Banner bookdepository.com

Vagabond 25  Drucken E-Mail
Comics: Manga Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Sonntag, 28. September 2008

Vagabond 25

Zeichner: Inoue Takehiko

Originaltitel: Vagabond Vol. 25
Übersetzt von: Holger Hermann Haupt

Reihe: Vagabond
25. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-7704-6880-5
Preis: 6,50 EUR

208 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.1

Wertung:
8.1
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Nachdem Musashi bereits Seijuro, den zierlicheren, aber technisch stärkeren der Yoshioka-Brüder besiegt hatte, steht in "Vagabond" 25 nun endlich das Duell mit dem hünenhaften Denshichiro an, zu dem die beiden Kontrahenten sich vor genau einem Jahr verabredet hatten. Außerdem begegnet Musashi erstmals seit Verlassen des gemeinsamen Heimatdorfs seinem Jugendfreund Matahachi wieder und sieht sich letzten Endes mit einer rachsüchtigen Gemeinschaft von 70 Schwertkämpfern konfrontiert - eine solche Gegnerschar könnte sogar die Fähigkeiten eines herausragenden Kriegers wie Musashi übersteigen.

Meinung:

Inoue Takehikos Manga-Adaption des Lebens von Miyamoto Musashi (1584 - 1645) basiert auf dem biografischen Fortsetzungsroman aus der Feder Yoshikawa Eijis, der bereits vor dem zweiten Weltkrieg in Japan erschien. Die Geschichte beginnt mit dem naiven, aber vor Selbstüberschätzung strotzenden Bauernlümmel Takezo, der sich vornimmt, das Schwert so gut wie "kein Zweiter unter dem Himmel" zu beherrschen und als Zeichen seiner Entschlossenheit die Lesart der Schriftzeichen seines Namens zu Musashi umdeutet - den Beinamen Miyamoto wählt er, da sein Heimatdorf so heißt. Bis er es zum gereiften "Schwertheiligen" bringt, der die japanische Fechtkunst entscheidend mitprägt, dann mit 29 Jahren die Kampfkunst aufgibt und später zu einem bedeutsamen Schriftsteller ("Das Buch der fünf Ringe"), Philosophen und Künstler wird, ist der Weg allerdings noch sehr lang, und auch im 25. Band von "Vagabond" ist das Ende von Musashis Reise und Entwicklung noch längst nicht in Sicht.

Anhand der in diesem Band stattfindenden Begegnung Musashis mit seinem alten Freund Honiden Matahachi hat der Leser allerdings immerhin die Gelegenheit, die Fortschritte der beiden jungen Männer direkt zu vergleichen: Beide waren fast noch Kinder und voller Träume von Ruhm und Ehre, als sie das gemeinsame Heimatdorf verließen. Doch Matahachi hat die vergangenen Jahre vor allem damit zugebracht, sich als Hochstapler in der Rolle des berühmten Kämpfers Sasaki Kojiro durchs Leben zu gaunern und auch aus schmerzhaften Rückschlägen - z.B. dem endgültigen Auffliegen seines Identitätsschwindels - keine rechte Lehre gezogen. Musashi musste ebenfalls oft genug auf die harte Tour erfahren, dass er noch viel zu lernen hat. Allerdings konnte er diese Lektionen meist erstaunlich schnell und intuitiv auswerten und seine eigenen Schwachpunkte somit nach und nach beseitigen. Daher weiß der einst so hochfahrende Musashi nun nur zu gut, dass er zwar große Fortschritte gegenüber seinem alten Ich gemacht hat, aber immer noch ein weiter Weg vor ihm liegt - eine Erkenntnis, die ihm zu Beginn seiner Reise noch völlig verschlossen geblieben wäre.

Die Auseinandersetzung mit den Mitgliedern des Yoshioka-Dojos zeigt Musashi zudem erneut, dass Gewalt immer Gegengewalt heraufbeschwört, sodass Kämpfen und Töten schnell zu einer endlosen Spirale werden. Diese Feststellung könnte den Grundstein für seine spätere Abkehr vom Schwertkampf darstellen. Doch noch sind wir längst nicht so weit, und Musashi nimmt sich erst einmal vor, die Gewaltspirale bis zu ihrem bitteren Endpunkt zu verfolgen.

Der ausgesprochen realistische und detailfreudige Zeichenstil Inoues unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Geschichte und hebt sie von thematisch vergleichbaren, aber stärker auf jugendliche Leser zielenden Reihen wie etwa Watsuki Nobuhiros "Kenshin" ab. Der Verzicht auf Rasterfolie ist ebenfalls hervorhebenswert: Schattierungen werden allein durch von Hand gesetzte Schraffuren gekennzeichnet. Dadurch ist "Vagabond" in optischer Hinsicht auch für eher westlich orientierte Leser geeignet, die sich mit der typischen Manga-Ästhetik nicht anfreunden können.

Neben der umgekehrten Leserichtung und der Samurai-Thematik bleibt jedoch auch die Erzählweise selbst durchweg japanisch: Dramatische Kampfszenen in atemberaubenden Perspektiven wechseln sich mit sehr ruhigen, kontemplativen Passagen ab und sorgen so für reichlich Abwechslung. Gerade die letztgenannten Abschnitte profitieren von der hervorragenden, kenntnisreichen Übersetzung durch Holger Hermann Haupt, der dem Leser viele historische Zusammenhänge und ganz beiläufig auch so manche Eigenheit der japanischen Sprache näher bringt.

Fazit:

"Vagabond" hebt sich nicht nur durch seine aufwändigen, realistischen Zeichnungen vom Durchschnitt des deutschen Manga-Markts ab: Mit seiner ganz klar auf ein erwachsenes Publikum ausgerichteten Samuraigeschichte und der historisch weitgehend belegten Ausgangsbasis richtet sich die Serie an das gleiche Publikum wie beispielsweise "Lone Wolf & Cub". "Vagabond" ist jedoch deutlich weniger episodenhaft aufgebaut als dieser Klassiker, wodurch sich die Reihe kaum für Quereinsteiger eignet. Den Lebensweg Miyamoto Musashis sollte der Leser also am besten nicht mit Band 25 beginnen, sondern chronologisch von Anfang an verfolgen. Nur so wird die Entwicklung des Protagonisten vom vorlauten Bengel zu einer der kulturell bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte Japans nachvollziehbar.
Weiterführende Infos

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.