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Peking Reijin-Sho 1  Drucken E-Mail
Comics: Manga Historisches
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 29. Juli 2008

Peking Reijin-Sho 1

Zeichner: Natsuki Sumeragi

Originaltitel: Peking Reijin-Syo
Übersetzt von: Claudia Peter

1. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-7704-6876-8
Preis: 7,50 EUR

188 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.7

Wertung:
8.7
von 10
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Zum Inhalt:

Peking in den 20er Jahren - die Zeit, in der die alten Gewohnheiten und frischer Wind sich vermischten. Die Träume und das reale Leben der Menschen, die sich der alten Schauspielkunst, der Peking-Oper, verschrieben haben, werden durch die Geschichte rund um den berühmten Schauspieler Yang Luoxian dargestellt. Die prachtvolle Bühne steht für höchstes Glück für den Augenblick, und auch für die ewige Bewunderung, doch ohne Opfer und Leid sind diese Ziele nicht zu erreichen ...

Meinung:

Mit "Peking Reijin-Sho 1" erscheint der erste Band einer zweiteiligen Reihe von Natsuki Sumeragi in Deutschland. Die Geschichten in diesem Manga drehen sich um Menschen, die die Peking-Oper zutiefst verehren. Die Künstlerin ist bekannt dafür, dass sie sich in ihren Werken mit chinesischer und koreanischer Geschichte auseinandersetzt, und so bildet auch in diesem Manga das China der 20er Jahre die Kulisse für die verschiedenen Schicksale der Charaktere.

Die Peking-Oper gehört zum traditionellen chinesischen Theater und ist dessen einzige Form, die in ganz China verbreitet ist. Abgesehen davon, dass hier die Künstler sehr vielseitig sein müssen, da Tanz, Gesang, Schauspiel, Pantomime, Akrobatik und Kampfkünste in der Oper zum Einsatz kommen, gehört eine spärliche Ausstattung zu den zentralen Merkmalen dieser Kunstform. Mimik und Gestik der Schauspieler sind sehr stilisiert und es kostet viele Jahre der Ausbildung, bis man eine Rolle perfekt beherrscht.

In den vier Geschichten "Tanz des Phönix", "Zeit der Melancholie", "Mond, der sich im Wasser spiegelt" und "Gefallene Blüte im Strom" ist der berühmte Schauspieler Yang Luoxian das verbindende Element. Seine große Kunst auf der Bühne inspiriert seine Zuschauer für ihr Leben. Die Fiktion der Bühne und die Realität des Alltags stehen in allen Erzählungen in einem engen Zusammenhang, denn schließlich spiegelt das Schauspiel nur das wahre Leben wider.

Natsuki Sumeragis Manga kommt mit wenig Action und ganz ohne banalen Humor aus. Sensibel werden die verschiedenen Charaktere beleuchtet und ihr Leben dargestellt. Genauso fein wie ihre Erzählweise sind auch die Zeichnungen in "Peking Reijin-Sho". Die recht realistisch gezeichneten Figuren und die häufig sehr detailliert ausgearbeiteten Hintergründe bezaubern den Leser. Gerade der Kontrast zwischen dem Alltag in einem noch recht traditionell gehaltenen Lebensumfeld und der Opulenz der Kostüme auf der Bühne besticht den Betrachter.

Die Auseinandersetzung mit den modernen Ideen, die in den 20er Jahren in China aufkamen, beherrscht alle Geschichten in "Peking Reijin-Sho". Traditionell haben weder die Söhne noch die Töchter einer Familie eine freie Wahl, wie ihre Zukunft aussehen soll. Doch in einem modernen China wird es schwieriger, sich mit einer arrangierten Ehe oder einem vorbestimmten Beruf abzufinden, als zu Zeiten, in denen einem keine Alternativen offen standen.

In den ersten drei Geschichten ist es in der Regel der Schauspieler Yang Luoxian, der es seinen Zuschauern ermöglicht, sich ihre Träume zu erfüllen. Manchmal reicht es, wenn er nur den Menschen ein offenes Ohr schenkt, doch in einigen Szenen greift er auch sehr direkt ein. Erst die letzte Erzählung verrät mehr über den Schauspieler selbst. So sanft und freundlich er ist, so belastet Yang Luoxian doch ein unschöner Zwischenfall aus der Zeit, als er selbst noch in der Ausbildung war und alles dafür tat, um seinen Traum Realität werden zu lassen.

Natsuki Sumeragi verurteilt in ihrem Manga die traditionellen Werte in keiner Weise. Für sie ist es eher von Bedeutung aufzuzeigen, dass ein jeder Mensch seinen eigenen Weg finden muss - und manchmal geht es weniger darum, seinen Traum zu verwirklichen, als einen guten Kompromiss zwischen den eigenen Wünschen und denen der Familie zu finden. So gibt die Künstlerin dem Leser die Möglichkeit, in wunderschön erzählten Geschichten ein kleines Stückchen chinesischer Geschichte und Kultur kennen zu lernen.

Fazit:

Der erste Band von "Peking Reijin-Sho" erzählt in liebevoll gezeichneten Bildern vier Geschichten von Menschen, deren Leidenschaft der Peking-Oper gilt. Doch vor allem bringen die wunderbaren Erzählungen den Leser dazu, sich mit chinesischer Geschichte und Kultur auseinanderzusetzen. Sensibel - und ohne zu verurteilen - zeigt Natsuki Sumeragi die Probleme auf, die der Konflikt zwischen dem Festhalten an alten Traditionen und dem Wunsch nach einem modernen Leben entstehen lassen können.

 
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