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Allein unter 1,3 Milliarden  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Erlebtes & Reiseberichte
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 24. September 2008

Allein unter 1,3 Milliarden - Eine chinesische Reise von Shanghai bis Kathmandu

Verlag: rowohlt Berlin
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-87134-602-3
Preis: 19,90 EUR

316 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
4.3

Wertung:
4.3
von 10
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Zum Inhalt:

Es ist eine Reise der Superlative, die da im hypermodernen, glamourösen Shanghai beginnt. Eine Sehenswürdigkeit reiht sich an die andere: die malerische Wasserstadt Xitang, der gewaltigste Staudamm aller Zeiten, die mit 30 Millionen Einwohnern weltgrößte Stadt Chongqing, der Potala-Palast in Lhasa, dazu zahllose Tempel, Klöster und heilige Berge. Schmidt möchte das Land so intensiv wie möglich erfahren. Er testet das Essen, die Religionen, den Humor der Chinesen. Und als er schon fast meint zu wissen, wo es langgeht in China, erhebt sich vor ihm der höchste Berg der Welt ...

Meinung:

Im Jahr der Olympischen Spiele in Peking ist es selbstverständlich, dass auch viele verschiedene Bücher, die sich mit China beschäftigen, auf den Markt kommen - zu ihnen gehört "Allein unter 1,3 Milliarden" von Christian Y. Schmidt, ein Buch über die Reise des Autors auf der Nationalstraße 318, die vom gelben Meer im Osten bis zu den Bergen des Himalaya im Westen dieses riesigen Landes führt. Auf einer Strecke von insgesamt 5386 Kilometern sucht der Autor das wahre China und macht damit seine ersten Schritte, um dieses Volk besser verstehen zu lernen.

Christian Y. Schmidt ist ehemaliger Redakteur der "Titanic" und arbeitet als freier Autor. Seit inzwischen drei Jahren lebt der Journalist in China, ist mit einer Chinesin verheiratet - und muss doch feststellen, dass er Tag für Tag nur mit europäischen und amerikanischen Einwanderern zu tun hat. Seine Sprachkenntnisse beschränken sich auf ein paar wenige Brocken und das wirkliche China, außerhalb der großstädtischen Fassaden Pekings, hat er noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Wenn er mal auf Reisen geht, dann steht ihm seine Frau zur Seite und übernimmt sämtliche Kommunikation, so dass sich sein Kontakt mit Chinesen hier auch auf ein Minimum beschränkt.

Von Christian Y. Schmidts Versuch, diesen Zustand zu ändern, zeugt dieses Buch. Schritt für Schritt berichtet er von seiner Reise durch das faszinierende Reich der Mitte, und gerade zu Beginn der Lektüre amüsiert man sich über den unbeholfenen Deutschen in dieser so fremden Umgebung. Vor allem fällt auf, wie schwer es dem Journalisten fällt, sich von der gewohnten Gesellschaft der "Expats" (Expatriates) in Shanghai zu trennen und seinen ersten eigenständigen Schritt in China zu machen. Dabei scheint er seine Mit-Expats nicht einmal besonders zu mögen, sondern mokiert sich eher über ihre seltsamen Ansichten und Angewohnheiten.

Aber auch mit den Chinesen, denen der Autor seinen eigenen Aussagen nach offen und voller Bewunderung gegenübersteht, verfährt Christian Y. Schmidt im Laufe des Buches immer harscher. Freut er sich anfangs noch über die netten Begrüßungen auf der Straße, so fühlt er sich schon nach kurzer Zeit von den Chinesen, die neugierig auf den Fremden in ihrer Stadt sind, regelrecht verfolgt. Auch jede der privaten Begegnungen, bei denen er zum Essen eingeladen wird, Chinesinnen zum Einkaufen begleitet oder sonstigen näheren Kontakt zu den Einheimischen hat, wird mit einem so unangenehmen Unterton erzählt, dass im Laufe des Buches immer mehr der Eindruck entsteht, dass der Journalist lieber keinen näheren Kontakt gehabt hätte und sich in der Rolle des am Rande stehenden Beobachters sehr viel wohler fühlt.

Nur nebenbei erfährt der Leser von wirklich interessanten Dingen, wie dem Neubau ganzer Städte, um die vom Drei-Schluchten-Staudamm betroffenen Menschen umzusiedeln; von den Plänen, die "historischen" Altstädte zu erweitern, damit Touristen mehr zu gucken haben; und von der billigen Modernisierung religiöser Stätten, die eher dazu beiträgt, dass sich der Europäer abgeschreckt fühlt. Dafür kann man detailliert miterleben, wie sich der Autor von Schlepperinnen billige Unterkünfte andrehen lässt - nur um bei der nächsten Gelegenheit doch in ein Hotel zu fliehen.

Am Ende der Lektüre hat der Leser einen winzigen und sehr subjektiven Einblick in das heutige China bekommen. Und es bleibt die Erkenntnis übrig, dass ein Schreibstil und ein Humor, die in einer Zeitungskolumne zu unterhalten wissen, nicht unbedingt für ein ganzes Buch reichen. Auch die Frage, ob es Christian Y. Schmidt wirklich darum ging, China und seine Bewohner kennenzulernen, oder nur darum, seine Reaktionen auf das Land niederzuschreiben, lässt sich eher zu Ungunsten des Autors beantworten. Denn man hat als Leser nicht das Gefühl, wirklich etwas über dieses faszinierende Land erfahren zu haben. Dafür weiß man aber nach der Lektüre dieses Reiseberichts mehr über den Autor, als einem lieb sein kann.

Fazit:

Hätte Christian Y. Schmidt von seiner Reise durch China in kleinen Zeitungsanekdoten erzählt, hätte sich der Leser gewiss über die Berichte des Deutschen in diesem fremdartigen Land amüsiert. In Buchform fällt aber schnell auf, dass es in "Allein unter 1,3 Milliarden" nicht so sehr darum geht, dem Leser das faszinierende Land aus einer neuen Perspektive näher zu bringen, als vielmehr um die Person des Autors und die Dinge, die ihm auf seinem Weg vom Gelben Meer bis zum Himalaya nicht gefallen haben. Weniger Nabelschau und mehr Informationen über das moderne China hätten dem Buch gut getan. So aber bleibt nach der Lektüre dieser Reisebeschreibung das unangenehme Gefühl zurück, dass man lieber nach der Hälfte des Buches mit dem Lesen hätte aufhören sollen, bevor sich Frustration über die Erzählweise einstellte.
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