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Immer wieder Dezember  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Biografien
Geschrieben von Heike Bellas   
Freitag, 1. Januar 2010

Immer wieder Dezember

Verlag: Droemer
Erschienen: Februar 2009
ISBN: 978-3-426-27463-7
Preis: 16,95 EUR

240 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
5.2

Wertung:
5.2
von 10
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Zum Inhalt:

Alles sollte anders werden, als Susanne Schädlich im Dezember 1977 die DDR verließ. Doch es war der Beginn einer dramatischen Zerreißprobe. Der Westen war fremder als gedacht, von Sicherheit keine Spur. Dreißig Jahre nach der Ausreise, fast auf den Tag genau, holt die Vergangenheit Susanne Schädlich wieder ein und es zeigt sich: Geschichte vergeht nicht. Davon erzählt Susanne Schädlich: Wie es ist, in zwei Systemen groß zu werden und nicht dazuzugehören. Von den ersten Stationen in einer unbekannten Welt, von einer Generation zwischen Ost und West, die ihren Platz sucht. Und von der Erfahrung eines Verrats.

Meinung:

"Immer wieder Dezember" ist ein autobiografisches Buch, das laut Autorin nichts klarstellen soll, aber zwangsläufig wird. Es beginnt mit dem Selbstmord von Susanne Schädlichs Onkel. "IM Schädlich" spionierte heimlich die Familie der jungen Frau aus, von ihrem Leben in der DDR bis hin zu ihrem Leben in der BRD. Ihr Vater Hans Joachim war Schriftsteller, hielt Kontakt zu Größen wie Günter Grass und veröffentlichte seine Geschichten in Westdeutschland. Dies und seine Unterzeichnung der Protestresolution gegen die Ausbürgerung Biermanns führten dazu, dass er samt Frau und seinen zwei Töchtern in den Westen ausreisen musste, während seine Mutter und sein Sohn Jan in der DDR blieben.

Die BRD ist der jungen Susanne fremd, in der Schule hat sie Schwierigkeiten, weil ihr Fächer wie Englisch unbekannt sind und alles in allem ist ihr sehr bewusst, dass sie anders ist als die westdeutschen Kinder. Rückblickend versucht die Autorin ihre Erinnerungen und die ihr vorliegenden Stasiakten zu einem Gesamtbild zu verbinden. Den Titel "Immer wieder Dezember" wählte die Autorin, da ihr auffiel, dass alle schlimmen Dinge, die ihr passiert sind, immer im Dezember geschahen: Die Unterzeichnung der Resolution, die zu der Ausreise führte, sowie der Selbstmord ihres Onkels im Dezember 2006.

Doch die Mischung aus Lebensbericht und Veröffentlichung der Stasiakten gelingt kaum. Wenn die Autorin selbst berichtet, verfällt sie in eine Art gezwungen poetische Sprache. Kein simpler Umstand wird direkt genannt, sondern umschrieben. Nicht einmal ein Auto kann einfach kaputt gehen, sondern es kündigt seine Hinfälligkeit durch Geräusche an. Andererseits erzählt sie Dialoge nach oder schreibt einfach Stasiakten ab, was vielleicht bei den ersten zwei Akten noch interessant sein kann, aber auf Dauer eher ermüdend und trocken wirkt.

Zudem setzt die Autorin zu sehr darauf, dass das Buch von Personen gelesen wird, die das geteilte Deutschland und am besten noch beide Seiten gekannt haben. Sie macht viele Andeutungen, nennt befreundete Autoren nur beim Vornamen und benutzt Kürzel. Zwar wird vieles im Laufe des Buches aufgeklärt - so existiert am Ende des Titels nicht nur eine Auflistung ihrer erwähnten Akten, sondern auch eine Aufzählung der Kürzel -, doch bis zu diesem Moment wird der Leser in der Luft hängen gelassen, wenn er nicht schon vorher über das nötige Wissen verfügt, und neigt dazu, schon vor der Aufklärung Recherchen anzustellen. Das mindert aber das Lesevergnügen noch mehr, weil man ständig pausieren muss, um weitere Literatur zu wälzen oder sich anderweitig zu informieren.

Die optische Aufmachung des Buches lässt auf einen Roman ähnlich wie "Herr Lehmann" oder "Sonnenallee" schließen, der Klappentext ist ein Zitat und verrät auch nicht mehr über den Inhalt. So kann es passieren, dass der Leser mit Erwartungen an das Buch herangeht, die es letztendlich nicht erfüllen kann. Denn "Immer wieder Dezember" ist prinzipiell eines: Ein Versuch, sich gegen verleumderische Zeitungsmeldungen zu wehren, die nach dem Tod des Onkels aufgetaucht sind. Hier gehen die Gefühle der Autorin so gut wie unter, da sie zu sehr damit beschäftigt ist, Fakten aufzuzählen, um ihre Sicht der Dinge zu untermauern. Dabei besitzt das Thema an sich viel mehr emotionales Potential, als dass es als so trockene und beinahe wissenschaftliche Erzählung hätte enden müssen.

Fazit:

"Immer wieder Dezember" ist der autobiografische Bericht der Autorin Susanne Schädlich über ihr Leben in Ost- und Westdeutschland zur Zeit des geteilten Deutschlands und über ihre innere Zerrissenheit. Dabei erzählt sie - gegensätzlich zu den damaligen Zeitungsberichten - auch davon, wie es war, von ihrem Onkel ausspioniert zu werden. Um ihren Bericht zu untermauern, zitiert die Autorin Stasiakten und Dialoge, was auf Dauer trocken wirkt. Die persönlichen Erzählungen hingegen wirken gezwungen poetisch. Zusätzlich geht die Autorin zu stark davon aus, dass man sich mit den Umständen der Zeit auskennt und zwingt den Leser zu vielen zusätzlichen Recherchen, was den Lesefluss stört. "Immer wieder Dezember" mag zwar ein interessanter Lebensbericht für Geschichtsinteressierte sein, hätte aber weniger trocken und viel emotionaler umgesetzt werden können.
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