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Derek Landy im Interview Drucken E-Mail
Geschrieben von Jano Rohleder   
Sonntag, 20. April 2008

Mit seinem Roman "Skulduggery Pleasant" landete der irische Autor Derek Landy einen Welthit. Im booklove-Interview mit Chefredakteur Jano Rohleder spricht er über sein Erstlingswerk, das Leben als Autor und die vielen Bände, die noch folgen sollen. (Zum Video bei bookloveTV | Zum Follow-up-Interview aus dem Jahr 2011)

Herr Landy, wie würden Sie für Leute, die Ihr Buch noch nicht gelesen haben, die Hauptfigur von "Skulduggery Pleasant" beschreiben?

Nun, also er ist ein lebendes Skelett. Zuallererst ist er ein Detektiv, doch er ist auch ein Zauberer. Im Grunde genommen handelt es sich bei ihm um die Art von Held, über die ich schon seit Jahren schreiben wollte. Aber ich konnte nie den richtigen Stil finden. Jetzt ist es mir mit Skulduggery endlich gelungen. Er ist einfach, ähm ...

Er ist "the good guy".

Genau. (lacht)

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Als ich das erste Mal das Cover des Buches sah, erinnerte es mich direkt an das LucasArts-Adventure "Grim Fandango". Kennen Sie das Computerspiel?

Ja, das kenne ich tatsächlich. Ich habe es so etwa zur Hälfte durchgespielt, als es rauskam. Allerdings war mein Computer schon für damalige Verhältnisse uralt und ich gab irgendwann auf, weil es vor lauter Ruckeln und Unterbrechungen nicht mehr auszuhalten war. Es ist schon interessant, wie sich bei einem Schriftsteller alles, was er sieht, hört, liest oder auch spielt, in seiner Fantasie vermischt, um dann schlussendlich etwas Neues zu schaffen. Absolut jede Kleinigkeit, die ich je erlebt habe, hat in irgendeiner Form zu Skulduggery geführt. Ich bin mir sicher, dass zu einem gewissen Grad auch "Grim Fandango" ein Teil davon war - obwohl ich das Spiel zu diesem Zeitpunkt, fast zehn Jahre später, eigentlich fast schon komplett vergessen hatte.

Wie sind sie eigentlich auf die Idee zu dem Buch gekommen?

Das war im Jahr 2005. Ich war wegen eines Treffens mit ein paar Filmproduzenten in London und befand mich gerade in meinem Hotelzimmer, als es "Klick!" machte und der Name "Skulduggery Pleasant" in meinem Kopf auftauchte. Keine Ahnung, wie es dazu kam oder was ich davor gedacht hatte. Er tauchte einfach so auf und beschrieb perfekt den Charakter der Figur. "Skulduggery" ist ein englischer Begriff, der trickreich, hinterhältig oder auch mysteriös bedeutet. Daher wusste ich, dass es sich bei ihm um einen Detektiv handelt. Das darin ebenfalls anklingende Wort "Skull" (Schädel) sagte mir, dass er ein Skelett ist. Und der Teil mit dem "Pleasant" (angenehm, umgänglich, liebenswürdig) war ein Indiz dafür, dass er gut angezogen, schlau, geistreich und höflich auftritt.

Der Name erschien also in meinem Kopf, die Figur war sofort da - und plötzlich fand ich mich dabei wieder, ein Buch zu schreiben. Etwas, das ich überhaupt nicht geplant hatte.

Es war also reiner Zufall?

Ja. Ich weiß nicht, was genau es war. Es ist einfach passiert. Manchmal kommt es vor, dass ein Schriftsteller eine Idee hat, die jahrelang in seinem Kopf kreist, aber im Endeffekt nichts daraus wird. Aber manchmal gibt es auch Ideen, bei denen man sofort weiß, zu was sie sich entwickeln werden und dass man es geradezu schreiben muss. Darum bin ich hier. (lacht)

Ihr Roman ist ein enormer Erfolg geworden und bei Lesern auf der ganzen Welt beliebt. Wie erklären Sie sich die Faszination, die von diesem Buch ausgeht?

Ich ... weiß es nicht. Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass ich als Autor beim Schreiben eine riesige Menge Spaß hatte. Und ich habe alles eingebaut, was ich liebe. Es gibt Magie und Mord, Mystery und Monster - und Martial Arts. Alles, was ich unterhaltend finde, befindet sich in diesem Buch. Denn ich wusste, dass mir wirklich jede Seite Spaß machen musste, wenn ich mir meinen Enthusiasmus bewahren wollte. Wenn der Autor beim Schreiben Spaß hat, übertragt sich das hoffentlich irgendwann auch auf den Leser. In diesem Fall hat es funktioniert. Wer weiß ... vielleicht ist die Welt nun einfach bereit für einen Skelett-Detektiv, der Feuerkugeln werfen kann. Ich zumindest habe darauf gewartet - hier ist er jetzt also.

Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, Bücher zu schreiben? Und warum ausgerechnet ein Kinderbuch?

Angefangen hat es mit zwei Filmen, die ich in Irland schrieb. Das waren eher kleinere Sachen. Ich liebe sie zwar beide, aber die Arbeit an einem Film dauert einfach zu lange. Man braucht Jahre für die Umsetzung und das wurde mir mit der Zeit zu langweilig. Ich bin halt ungeduldig. Als mir dann plötzlich die Idee zu Skulduggery kam, wusste ich irgendwie, dass es sich eher um einen Roman als um ein Drehbuch handeln würde. Die Figuren waren viel interessanter als die, die ich mir sonst so ausdenke. Aber ich hatte, wie gesagt, nie feste Pläne, ein Buch zu schreiben - und dann gleich eines für Kinder. Zwar nahm ich an, irgendwann mal einen Roman zu schreiben, aber ich war davon ausgegangen, dass es ein Krimi für Erwachsene sein würde. Lustig und voller Action, ja, aber trotzdem für Erwachsene. Doch letztlich blieb mir keine Wahl. Skulduggery kam an und sagte mir, dass es ein Buch und kein Film war, dass es für Kinder und nicht ausdrücklich für Erwachsene sein würde - und dass ich aufhören sollte, mich zu beschweren, und mich stattdessen hinsetzen und endlich anfangen sollte zu schreiben. Was dann auch genau das war, was ich tat.

Gefällt es Ihnen, Schriftsteller zu sein? Oder ist das manchmal auch nervig, zum Beispiel, wenn Sie zu solchen Veranstaltungen wie dieser hier kommen müssen? Ich habe gelesen, dass Sie früher auf einem Bauernhof gewohnt haben. Wünschen Sie sich manchmal, wieder ein unbekannter Farmer irgendwo in der Einöde zu sein?

Oh, ich habe niemals gerne auf dem Hof gearbeitet. Ich hab es wirklich nie, nie gemocht. Ein Schriftsteller zu sein, war schon immer mein Ziel, mein größter Traum. Und es macht so viel Spaß, das, was man liebt, zu seinem Beruf machen zu können. Nicht viele Leute bekommen diese Chance. Selbst den meisten Schriftstellern ist es nicht möglich, hauptberuflich zu schreiben. Normalerweise brauchen sie noch einen Teilzeit- oder sogar Vollzeit-Job. Ich habe einfach unglaubliches Glück, dass die Dinge für mich so gelaufen sind, wie sie es taten. Und nein, ich vermisse den Bauernhof nicht. Ich vermisse es nicht, auf dem Hof zu arbeiten. Ich vermisse es nicht, draußen auf den Feldern, im Matsch, im Regen zu sein. Kein klitzekleines bisschen. Aus irgendeinem Grund bevorzuge ich es dann doch eher, vom Flughafen zu schönen Hotels gefahren zu werden und herumzusitzen und über mich zu reden - was ich total gern mache. Mein absolutes Lieblingsthema. (lacht)

Wenn es für einen Schriftsteller mal den Zeitpunkt gibt, an dem er genug davon hat, unterwegs zu sein, oder wenn mal eine Veranstaltung oder ein Interview nicht ganz so gut läuft, wie man das gern hätte, kann man sich im Endeffekt trotzdem nicht wirklich beschweren. Denn man hat einen Job, den Tausende von Menschen gerne haben würden. Daher hat man auch absolut kein Recht, sich zu beschweren. Schließlich ist es ein Traum, der wahr geworden ist. Also halte ich in solchen Fällen einfach den Mund und lächle.

Ich habe gelesen, dass Sie Ideen für mindestens acht Skulduggery-Bücher haben. Der nächste Band soll, soweit ich informiert bin, im April 2008 in Großbritannien erscheinen. Können Sie uns einen kleinen Einblick geben, um was es darin gehen wird?

Mein Plan ist es, insgesamt neun Bücher zu schreiben, also acht weitere nach diesem hier. Hm ... was kann ich Ihnen über das zweite erzählen, ohne zu viel zu verraten. Ah ja - es wird ein riesiges Monster geben. Endlich hatte ich die Chance, einen Monsterkampf zu schreiben. Zwei riesige, furchtbare Kerle, die aufeinander losgehen. Das Hauptmonster besteht aus vielen zusammengenähten Einzelteilen anderer Monster. Sein rechter Arm ist mit aufgerollten Muskeln bepackt. Wenn er angreift, braucht er den nur auszustrecken und die Muskeln schießen als krallenbesetzte Tentakel nach vorne. Diese Bücher bieten mir die Chance, meiner Fantasie absolut freien Lauf zu lassen. Und mit jedem Band kann ich sie weiter antreiben. Das ist aber das Einzige, was ich Ihnen über das nächste Buch sagen kann. Oder ... mal überlegen. Ja, doch, kommt hin. (lacht)

Wird es sich bei den Büchern um eigenständige Abenteuer handeln? Oder gibt es einen sich fortsetzenden Handlungsbogen, sodass man alle gelesen haben muss, um die Geschichte zu verstehen?

