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Ich war Jack Falcone  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 29. Mai 2009

Ich war Jack Falcone

Originaltitel: Making Jack Falcone
Übersetzt von: Martin Rometsch

Untergenre: Biografien
Verlag: Riva
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-86883-018-7
Preis: 19,90 EUR

270 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
6.9

Wertung:
6.9
von 10
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Zum Inhalt:

Lange bevor Joaquin "Jack" Garcia mit einigen der mächtigsten Capos der New Yorker Mafia verkehrte, war er einer der untypischsten Neuzugänge im Agentenstab des FBI. Unter falscher Identität sollte der gebürtige Kubaner in Mafiakreisen ermitteln und erhielt dafür als erster Geheimagent in der Geschichte des FBI eine fundierte "Gangsterausbildung". In unzähligen Unterrichtsstunden lernte er zu essen, reden und denken wie sein fiktives Alias, der Unterweltler Jack Falcone. Mit einer Größe von 1,93 Metern und einem Körpergewicht von 170 Kilogramm spielte er seine Rolle so gut, dass die Mafiabosse, mit denen er bald schon Kontakt pflegte, nicht ahnen konnten, dass er als Geheimagent für das FBI im Einsatz war. So erfuhr "Big Jack Falcone", wie er innerhalb der Cosa Nostra genannt wurde, nach und nach alles über die kriminellen Machenschaften des New Yorker Gambino-Clans und dessen Capo Greg DePalma - von Schutzgelderpressungen bis zum kaltblütigen Mord. Der ungewöhnliche Einsatz führte schließlich zu einer Reihe von Razzien und Verhaftungen und zur Zerschlagung des Gambino-Clans, aber auch zu einem Kopfgeld in Höhe von einer viertel Million Dollar, das auf Garcia ausgesetzt wurde.

Meinung:

Seit 1990 ist der erste Name, der einem in den Sinn kommt, wenn es um die erfolgreiche Unterwanderung der New Yorker Mafia geht, Joseph Pistone alias Donnie Brasco. Spätestens durch die Verfilmung seiner Lebensgeschichte mit Johnny Depp in der Hauptrolle wurde sein Anteil an der Zerschlagung der Bonanno-Mafia-Familie der breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch während Joseph Pistone für seine Tätigkeit als Undercover-Agent aufgrund seiner italienischen Wurzeln ausgesucht wurde, gelangt es Joaquin "Jack" Garcia trotz eines kubanischen Hintergrundes, fast ebenso tief in die Strukturen der Mafia einzudringen wie sein berühmter Vorgänger. In "Ich war Jack Falcone" beschreibt der ehemalige FBI-Agent seinen Werdegang vom kubanischen Flüchtling bis zu einem langjährigen und erfolgreichen Mitglied des "Federal Bureau of Investigation". Zusammen mit seinem Koautor Michael Levin führt Joaquin Garcia den Leser in eine Welt, die überraschend oft an die Mafiadarstellungen in Hollywood-Filmen erinnert - und doch so wenig mit ihnen gemein hat.

In einem kurzen Kapitel reißt der Autor seinen Hintergrund an und seine Motivation dafür, zum FBI zu gehen, doch mit diesen wenigen Seiten bekommt der Leser schon ein sehr gutes Bild von der Persönlichkeit des Joaquin Garcia. Aber auch die Schwierigkeiten, die einem sehr großen und massigen Exilkubaner in den Weg gelegt werden, wenn er bei einer amerikanischen Behörde arbeiten will, werden einem von Anfang an vor Augen geführt. 1980 war es dann so weit, dass Jack Garcia als zweiter kubanischstämmiger Kandidat in der Geschichte der FBI-Akademie seine Ausbildung begann.

Nach einigen Jahren beim FBI bekam der Agent seine ersten Undercover-Aufträge und zeigte großes Talent für diese Arbeit. Die Erfahrungen aus diesen ersten Jahren bekommt der Leser in einigen kleinen - und häufig amüsant zu lesenden - Szenen und Berichten präsentiert, die einen Vorgeschmack geben auf Garcias Einsatz in New York. Schon bei diesen ersten Schilderungen sitzt man schnell mit einem ungläubigen Lächeln über dem Buch, wenn man liest, wie so manch großer Coup durch einen Zufall vereitelt wird, wie monatelange harte Arbeit durch eine Kleinigkeit zunichte gemacht werden kann oder wie ein kleiner Glücksgriff dazu führt, dass man während der Mittagspause eine unglaubliche Menge Drogengeld aus dem Verkehr zieht.

