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Sie verwandelten die Welt  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Biografien
Geschrieben von Ramona Böhm   
Mittwoch, 8. Juli 2009

Sie verwandelten die Welt - Lebensbilder berühmter deutscher Frauen

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Februar 2009
ISBN: 978-3-404-64233-5
Preis: 8,95 EUR

284 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Marlene Dietrich, Katharina von Bora und Käthe Kollwitz. Wer hat nicht schon einmal von diesen Frauen gehört? Aber wer waren sie, dass Siegfried Fischer-Fabian sie in diesem Buch zu den berühmtesten deutschen Frauen zählt? Was für ein Leben haben sie geführt und welches Erlebnis hat sie für die Ewigkeit bekannt gemacht? Dieses Buch vereint dreizehn Porträts deutscher Frauen, die auch nach ihrem Tod noch für ihr Leben bekannt sind.

Meinung:

"Sie verwandelten die Welt" zeigt dreizehn deutsche Frauen, die durch ihr Leben und ihre Persönlichkeit nicht nur für ihre Nachkommen, sondern auch für ein breites Publikum interessant wurden. Luise von Preußen, Christiane Vulpius und Clara Schumann sind nur einige von ihnen.

Katharina von Bora wurde in eine reiche Familie hineingeboren. Doch ihre Eltern schickten sie in ein Kloster, in dem sie künftig ihr Leben Gott widmen sollte. Als Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg schlug, verbreitete sich seine Lehre wie im Fluge und auch die dicken Mauern des Klosters konnten nicht verhindern, dass die Frauen, denen ein weltliches Leben unter Zwang verboten worden war, davon erfuhren.

In einer geheimen und gefährlichen Aktion wurden Katharina von Bora und einige andere Nonnen aus dem Kloster befreit und zu Luther gebracht, der sich darum kümmerte, dass die Frauen, welche inzwischen schon über das heiratsfähige Alter hinaus waren, von Familien aufgenommen wurden. Katharina von Bora gab sich allerdings nicht damit zufrieden.

Sie wollte einen Mann heiraten, der hohe Ziele hatte und so kam es, dass sie mit Luther vermählt wurde. Aber nicht allein das macht sie zu einer starken Persönlichkeit. Das weltliche Leben als Frau eignete sie sich alles selbst an, da dies hinter Klostermauern nicht gelehrt wurde. Sie kaufte Tiere für den Hof, pflanzte kleine Gärten an und braute Bier. Sie ließ sich nicht den Mund verbieten, sondern tat ihre Meinung lautstark kund ...

Von den preußischen Historikern wurde sie als "schöne Wilhelmine" bezeichnet, Siegfried Fischer-Fabian nennt sie die preußische Pompadour, nach Madame de Pompadour, der Mätresse Ludwigs XV. von Frankreich: Wilhelmine Encke. Als Tochter eines Musikers erweckte sie bereits mit zwölf Jahren die Neugier von Friedrich Wilhelm, dem Neffen von Friedrich dem Großen. Nach einigen Jahren nahm er sie zu sich und ließ ihr die beste Erziehung zu Teil werden. Sie wurde sogar nach Frankreich geschickt, um dort ihre Fähigkeiten in Sprache, Tanz und Sitten zu verfeinern.

Wilhelmine wurde Mätresse von Friedrich Wilhelm II. Während sie von den Männern verehrt wurde, war sie bei den Frauen verhasst, da sie ihr Schuld an allem gaben, was im Staat schief lief. Aber nicht nur das. Friedrich hatte weitere Geliebte, um sich seiner Manneskraft sicher zu sein, und Wilhelmine suchte sogar Frauen für ihn aus. Sie musste eine Scheinehe eingehen mit einem korrupten Kammerdiener und lebte in ständiger Konkurrenz mit anderen Frauen.

Sie ließ sich aber nicht unterkriegen, auch als Friedrichs Interesse an ihr abnahm. Wilhelmine arbeitete als eine Art Innenarchitektin, in ihrem Salon durfte jeder frei reden, nur auf Friedrich Wilhelm ließ sie nichts kommen. Selbst als ihr ein Adelstitel verliehen wurde, bereute sie es nicht, dass sie damals als junges Mädchen die Neugier eines Königs auf sich zog. Dieser Aufstieg verschaffte ihr noch mehr feindlich gesinnte Blicke, denn es war beim Adel nicht gern gesehen, wenn Menschen aus unteren Schichten aufstiegen und auch die Schicht, aus der sie kam, fühlte sich von ihr verraten. Dennoch konnte sich Wilhelmine dadurch selbst verwirklichen.

Jedes Porträt umfasst ungefähr zwanzig Seiten, auf denen Siegfried Fischer-Fabian wichtige Einschnitte im Leben jener dreizehn Frauen erläutert. Es handelt sich bei ihnen nicht um Weltverbesserinnen, die auf revolutionäre Art gegen ein System verstoßen haben, sondern um Frauen, die in ihrem eigenen Leben weit gekommen sind, die über sich hinausgewachsen sind und sich damit nicht nur Freunde gemacht haben. Es werden nicht nur moderne Frauen beschrieben, sondern auch Adlige und Nonnen, die vor Jahrhunderten gelebt haben.

Ein Nachteil des Bandes ist, dass es keine Fotos oder Gemälde der beschriebenen Frauen gibt. Dennoch werden langweilige Passagen über fremde Leben durch Zitate, Briefpassagen und Gedichte unterhaltsamer gestaltet. Das Buch bietet einen schönen Überblick über dreizehn außergewöhnliche Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben, und eignet sich daher sehr gut für einen ersten Überblick. Wenn man allerdings sein Wissen vertiefen möchte, dann könnte dieses Buch eher enttäuschend ausfallen.

Fazit:

Siegfried Fischer-Fabians "Sie verwandelten die Welt - Lebensbilder berühmter deutscher Frauen" ist ein Buch voller Kurzbiografien und beschreibt Lebensabschnitte von dreizehn deutschen Frauen, die aus sich und ihrem Dasein mehr gemacht haben, als es zu jenen Zeiten für das weibliche Geschlecht überhaupt möglich war. Sie sind über sich hinausgewachsen und haben mehr erreicht, als sie je dachten. Leider fehlen Bilder oder Gemälde zur anschaulichen Darstellung, dennoch ist das Buch gut lesbar und unterhaltsam, aber wer schon einiges Hintergrundwissen angesammelt hat, könnte aufgrund der nicht tiefer gehenden Darstellungen enttäuscht werden.
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