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Ein Tagwerk Leben - Erinnerungen einer Magd  Drucken E-Mail
Bücher: Sachbuch Biografien
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 20. Juni 2009

Ein Tagwerk Leben - Erinnerungen einer Magd

Verlag: Droemer
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-426-27418-7
Preis: 19,95 EUR

284 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Zum Inhalt:

Fast ein ganzes Jahrhundert hat Dora Prinz erlebt, von der Weimarer Republik bis heute. Geboren 1919, wächst sie als Älteste von fünf Geschwistern auf einem Bauernhof im Allgäu auf. Mit sechzehn Jahren verdingt sie sich als Magd. Von früh bis spät arbeitet sie im Stall und auf den Feldern, verdient zehn Reichsmark im Monat und ist obendrein der Willkür der Bauern ausgesetzt. Dora erträgt viel, doch alles lässt sie sich nicht gefallen.

Meinung:

Nach über siebzig Jahren erinnert sich Dora Prinz in dem Buch "Ein Tagwerk Leben - Erinnerungen einer Magd" an die Zeit, als sie ihre Familie verließ, um eine Stelle als Magd anzutreten. Man merkt dem Titel deutlich an, dass Doras Erzählungen durch die Journalistin Sabine Eichhorst niedergeschrieben wurden: Die Geschichte ist gut zu lesen und die hier und da aufblitzenden Dialektausdrücke schaffen Atmosphäre, ohne das Verständnis zu erschweren, aber trotzdem schwingt in jeder Szene auch ein gewisser Abstand mit, der nicht nur auf die lange Zeit zurückzuführen ist, die seitdem vergangen ist.

Gerade einmal sechzehn Jahre alt war Dora Prinz, als sie ihr Elternhaus verließ. Ihre Familie hatte eine kleine Landwirtschaft, die sie so eben ernährte, und als Älteste war das Mädchen froh, als es das Angebot bekam, als Magd selbst Geld zu verdienen und seine Eltern entlasten zu können. Doch mit ihrer Körpergröße von gerade mal 1,40 Metern musste sie jedem Bauern von Neuem beweisen, dass sie sich nicht nur mit der Landwirtschaft auskannte, sondern auch hart arbeiten konnte. So ging Dora Prinz Tag für Tag an ihre körperlichen Grenzen und schuftete wie ein Knecht.

Für den Leser bieten die Erinnerungen der ehemaligen Magd Einblick in eine längst vergangene Zeit. Hier bekommt man detailliert das harte und entbehrungsreiche Leben in der Landwirtschaft beschrieben, wie es vor der Einführung der Maschinen war. Ein Gewitter bei der Ernte, Feuer in der Scheune oder gar eine ansteckende Krankheit unter den Tieren konnten den Ruin für einen Hof bedeuten - oder zumindest einen langen, harten Winter, in dem jeder hungerte. Doch mit jedem Handstrich, den man tat, war einem auch bewusst, worin der Zweck dieser Arbeit lag.

Kühe melken, Heu machen, Gemüse pflanzen und ernten, all das war überaus anstrengende, aber notwendige Arbeit, die dafür sorgte, dass überhaupt Essen auf den Tisch kam. Doch schlimmer als die harte Tätigkeit auf einem Hof war für die Magd die Tatsache, dass sie so abhängig von ihrem Bauern war. Nur sehr selten hatte Dora Prinz das Glück, dass die Menschen, für die sie arbeitete, sie auch angemessen behandelten. Viel häufiger war sie Missachtung, Jähzorn und Schlägen ausgesetzt.

So ist es auch kein Wunder, dass die junge Frau schnell zu dem Schluss kam, dass sie auf keinen Fall heiraten wollte. Sie war sich sicher, dass sich jeder Mann letztendlich als "Hund" entpuppen würde, und wollte lieber ihr Leben lang in der Lage sein, sich selbst zu versorgen. Immer wieder wird in dem Buch betont, dass Dora Prinz nicht wie andere junge Frauen von einem Mann träumte, sondern von einem Arbeitgeber, der ihre Leistungen anerkannte - und von einer Tätigkeit, bei der sie regelmäßig einen freien Tag in der Woche hat. Das sind zwei Dinge, die man nur allzu gut verstehen kann, wenn man ihre Lebensbedingungen betrachtet.

Dora Prinz' Leben wird so plastisch beschrieben, dass der Leser selbst Sehnsucht nach einem so einfachen und befriedigenden Dasein empfindet - auch wenn man die harte Arbeit der Magd gewiss nicht Tag für Tag teilen möchte. Aber dafür wird ganz deutlich, warum Dora Prinz nach all den Jahren sagen kann, dass ihr Leben zwar hart und entbehrungsreich war, aber dass es dennoch nicht schöner hätte sein können. Und doch fehlt dem Buch die direkte Verbindung zum Leser, man liest von all der Arbeit und von den persönlichen Problemen, die die Magd auf den Höfen hatte, aber statt mitzufühlen, empfindet man in erster Linie nur geschichtliches Interesse für diese inzwischen so ferne Lebensweise. Vielleicht wird man dieses Buch später noch einmal aufschlagen, um die alten Schwarzweiß-Fotos zu betrachten, doch sonst bietet dieser wirklich interessante Titel leider kaum einen Grund, um ihn nach dem Lesen noch einmal in die Hand zu nehmen.

Fazit:

Mit "Ein Tagwerk Leben - Erinnerungen einer Magd" bieten Dora Prinz und Sabine Eichhorst dem Leser einen detaillierten Blick in eine längst vergangene Zeit. Von der harten Arbeit in der Landwirtschaft zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, von den Nöten der Menschen und von den Abhängigkeit der Magd von ihrem Bauern berichtet dieses Buch, aber auch von der Freude, die einem diese anstrengende Tätigkeit und der Umgang mit Tieren vermitteln kann. Doch so faszinierend dieses Buch auch ist: Der Leser behält immer eine innere Distanz, die wohl leider verhindern wird, dass man diesen Titel - trotz der wirklich ansprechenden Fotos und des interessanten Inhalts - ein zweites Mal zur Hand nimmt.
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