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Personal Paradise  Drucken E-Mail
Comics: Manga Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. Februar 2009

Personal Paradise

Zeichner: Melanie Schober

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Februar 2008
ISBN: 978-3-551-78744-6
Preis: 6,00 EUR

178 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
6.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.4

Wertung:
6.4
von 10
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Zum Inhalt:

In nicht allzu ferner Zukunft werden die Städte von staatlich gelenkten Jugendbanden beherrscht. Wer keiner Gang angehört, ist als gesellschaftlicher Außenseiter gebrandmarkt. Der stille und geheimnisvolle Julian ist so ein Außenseiter, ebenso wie die hübsche Anna. Als Julian eines Tages Anna vor einer Abreibung durch eine der Gangs bewahrt, nimmt der Ärger seinen Lauf, und die beiden geraten zwischen die Fronten der rivalisierenden Banden.

Meinung:

Melanie Schober zeigt in ihrem ersten Personal-Paradise-Band ein düsteres Szenario mit einer Welt, in der Jugendbanden die Straßen beherrschen - und ein Mensch ohne Gangzugehörigkeit Freiwild für die anderen darstellt. Kontrolliert werden die Jugendbanden von ihren Anführern, den Söhnen mächtiger Familien. Und wer sich als Gangmitglied bewährt, bekommt über diese Verbindung, wenn er alt genug ist, eine Chance auf Ausbildung und eine gute Stellung. Doch dieses Bandensystem ist zerbrechlich, und eine Gang kann durch einen unwilligen Anführer ebenso schnell untergehen wie durch einen Bandenkrieg.

Um neben dieser Ganggesellschaft zu überleben, muss man eigentlich schon ein besonderer Einzelkämpfer sein. Doch was ist mit den Menschen, die einfach nur ihre Individualität bewahren wollen, ohne dafür kämpfen zu müssen? Anna ist so ein Mensch, der sich nicht in eine Gang einfügen möchte. Das Mädchen versucht eher unauffällig zu bleiben und wird doch oft genug Opfer von Misshandlungen durch Bandenmitglieder. Bis sie eines Tages von Julian auf dem Schulhof gerettet wird und Anna beschließt, dass dieser geheimnisvolle Junge von nun an ihr Beschützer sein soll.

Es ist wirklich angenehm, mal einen deutschsprachigen "Manga" zu lesen, der keine zuckersüße Schulgeschichte erzählt. Melanie Schobers Welt des Jahres 2066 zeigt eine Menge Potenzial, und es wäre bestimmt faszinierend, mehr Hintergründe über ein Gesellschaftssystem zu erfahren, das auf Basis von Jugendbanden funktioniert. Doch leider hat die Zeichnerin versucht, zu viele verschiedene Dinge in ihre Geschichte hineinzupacken, sodass nicht genug Raum blieb, um all diese Ansätze auch auszubauen.

Anna versucht ohne ihre Eltern, die inhaftiert sind, ihren eigenen Weg zu gehen, und hängt sich vor lauter Einsamkeit an Julian. Der Junge hingegen hat ein deutliches emotionales Problem und kann nur dann etwas fühlen, wenn er das Blut einer Person trinkt. Im Gespräch mit ihm erfährt man auch ein wenig über die NHI (Non Human Individuals), die sich durch besondere Fähigkeiten von normalen Menschen unterscheiden. Der Gangleader Nico wiederum möchte eigentlich keine Verantwortung für seine Bande übernehmen, während seine Freundin Bianca ihren Körper einsetzt, um ihren Willen zu bekommen.

Jede dieser Figuren hat ihre eigenen Mittel und Wege, um in einer so rücksichtslosen Welt überleben zu können. Aber da Melanie Schober so viele verschiedene Aspekte anzusprechen versucht, gelingt es ihr nicht, den Charakteren wirklich einen überzeugenden Hintergrund zu verleihen. Auch inhaltlich scheint es nie zu einer wirklichen Bedrohung zu kommen. Das war vielleicht in Hinblick auf die jugendliche Zielgruppe beabsichtigt, wobei man sich dann allerdings fragen muss, warum es nötig war, die intime Szene zwischen Bianca und Nico über vier Seiten detailliert darzustellen.

Zeichnerisch ist es Melanie Schober gelungen, einen eigenen Stil zu finden. Auch wenn die Frisuren ihrer männlichen Figuren an japanische Serien wie "Yu-Gi-Oh!" erinnern und ihre Mädchengesichter häufig viel zu püppchenhaft wirken, sehen ihre Charaktere - vor allem in den Proportionen - angenehm realistisch aus. Besonders lobend sind die Hintergründe zu erwähnen, die nicht nur detailliert und stimmungsvoll dargestellt werden, sondern auch so manchen augenzwinkernden Hinweis auf andere Reihen enthalten.

Aber auch die Kampfszenen - besonders gegen Ende von "Personal Paradise" - sind der Zeichnerin erstaunlich gut gelungen, vor allem, da sie die Kontrahenten wirklich vollständig zeigt und sich nicht auf eine Großaufnahme beschränkt, um sich vor den Bewegungsabläufen drücken zu können. Die Sprache, derer sich Melanie Schober in "Personal Paradise" bedient, ist an manchen Stellen derber, als man sie normalerweise in einem Manga findet, aber gerade darum passt sie sehr gut in eine so marode Welt.

Fazit:

Mit ihrem ersten Personal-Paradise-Band hat Melanie Schober gezeigt, dass sie das Potenzial hat, eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen, die sich angenehm von der durchschnittlichen deutschsprachigen Manga-Veröffentlichung abhebt. Leider ist es ihr nicht gelungen, ihre Handlung mit genügend Hintergrund auszustatten, um den Leser wirklich befriedigt zurückzulassen. Die Masse der verschiedenen Probleme und unterschiedlichen Figuren hat einfach nicht genügend Raum gelassen, um alles innerhalb eines Bandes ausreichend darzustellen. Hier wäre es wohl ratsamer gewesen, nicht ganz so viele Konflikte auf einmal einzubauen. Auch die Sprache und die Zeichnungen in "Personal Paradise" können in der Regel überzeugen, wenngleich die Mädchengesichter zu süß und die Frisuren der Jungen zu überzogen dargestellt sind.
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