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Peking Reijin-Sho 2  Drucken E-Mail
Comics: Manga Historisches
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. März 2009

Peking Reijin-Sho 2

Zeichner: Natsuki Sumeragi

Originaltitel: Peking Reijin-Syo 2: Jyoji-Jyo
Übersetzt von: Claudia Peter

2. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-7704-6877-5
Preis: 7,50 EUR

192 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.7

Wertung:
8.7
von 10
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Zum Inhalt:

Peking im Jahr 1920: Caipin, die Tochter des Hauses Feng, kommt mit dem neuen westlichen Gedankengut in Berührung und ist davon begeistert. Aber die Bekanntgabe ihrer Verlobung mit einem durch ihren Großvater ausgesuchten Mann zerstört ihre Träume. Sie reißt aus dem Haus aus, um ihrer konservativen Familie zu entfliehen. Und sie begegnet auf der Straße ihrem Verlobten ...

Meinung:

Auch im zweiten Band von "Peking Reijin-Sho" dreht sich alles um die Veränderung, die der westliche Einfluss um 1920 für die chinesische Jugend gebracht hat. Die modern eingestellte Caipin in der Geschichte "Die Gefühle eines jungen Mädchens" soll mit einem Mann verheiratet werden, den sie noch nie getroffen hat. Arrangiert wurde diese Ehe von ihrem Großvater, der die aufmüpfige junge Frau schnell unter die Haube bringen will, bevor ihre unstandesgemäßen Ideen sie und die Familie in Schwierigkeiten bringen.

Caipin träumt von einer Liebesheirat und flüchtet aus ihrem Elternhaus zu ihrer Freundin Min Hong. Doch als ihr Verlobter Yan Han in Peking auftaucht, wird das Mädchen neugierig auf diesen Mann, der - entgegen aller Traditionen - angereist ist, um seine Zukünftige kennenzulernen. Mit Hilfe ihres Cousins arrangiert Caipin ein zufälliges Treffen auf der Straße, damit sie Yan Han in Augenschein nehmen kann.

Auch die Erzählung "Schnee, der den Morgen verkündet" spielt in Caipins Freundeskreis. Ihre Freundin Jinhua ist die zukünftige Nebenfrau des Generals Wang und erschüttert bei dem Gedanken, mit so einem alten Mann verheiratet zu werden. Zu aller Überraschung kümmert sich Wangs Hauptfrau liebevoll um das junge Mädchen und lädt auch Jinhuas Freundinnen Caipin und Min Hong ein, damit sich diese davon überzeugen können, dass es Jinhua im Hause Wang gut geht. Doch ganz uneigennützig ist die Freundlichkeit der Madame Wang nicht, wie die Mädchen schnell herausfinden.

"Das Lied vom kleinen Liebling" führt den Leser in die Familie von Min Hong. Gleich in der ersten Szene bekommt man mit, dass ihre Schwägerin Wenjue die Tochter A-Huan komplett ignoriert und dafür ihren kleinen Sohn rundum verwöhnt. Doch hinter dem grausamen Verhalten von Wenjue steckt mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist, denn die Verbindung zwischen Wenjue und ihrem Mann Peiyuan wurde arrangiert, während A-Huan Peiyuans Tochter aus erster Ehe ist - eine Liebesheirat, die daran scheiterte, dass Peiyuans Familie ihren Sohn aufgrund dieser Beziehung verstoßen hatte.

Die letzte Geschichte, "Die Stimme der Morgenröte", entfernt sich von den familiären Themen, die die Kapitel um Caipins Freundeskreis beherrschen, und wechselt ins Künstlermilieu. Danniang wurde nach dem Tod ihres Gatten zusammen mit der Tochter ihres Mannes vor die Tür gesetzt. Als sie bei Engagements als Sängerin wie eine Prostituierte behandelt wird, sucht sie eine andere Möglichkeit, sich und die junge Frau in ihrer Obhut zu ernähren, und nimmt eine Auftrag als Aktmodell an. Doch auch wenn in Europa die Aktkunst immer verbreiteter wird, gilt sie in China immer noch als eine Form der Pornografie - eine Ansicht, die natürlich auch negative Folgen für Danniangs Leben hat.

Dass die Erstveröffentlichung dieses Mangas schon einige Jahre her ist, lässt der für heutige Zeit etwas altmodische, aber umso realistischere Zeichenstil erahnen. Trotzdem sind Natsuki Sumeragis Geschichten um den Wandel der chinesischen Gesellschaft um 1920 auch heute noch faszinierend zu lesen. Besonders positiv sticht die Tatsache heraus, dass Natsuki Sumeragi auf den Einsatz von Rasterfolien vollkommen verzichtet und dafür sehr geschickt Schraffuren setzt. Auch das feine und sehr ausdrucksvolle Mienenspiel der Charaktere trägt sehr zu dem besonderen Reiz dieses Mangas bei.

Wie schon im ersten Band scheint es der Zeichnerin bei der Darstellung der einzelnen Schicksale weniger darum zu gehen, den Leser von einem bestimmten Lebensstil zu überzeugen. Die verschiedenen Erzählungen handeln vielmehr davon, dass jeder Mensch - entgegen aller Widerstände von außen - seinen eigenen Weg im Leben gehen muss. Die verschiedenen Figuren und ihre Ansichten so vorurteilslos dargestellt zu sehen, trägt dazu bei, dass man sich in jede Person hineinversetzen kann und die unterschiedlichen Geschichten noch eine ganze Weile im Leser nachklingen. Gerade durch diese sensible und ruhige Erzählweise von Natsuki Sumeragi wird ein eindringliches Bild dieses Wandels in der chinesischen Gesellschaft geboten.

Fazit:

Auch der zweite Teil von "Peking Reijin-Sho" hebt sich deutlich von der Masse der Mangaveröffentlichungen ab. Natsuki Sumeragi erzählt in vier eindringlichen Geschichten von verschiedenen Frauenschicksalen aus dem Jahr 1920. Für jede dieser Figuren hat der westliche Einfluss andere Auswirkungen, und doch dreht sich letztendlich alles nur darum, dass jeder Mensch (gerade während eines solch tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels) seinen eigenen Weg im Leben finden muss. Der - im besten Sinne - etwas altmodisch wirkende Zeichenstil und die liebevolle Darstellung der verschiedensten Emotionen bei den Charakteren führen dazu, dass der Leser mit den Figuren mitfühlen kann und die Geschichten noch lange in ihm nachklingen.
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