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Halima - Mein Weg aus der Hölle von Darfur  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Biografien
Geschrieben von Ramona Böhm   
Sonntag, 21. September 2008

Halima - Mein Weg aus der Hölle von Darfur

Originaltitel: Tears of the Desert
Übersetzt von: Michaela Grabinger

Verlag: Droemer
Erschienen: September 2008
ISBN: 978-3-426-27450-7
Preis: 19,95 EUR

424 Seiten
Inhalt
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Zum Inhalt:

Halima Bashir, eine Tochter aus dem Stamm der Zaghawa, berichtet von ihrer Kindheit in Darfur, Sudan. Sie erzählt von den Traditionen und der Kultur ihres Volkes und bringt dem Leser das dortige Leben näher. Ärztin zu werden, war für Halima Bashir nicht einfach und ihr wurden durch die arabische Elite viele Steine in den Weg gelegt. Sie beschreibt diesen Weg und den Weg, den ihr Volk in dem grausamen Kampf in Darfur gehen musste.

Meinung:

Halima Bashir wurde 1979 in Darfur geboren und ist dort in einem kleinen Dorf innerhalb einer Zaghawa-Gemeinschaft aufgewachsen. Der Name "Halima Bashir" ist nicht ihr richtiger Name. Diesen hat sie geändert, um ihre Familie und die Angehörigen ihres Volkes, die noch im Sudan leben könnten, zu schützen. Dennoch hinderte sie diese Gefahr nicht daran, ihre Lebensgeschichte niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Die Hoffnung, dass mit Hilfe der Öffentlichkeit der Konflikt und die Grausamkeiten in Darfur beendet werden, steht für sie an oberster Stelle.

Halima Bashir bringt dem Leser in ihrem Buch nicht nur die schrecklichen Erlebnisse näher, die sie erleiden musste, sondern auch die schönen Seiten ihrer eigenen Kultur und das Leben in Afrika - ein friedliches Leben, bis die Konflikte in der Region Darfur außer Kontrolle gerieten. Sie zeigt uns, welche Spiele sie mit den Kindern ihres Dorfes gespielt hat, zum Beispiel das "Mond-Knochen-Spiel", oder Traditionen, wie das Ritual der Namensgebung, das jedes Kind sieben Tage nach seiner Geburt erfährt. Allerdings lernt der Leser auch die dunklen Seiten ihrer Kultur kennen: Die Beschneidung der jungen Mädchen oder der so genannte "Körperschmuck", bei dem das Gesicht der Kinder mit Rasierklingen zerschnitten wird, um ein bestimmtes Muster zu erzeugen.

Die Geschichte Darfurs beginnt schon früh. Die Regierung des Sudans ging nach der Herrschaft der Briten nicht an die ursprünglichen Bewohner zurück, sondern fiel in die Hände der Araber. Einen Konflikt zwischen den unterschiedlichen Stämmen, das heißt zwischen Arabern und schwarzafrikanischen Volksstämmen wie z.B. den Zaghawa, gab es bereits seit Beginn der arabischen Herrschaft. Die Auseinandersetzungen in Darfur spitzten sich allerdings immer mehr zu. Die arabische Regierung versuchte - natürlich nicht öffentlich - die arabische Bevölkerung gegen schwarzafrikanische Menschen aufzuhetzen. Es entstanden unterschiedliche Gruppierungen: u.a. die Dschandschawid, arabische Krieger, die durch den Sudan ziehen, Dörfer plündern, Frauen und Kinder vergewaltigen und Männer ermorden, oder - auf der Gegenseite - Rebellengruppen wie die SLA (Sudanesische Befreiungsarmee).

Die Autorin erzählt in ihrer Autobiografie detailliert ihr Leben, nicht nur den politischen Konflikt, der heute noch aktuell ist, sondern auch die rassistischen Auseinandersetzungen zwischen der arabischen Elite und den afrikanischen Stämmen. Ihr Vater, zu dem sie eine sehr enge Bindung hatte, wollte für Halima eine akademische Ausbildung. Sie sollte nicht wie andere Mädchen bald verheiratet werden und Kinder bekommen, sondern sein Traum war es, dass sie ihrem Volk helfen würde. Halimas schulische Leistungen waren sehr gut, auch wenn arabische Mitschülerinnen und Lehrpersonal sie unfair behandelten und versuchten zu verhindern, dass sie Klassen- und Jahrgangsbeste wurde. Ihr Streben ermöglichte es ihr aber, ein Medizinstudium an der Universität zu beginnen und abzuschließen. Der Leser erfährt hautnah, welche Ungerechtigkeiten ihr dabei widerfuhren, die mehrmalige Schließung der Universität und die Werbung um Soldaten.

Ein kleines Manko sind die langen Ausführungen ihrer Kindheit. Sie gestalten sich zwar sehr interessant, sind aber im Hinblick auf den Buchtitel "Mein Weg aus der Hölle von Darfur" zu weit ausgedehnt. Man fragt sich, wann die Autorin endlich damit beginnt, die Konfliktsituationen genauer zu schildern. Allerdings merkt der Leser im Verlauf seiner Lektüre, dass diese schrittweise Heranführung an die rassenpolitischen Auseinandersetzungen notwendig ist, um auch nur annähernd verstehen zu können, wie Menschen zu derartigen Grausamkeiten fähig sind.

Besonders bewegend zeigen sich die Kapitel, die sich um Halimas Beruf als Ärztin drehen. Anfangs arbeitete sie in einem Krankenhaus, in dem sie täglich mit Opfern des Krieges konfrontiert war. Eine Versetzung nach Mazkhabad führte dazu, dass Halima aktiv die Rebellengruppen unterstützte. Sie verarztete verwundete Krieger und verteilte Arzneimittel. Ihre Aktivitäten blieben allerdings von der Regierung nicht unentdeckt. Eine Gruppe von arabischen Männern verhaftete, vergewaltigte und folterte sie. Am Leben blieb sie nur, damit sie mit diesen Erniedrigungen und Erinnerungen leben musste. Als Leser fühlt man mit dieser Frau, die trotz Bedrohungen und schrecklicher Ungerechtigkeit nicht aufgeben wollte.

Die Autobiografie ist auch für Europäer verständlich geschrieben. Obwohl Halima von ihrem Heimatvolk - den Zaghawa - und ihrer fremden Kultur erzählt, kann der Leser ihren Ausführungen sehr gut folgen. Die fremden Worte in der Zaghawa-Sprache werden erklärt und man fühlt sich schnell in ihre Welt hinein. Die Verwendung von Fremdwörtern hinterlässt beim Leser keine Verwirrung, sondern eine Mischung aus Fremdem und Bekanntem.

Fazit:

"Halima - Mein Weg aus der Hölle von Darfur" ist keine trockene Autobiografie, sondern ein Buch mit vielen fesselnden und mitreißenden Szenen. Der Band bringt dem Leser die Konfliktsituationen in Darfur näher und lässt gleichzeitig die dort lebenden Völker nicht außer Acht. Beim Lesen dieser Lebensgeschichte erfährt man nicht nur etwas über die erschreckenden Szenen des Krieges in Darfur, sondern auch mehr über ein afrikanisches Volk - die Zaghawa -, das dort ehemals in Frieden gelebt hat.
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