Jeder Band wird seinen eigenen Anfang, seine eigene Mitte und sein eigenes Ende haben. Man wird also alle Romane unabhängig von den anderen lesen können. Wenn man alle zusammen nimmt, werden sie jedoch eine große Geschichte ergeben, über die ich Ihnen momentan noch nichts verraten kann. Die ist noch geheim. Wir werden Skulduggery und seine Partnerin, die natürlich mit der Zeit immer größer und stärker wird, über fünf oder sechs Jahre hinweg begleiten. Am Schluss endet dann alles mit einem riesigen Kawumms!

Haben Sie vor, sich in nächster Zeit auf Skulduggery zu konzentrieren oder wird es zwischendurch auch andere Bücher von Ihnen geben?

Also, theoretisch würde ich gerne drei Skulduggerys schreiben und dann etwas anderes. Das war zumindest mein ursprünglicher Plan. Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich wirklich dazu kommen werde, diesen auch so umzusetzen. Ich bin jetzt mit der Hälfte des dritten Bandes fertig und hatte eigentlich gedacht, dass ich mich mit der Zeit etwas langweilen würde, wenn ich immer über die gleichen Figuren schreibe. Aber momentan ist das noch nicht der Fall, was mich überrascht. Es macht mir nach wie vor jede Menge Spaß. Deshalb werde ich, solange ich mich noch nicht langweile, erst mal Skulduggery schreiben. Vielleicht bis in alle Ewigkeit. (lacht)

Ja, mal schauen. Wie lange brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben, bzw. in welchem Zeitrahmen werden die nächsten Bände erscheinen?

In Großbritannien und Irland soll jeden April einer veröffentlicht werden. Also einer jährlich, für die nächsten ... acht, neun Jahre (verdreht die Augen). Für das erste Buch brauchte ich insgesamt etwa sechs Monate, in denen ich es geschrieben, überarbeitet, verkauft und noch mal überarbeitet habe. Ja, bis zur fertigen Version dauerte es so um den Dreh sechs Monate. Beim zweiten Band waren es nur noch vier Monate, ich werde also theoretisch schneller. Aber die Art, wie ich schreibe, ist sowieso etwas seltsam. Ich habe auf meinem Computer schon Szenen und Kapitel von, zum Beispiel, Buch sieben. Die kamen mir einfach in den Sinn, also habe ich sie aufgeschrieben. Bei Band drei wird es so sein, dass ich die erste Hälfte nehme und sie dann hoffentlich mit den vielen kleinen Einzelteilen der zweiten Hälfte so verbinden kann, dass es am Ende ein Buch ergibt. Daher kann ich nicht genau sagen, wie lange das Schreiben eines Romans bei mir dauert. Ich schreibe zwar ständig, nur nicht immer unbedingt am gleichen Band. In dieser Hinsicht bin ich wirklich schwierig.

Verstehe ich das richtig, dass Sie also, wenn so eine Passage in Ihrem Kopf auftaucht, schon ganz genau wissen, an welche Stelle welches Bandes sie passen wird?

Genauso ist es!

Das heißt, sie haben bereits einen Plan, welches Buch welche Geschichte beinhaltet?

Ja. Natürlich kann sich das bei manchen noch komplett verändern. Aber ich weiß genau, was am Anfang, im Hauptteil und am Schluss passiert, wer lebt, wer stirbt, wer gut und wer böse ist etc. Die Reise von einem dieser Punkte zum anderen ergibt und ändert sich dann beim Schreiben. Ich habe also einige feste Eckpunkte, doch alles andere kann sich ändern, je nachdem, wie ich mich gerade fühle. Das sorgt dafür, dass mir das Schreiben auch weiterhin Spaß macht.

Tja, ich glaube, dann wär's das eigentlich für heute. Vielen Dank für das Gespräch!

War mir eine Freude.

Und vielleicht treffen wir uns ja nächstes Jahr hier wieder, um dann über...

...den zweiten Band zu sprechen. Klar, gerne!

Vielen Dank, Herr Landy!

Hat Spaß gemacht!

Das Interview im Podcast:


Das Video bei booklove TV:


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