilder großer Feste und Einblicke in die fünf Hauptreligionen dieses facettenreichen Landes. Gerade der persönliche Einstieg, in dem Jenner Zimmermann von seinen Erlebnissen mit vier sehr unterschiedlichen geistigen Führern berichtet, fesselt den Betrachter augenblicklich.

Schon 1984 traf der Autor Baba Bhutnat, einen Asketen, Heiler und Visionär aus Lucknow, und sprach mit ihm über Veränderungen in der Welt und über die Schwierigkeiten, die der Verlust der Traditionen für Indien bedeutet. Eindringliche Schwarzweiß-Fotografien zeigen Baba Bhutnat und andere Geistliche, in deren Gesichtern eine beeindruckende, in sich ruhende Intensität zu finden ist. Eine andere Form von Erfüllung lebt Mataji, eine energische Frau, die nach dem Tod ihres Mannes und dem Aufziehen ihres einzigen Sohnes ihr Leben den Bedürftigen widmete und unter anderem eine Blindenschule eröffnete. Auch von anderen faszinierenden Begegnungen berichtet Jenner Zimmermann und belegt sie mit eindringlichen Portraits.

Aber auch Momentaufnahmen von einem Morgen am Ganges und die Verbindung zwischen dem religiösen und dem Alltagsleben der Inder bekommt der Betrachter geboten. Ein zarter Sonnenaufgang am Fluss oder das Morgenritual eines jungen Sadhu stehen hier in Kontrast zu einem farbenprächtigen Menschengewimmel. Tempelanlagen und wunderschöne Landschaften ziehen den Blick auf sich, aber vor allem die Menschen beeindrucken den Leser dieses Bildbandes.

Jenner Zimmermann gelingt es hervorragend, die kleinen Momente in den großen Szenen einzufangen, der Blick eines jungen Mädchens bei einer Essensausgabe während eines Tempelfestes zieht einen ebenso in seinen Bann wie das verschmitzte Lächeln eines buddhistischen Mönches, der gerade dabei ist, traditionelle Opfergaben herzustellen. Bei der Darstellung der religiösen Feste findet der Betrachter seine Vorstellungen von Farbenpracht und Exotik bestätigt - und doch ziehen weniger die Menschenmassen als Details wie die Körpersprache eines Tempelbesuchers oder der stolze Blick eines Vaters bei einer Familienfeier die Aufmerksamkeit auf sich.

Bei so gelungenen Fotografien kann sogar das zerrissene Hemd eines Passanten auf der Straße ein Kunstwerk sein, ohne dass der Betrachter den Menschen und die Geschichte, die hinter einem solchen Kleidungsstück steht, übersehen kann. Das ansprechende Spiel mit dem Licht lässt aus einer Straße voller Rikschas nach einem Monsunregen einen geheimnisvollen Ort werden, während die graue Masse von Arbeitssuchenden auf einer Baustelle den Betrachter vor Betroffenheit schlucken lässt.

Auch wenn es Jenner Zimmermann in vielen Bildern gelingt, die ruhigen und farbigen Momente in einem Slum einzufangen, kann selbst das bezaubernde Foto von einem kleinen, schmutzbedeckten Kind, das sich mit einem Hundewelpen auf der Straße etwas zu essen teilt, nicht über die bedrückende Stimmung in einem solchen Elendsviertel hinwegtäuschen. Umso stärker wirkt dieser Eindruck, wenn man im Hintergrund die Wolkenkratzer aufragen sieht, die von einer ganz anderen Lebensweise zeugen. Das abschließende Kapitel nimmt den Leser mit auf eine Reise quer durch dieses faszinierende Land mit all seinen unterschiedlichen Kulturen und Landschaften.

Die Vielfalt an Fotografien, die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und die fesselnden Portraits werden durch die Texte des Autors nur noch eindringlicher wahrgenommen. Mit dem Wissen um die Religion und Kultur dieses Landes nimmt man das dargestellte Indien nur umso intensiver in sich auf. Natürlich ist es nicht möglich, in einem solchen Band ein wirklich getreues Bild eines solch facettenreichen Landes und seiner Völker darzustellen, aber Jenner Zimmermann gibt sich alle Mühe, die verschiedenen Bereiche zu präsentieren - vor allem, wenn sie sich auf die religiösen Hintergründe Indiens beziehen -, und bietet dem Leser so vielfältige Einblicke in dieses faszinierende Land und seine Bewohner.

Fazit:

In "Indien: Das Licht der Weisheit und die Farben des Lebens" bietet Jenner Zimmermann dem Leser Bilder, die der Fotograf in den vergangenen 30 Jahren in Indien geschossen hat. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen und ungemein eindringliche Portraits nehmen den Betrachter mit auf eine Reise in dieses facettenreiche Land. Unterstützt werden die beeindruckenden Fotografien von ausführlichen Texten, in denen Jenner Zimmermann auf die Religiosität, die verschiedenen Feste und die Veränderungen, die diese Traditionen durch die Modernisierung erleben, eingeht.
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