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Brave 10 1  Drucken E-Mail
Comics: Manga Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Freitag, 5. Dezember 2008

Brave 10 1

Zeichner: Kairi Shimotsuki

Originaltitel: Brave 10, Volume 1
Reihe: Brave 10
1. Band der Reihe

Verlag: Planet Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-86607-664-8
Preis: 7,95 EUR

192 Seiten
Inhalt
4.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
7.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
5.7

Wertung:
5.7
von 10
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Zum Inhalt:

Krieger, so stark wie Drachen oder Dämonen, die den Wind, die Wolken und das Wüten der Elemente beherrschen, erwecken in uns Erinnerungen an eine vergangene Welt, an ein Zeitalter des Krieges ... Unter dem Banner von Yukimura Sanada verbünden sich zehn auserwählte Krieger - eine unbesiegbare Truppe ist geboren! Begleitet Saizou Kirigakure, einen Ninja aus Iga, Sasuke Sarutobi, einen Ninja aus Kouga, und die Priesterin Isanami bei ihren Abenteuern.

Meinung:

Autorin und Zeichnerin Kairi Shimotsuki kennt sich mit der historischen Ära der ausgehenden Sengoku-Periode bzw. der darauf folgenden "Zeit der drei Reichseiniger" im Japan des späten 16. Jahrhunderts gut aus, denn sie hat sich in ihrem Heimatland bereits mit dem Manga zum Capcom-Videospiel "Sengoku Basara" (in Deutschland als "Devil Kings" veröffentlicht) einen Namen machen können. Ihre aktuelle Serie "Brave 10" spielt ebenfalls in dieser Epoche und hat einen weiteren gängigen Stoff aus der japanischen Fiktion zum Thema: Die "Sanada Juyushi" ("die zehn mutigen Sanada-Krieger"), die legendären Ninja-Leibwächter von Yukimura Sanada, bilden die zentralen Figuren in vielen Romanen, Filmen und auch so manchem Manga, zum Beispiel in "Samurai Deeper Kyo". Auch in "Brave 10" steht dabei vor allem die (zumindest anfängliche) Rivalität zwischen Saizou Kirigakure und Sasuke Sarutobi im Mittelpunkt, die aus den traditionell miteinander wetteifernden Ninja-Dörfern Iga bzw. Kouga stammen.

Der Leser begleitet zu Beginn jedoch erst einmal das Schicksal einer Figur, die nicht direkt zu den zehn heldenhaften Kämpfern gehört: Die Priesterin Isanami überlebt nur knapp einen Anschlag auf ihren Heimat-Tempel und will beim lokalen Fürsten Yukimura Sanada um Hilfe bitten. Als sie auf dem Weg dorthin erneut von Attentätern überfallen wird, kommt ihr der kampferprobte Saizou Kirigakure zu Hilfe. Dankbar engagiert Isanami den arbeitslosen Krieger als Geleitschutz für ihre weitere Reise, an deren Ziel Saizou erstmals auf seinen Rivalen Sasuke Sarutobi trifft. Dabei entsteht augenblicklich eine starke Abneigung zwischen den beiden talentierten Ninja. Im weiteren Verlauf der Geschichte quartiert Isanami sich mit ihrem Beschützer in Yukimuras Schloss ein, wo das ungleiche Paar auch auf weitere Mitglieder der (noch nicht volständigen) Sanada-Leibgarde trifft. Und schon bald werden auch die beiden Neuankömmlinge in die drohende Auseinandersetzung des Sanada-Clans mit dem zukünftigen Shogun Ieyasu Tokugawa hineingezogen.

Die Handlung könnte also durchaus spannend sein, auch wenn "Brave 10" sicher nicht den Anspruch erhebt, einen historisch präzisen Abriss der Ereignisse von vor mehr als 400 Jahren zu bieten, sondern eine modernisierte Action-Fassung der Ereignisse präsentiert. Leider gelingt es der Autorin jedoch nicht, den Charakteren eigenständige Profile zu verleihen, die sie zu mehr als bloßen Abziehbildern machen würden: Priesterin Isanami ist vollbusig, naiv, verfressen und grundlos eifersüchtig, Saizou ist generell mürrisch, lässt sich von Isanami aber trotzdem herumkommandieren, weil das in ihm schlummernde gute Herz ihn am Ende doch zur Fürsorglichkeit zwingt - also alles sattsam bekannte Stereotype, denen in "Brave 10" keine neuen Aspekte hinzugefügt werden.

Auch die Haupthandlung selbst wird viel zu oft an den Rand gedrängt: Gleich das zweite Kapitel dieses ersten Bandes ist eher eine Füll-Episode, bei der nur anfangs kurz auf den Konflikt mit dem Tokugawa-Clan eingegangen wird, bevor der Leser einer halbnackten, aber ebenfalls üppig gebauten Schönheit ausgiebig beim Baden und Kämpfen zusehen darf - wenn es allein um die Charakterisierung der beteiligten Personen gegangen wäre, hätte man das auch anders lösen können - und vor allem ökonomischer. Die in der deutschen Übersetzung mitunter wirr und zusammenhanglos wirkenden Dialoge können ebenfalls nicht viel zur ohnehin schon kaum ausgearbeiteten Story beitragen, die vornehmlich aus einer Aneinanderreihung von vertrauten Action-Standardmomenten besteht.

Als Autorin besteht bei Kairi Shimotsuki also noch viel Raum für Verbesserung, doch als Illustratorin liefert sie glücklicherweise bessere Arbeit ab: Ihr Stil erinnert an den populären Zeichner Oh! Great ("Tenjo Tenge", "Air Gear") - nicht nur wegen der reichlich vorhandenen "Fan Service"-Passagen, in denen Großansichten von entblößten weiblichen Rundungen geboten werden, sondern auch wegen der generell detailreichen Ausarbeitung. Die gute Druckqualität lässt dabei jede Linie klar hervortreten. Mitunter meint Shimotsuki es mit der Dynamik ihrer Zeichnungen allerdings etwas zu gut, sodass bei einigen Actionszenen auch für das Manga-gewohnte Auge nur schwer zu entschlüsseln ist, was da nun gerade auf wen niedersaust.

Fazit:

"Brave 10" bietet noch am ehesten etwas fürs Auge: Die Protagonisten sind ansehnlich ausgestaltet und die Actionszenen sind rasant - mitunter sogar fast schon zu rasant. Inhaltlich hingegen macht sich Enttäuschung breit: Aus dem prinzipiell interessanten Setting hätte man viel herausholen können, doch die flachen Charaktere werden von der Autorin allzu früh in völlig unbedeutende Nebenhandlungen geschickt, die lediglich einen fadenscheinigen Vorwand für Fan-Service-Szenen liefern sollen. Die stellenweise etwas unbeholfen wirkende Übersetzung trägt ihr Übriges dazu bei, dass der Lesegenuss sich bei diesem Auftaktband von "Brave 10" leider sehr in Grenzen hält.
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