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Vagabond 26  Drucken E-Mail
Comics: Manga Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Dienstag, 24. Februar 2009

Vagabond 26

Zeichner: Inoue Takehiko

Originaltitel: Vagabond Vol. 26
Übersetzt von: Holger Hermann Haupt

Reihe: Vagabond
26. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Februar 2009
ISBN: 978-3-7704-6972-7
Preis: 6,50 EUR

208 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.1

Wertung:
8.1
von 10
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Zum Inhalt:

Der Zweikampf zwischen Denshichiro Yoshioka und Miyamoto Musashi ist beendet. Doch nun stehen dem aufstrebenden Schwertkämpfer gleich 70 Gegner gleichzeitig gegenüber, die Rache für den Tod ihres Meisters nehmen wollen. Und obwohl es Musashi schon sehr früh gelingt, den Anführer auszuschalten, denkt der Rest der Gruppe gar nicht ans Aufgeben. Daher ist es selbst angesichts seiner überragenden Fähigkeiten keineswegs sicher, dass Musashi das Ende dieses Tages erleben wird.

Meinung:

Nachdem Miyamoto Musashi sich am Ende des vorigen Bandes entschlossen hat, der Gewaltspirale, die er durch den Sieg über Denshichiro in Gang gesetzt hatte, bis zum Ende zu folgen, muss er sich nun den Konsequenzen stellen: Die 70 Schüler des Yoshioka-Dojos wollen die Ehre ihres Hauses wiederherstellen. Da sie jedoch wissen, dass sie ihm in individuellen Duellen unterlegen wären, planen sie, Musashi aufzulauern und ihn durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit in Bedrängnis zu bringen. Doch der einsame Schwertkämpfer weiß bereits von dem Plan und kann sich so zumindest mental auf die Massenschlacht im Morgengrauen vorbereiten.

Obwohl dies zweifellos der bisher "actionreichste" Band der Serie ist, gelingt es Inoue Takehiko, der Geschichte eine unglaubliche Ruhe und Eleganz zu verleihen. Trotz der in aller Deutlichkeit, dabei aber immer noch ästhetisch ansprechend und ohne Sensationsgier dargestellten Verstümmelungsszenen wirkt es beinahe meditativ, wie Musashi sich unaufhaltsam durch die Gegnermassen bewegt. Inoue beherzigt hier sowohl als Zeichner als auch als Autor die Erkenntnis, die den Kämpfer über das Schlachtfeld führt: Wie ein Fluss muss man ständig und gleichmäßig in Bewegung bleiben.

Man könnte erwarten, dass die Aneinanderreihung einer nahezu endlosen Kette von Schwertkämpfen für den Leser auf Dauer langweilig wird. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dank der einfühlsamen Darstellung durch den Künstler werden die Beweggründe der Angreifer ebenso plastisch geschildert wie die zunehmende Erschöpfung Musashis, die man irgendwann sogar am eigenen Körper zu spüren glaubt. Gerade die stetig ansteigende Atemlosigkeit des einsamen Kämpfers bekommt der Leser nahezu ohne Worte, dadurch jedoch umso eindringlicher vermittelt - die Zeichnungen allein lassen deutlich erkennen, dass seine Atemzüge immer tiefer und bemühter werden.

Ohnehin sind die Zeichnungen Inoues einmal mehr auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt: Sein sorgfältiger, realistischer und doch ungemein eleganter Stil ist für die rasanten Actionszenen ebenso geeignet wie für ruhige Momente - zum Beispiel das kurze Dankesgebet, das Musashi zu Beginn der Schlacht Denshichiro Yoshioka widmet. Denn Yoshioka war es, der Musashi bei ihrer ersten Begegnung ein Jahr zuvor nicht auf der Stelle tötete, sondern ihm Aufschub gewährte. Dieses eine Jahr nutzte der junge Schwertkämpfer, um seine Fähigkeiten in geradezu unglaublichem Ausmaß zu verbessern, sodass er letzten Endes in der Lage war, den ursprünglich überlegenen Yoshioka zu bezwingen.

Auch die Druckqualität des Bandes ist sehr hoch und gibt die feinen Schraffurlinien, mit denen der Zeichner Schattierungen setzt, sauber wider. Erwähnenswert ist zudem einmal mehr die sorgfältige und kenntnisreiche Übersetzung durch Holger Hermann Haupt, der bei nicht direkt übertragbaren Wortspielen ausführliche Anmerkungen einfügt, in denen die unterschiedlichen Lesarten der japanischen Begriffe nachvollziehbar dargelegt werden, damit dem Leser keine Facette dieses vielschichtigen Mangas vorenthalten bleibt.

Fazit:

Selbst in einem Band wie diesem, der im Grunde nur aus einer einzigen, ausgedehnten Kampfszene besteht, verliert "Vagabond" nichts von seiner visuellen Eleganz und seiner erzählerischen Tiefe. Inoue Takehiko gelingt es, selbst einer eigentlich recht handlungsarmen und ganz auf Action setzenden Episode eine geradezu poetische Ästhetik zu verleihen, die dennoch kein grausiges Detail verschleiert oder beschönigt - es gibt in diesem Band viele Tote, und nicht jedes Opfer findet sein Ende schnell und schmerzlos. Für anhaltende Spannung ist ebenfalls gesorgt, denn obwohl Musashi sich am Schluss des Bandes vor Entkräftung kaum noch auf den Beinen halten kann, ist der Kampf noch längst nicht vorüber.
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