Fast erscheint einem die Arbeit als Undercover-Agent des FBI wie ein großes, spannendes Spiel, bei dem es auf eine Mischung aus Talent und Glück ankommt, um erfolgreich zu sein. Sehr plastisch beschreibt Joaquin Garcia den Kick, den diese Jagd auf Verbrecher beinhalten kann, aber auch die Entschlossenheit, mit der korrupte Polizisten verfolgt werden, kann man in jeder Zeile miterleben. So wird der Leser von den geschilderten Ereignissen schon gefangen genommen, bevor Garcia überhaupt einen ersten Versucht macht, dem Gambino-Clan näher zu kommen.

Während seiner Zeit auf der FBI-Akademie hätte sein großes Gewicht fast dazu geführt, dass er entlassen worden wäre, doch als Undercover-Ermittler ist seine eindrucksvolle Erscheinung für Joaquin Garcia einer der Aspekte, warum er so erfolgreich ist. Doch ein bedrohliches (und deutlich außerhalb des FBI-Standards liegendes) Äußeres und Undercover-Erfahrungen allein reichen nicht aus, wenn es darum geht, die Gambino-Familie zu unterwandern. So kann der Leser mitverfolgen, wie der Agent lernen muss, sich den Gepflogenheiten der Mafia anzupassen. Viele kleine Details sind zu beachten, wie das richtige Bestellen einer Mahlzeit in einem Restaurant, die angemessenen Anzüge zu tragen oder sich auf die passende Weise mit Schmuck zu behängen. Aber auch auf seine Sprache muss der Ermittler achten, denn viele Kleinigkeiten gehören dazu, damit einen die Mafia für einen der Ihren hält.

Gerade diese Details sind es, die das Buch "Ich war Jack Falcone" so faszinierend machen. Während einige Passagen (auch aufgrund der Tatsache, dass mehrere Jahre Ermittlungsarbeit nicht ausführlich dargestellt werden können) an Hollywoodwerke erinnern, zeugen die kleinen Elemente aus dem Alltag von der wahren Arbeit eines Undercover-Agenten. Unter dem Namen Jack Falcone gelingt es Garcia schließlich, in das Blickfeld von Greg DePalma zu kommen.

DePalma war 2003 nach einer langjährigen Haftstraße entlassen worden, und eigentlich schien seine Zeit in der Mafia vorbei zu sein. Seine alten Verbindungen gab es nicht mehr, sein Vermögen war dahin, und er hatte durch einen eigenmächtigen Mordauftrag an seinem ehemaligen Protegé Nicky LaSorsa gegen die Regeln der Familie verstoßen. Doch trotz seines Alters von über siebzig Jahren versuchte Greg DePalma, wieder seinen Rang im Gambino-Clan einzunehmen - und Joaquin Garcia gelang es, als Jack Falcone in den engeren Kreis des alten Capo aufgenommen zu werden und tiefe Einblicke in die Strukturen der Familie und ihrer Geschäfte zu bekommen.

Doch der Leser bekommt mit diesem Buch nicht nur einen faszinierenden Einblick in Garcias Ermittlungen geboten, sondern auch interessante Hintergründe der Strukturen im FBI aufgezeigt. Ob das vermittelte Bild nun besonders objektiv ist, ist dabei eigentlich nicht von Belang, denn es geht ausschließlich um die Erlebnisse Joaquin Garcias mit der Behörde. Und dabei kann man immer wieder miterleben, wie frustrierend es für den Undercover-Agent war, gegen Bürokratismus ankämpfen zu müssen, wenn sein einziges Bestreben ist, einer Verbrecherbande das Handwerk zu legen.

Fazit:

"Ich war Jack Falcone" gewährt dem Leser einen faszinierenden Blick auf Joaquin Garcias Arbeit als Undercover-Agent für das FBI, vor allem auf seinen größten Fall, der zur Zerschlagung des Gambino-Mafia-Clans in New York führte. Doch nicht nur spannende Verfolgungen, amüsante Begebenheiten und unvorstellbare Regeln in Gangsterkreisen bekommt man in diesem interessanten Buch geboten. Es wird auch immer wieder deutlich, dass der Bürokratismus einer so großen Behörde, wie sie das "Federal Bureau of Investigation" ist, ebenfalls zu den alltäglichen Gegnern eines Undercover-Agenten gehört.
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