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Hitze  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 15. Juni 2010

Hitze

Originaltitel: Heat
Übersetzt von: Dinka Mrkowatschki

Verlag: Goldmann
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-442-15604-7
Preis: 9,95 EUR

416 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Zum Inhalt:

Bill Buford, Literaturchef beim renommierten "New Yorker", kündigt von heute auf morgen seinen Job, um ein Jahr lang im Sterne-Restaurant "Babbo" Töpfe und Pfannen zu schrubben und das Kochen von der Pike auf zu lernen. Bis er im Schlaf Gemüse würfeln kann und riecht, wann ein Braten gar ist. Am Ende kocht er tatsächlich wie ein Profi und hat vor allem eins begriffen: Gutes Essen fängt bei den Zutaten an. Und so reist er nach Italien, um die Pastaherstellung zu lernen und alles zu erfahren, was man über Fleisch wissen muss. Mit jedem Stück neu erworbenen Wissens wird er neugieriger - auf das nächste Abenteuer. Die Geschichte einer wunderbaren Passion.

Meinung:

Bill Buford veröffentlicht mit "Hitze" ein Buch über seine "Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling". Viele Monate lang hatte sich der Journalist und Autor kopfüber der Herausforderung gestellt, richtig kochen zu lernen, und dafür nicht nur in der Profiküche des "Babbo", sondern auch in verschiedenen Restaurants in Italien gearbeitet. So entstand eine reizvolle Mischung aus Erlebnisbericht, Küchenwissen, Biografie des Koches Mario Batali und einer Liebeserklärung an einfache italienische Gerichte.

Alles begann für Bill Buford mit einem Essen, das er als Hobbykoch für ein paar Gäste ausrichten wollte - unter ihnen Mario Batali, der wenige Minuten, nachdem er Bills Wohnung betreten hatte, schon das Kochen an sich gerissen hatte. Im Laufe des Abends erklärte sich der beliebte Koch bereit, den Journalisten probeweise in der Küche seines Drei-Sterne-Restaurants arbeiten zu lassen. Nur einige Wochen später wurde Bill Buford in die Geheimnisse der Vorbereitungsküche im "Babbo" eingeweiht, wo er für die nächsten Monate lernen sollte, Lebensmittel für eine Profiküche so vorzubereiten, dass die Köche nur noch darauf zurückgreifen mussten.

Je mehr der Autor in der Küche des "Babbo" sah und lernte, desto größer wurden die Herausforderungen, denen er sich stellen wollte. Und so liest man in "Hitze" nicht nur davon, wie lange es dauert, bis man eine Mohrrübe perfekt schneiden kann, sondern auch von den Geheimnissen des Pastakochens in einer Restaurantküche, von der schweißtreibenden Arbeit an der Grillstation, von den Schnittwunden und Verbrennungen, vom schmerzenden Rücken und vom Umgangston derjenigen, die in einer solchen Küche miteinander arbeiten.

Doch Bill Buford wollte mehr als nur einen Einblick in die amerikanisch-italienische Küche, er wollte nach Italien und dort erleben, wie die einfachen und ursprünglichen Gerichte schmecken, von denen Mario Batali so schwärmte. Auf den Spuren dieses Kochs reiste der Journalist nach Europa und bedrängte Marios italienische Lehrmeister und andere Lebensmittelkünstler, wie den Metzger Dario Cecchini, ihm die Geheimnisse ihrer Arbeit beizubringen. Allein in der Metzgerei in Panzano verbrachte Bill Buford mehrere Monate, bis er endlich das Gefühl hatte, er würde nun die italienische Technik, ein Rind zu zerteilen, beherrschen.

Diese an Besessenheit grenzende Begeisterung des Autors überträgt sich auch auf den Leser von "Hitze". Ist man anfangs vielleicht noch etwas erschlagen von all den neuen Informationen, Namen und den biografischen Daten Mario Batalis, so nimmt einen Bill Bufords Suche nach der Beherrschung der italienischen Küche schnell gefangen. Der Autor ergeht sich in einem zügellosen Streifzug durch historische Kochbücher, immer auf der Suche nach neuem Wissen, nach greifbaren Belegen für Veränderungen in der traditionellen Küche und nach für ihn nachvollziehbaren Gründen, warum manche Gerichte schon seit vielen Jahrhunderten auf eine ganz bestimmte Art zubereitet werden und warum sich andere im Laufe der Zeit deutlich verändert haben.

Letztendlich kommt Bill Buford zu dem Schluss, dass eine wirklich gute Küche einfacher gehalten ist als das, was man normalerweise in einem Restaurant serviert bekommt, und dass vor allem die Zutaten über die Qualität einer Speise entscheiden. So wird "Hitze" zu einem Aufruf, sich mehr Gedanken über sein Essen und den Ursprung seiner Lebensmittel zu machen sowie sich von der Massenindustrie im Lebensmittelbereich ab- und den traditionellen Zubereitungsarten zuzuwenden. Doch vor allem sollten die Menschen heute wieder bewusster und mit mehr Genuss an eine Mahlzeit herangehen.

Diese enthusiastischen Schilderungen wecken fast das Bedürfnis, sich ebenfalls den Luxus einer solchen kulinarischen Entdeckungsreise leisten zu können, um sein Wissen zu erweitern und seine Kochfertigkeiten zu perfektionieren. Doch selbst derjenige, der weder Zeit noch Geld genug hat, um für einige Monate oder gar Jahre als unbezahlter Küchensklave kostbare Erfahrungen sammeln zu können, wird nach dem Lesen von "Hitze" mit einer andere Sicht an einem Lebensmittelstand vorbeigehen und sich an ganz neue Experimente in seiner eigenen Küche heranwagen. Denn letztendlich geht es doch nur darum, mit Aufmerksamkeit und Liebe an das Kochen heranzugehen und am Ende das Ergebnis seiner Bemühungen zu genießen.

Fazit:

Obwohl "Hitze" laut dem Untertitel nur die "Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling" erzählt, ist dieses Buch von Bill Buford eher ein rasanter Exkurs durch die verschiedenen Bereiche der (amerikanisch-)italienischen Küche. Obwohl all die Namen und Informationen den Leser anfangs etwas überfordern, spürt man auf jeder Seite die Begeisterung des Autors über all die Entdeckungen, die er in den verschiedenen Küchen gemacht hat. "Hitze" zeigt nicht nur auf unterhaltsame Weise den Alltag in einer New Yorker Restaurantküche, sondern ist auch ein mitreißendes Loblied auf das einfache italienische Essen und ein eindringliches Plädoyer dafür, wieder aufmerksamer mit Lebensmitteln umzugehen und sich der Herkunft seiner Mahlzeiten bewusster zu werden.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
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