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Personal Paradise: Miss Misery  Drucken E-Mail
Comics: Manga Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 19. März 2009

Personal Paradise: Miss Misery

Zeichner: Melanie Schober

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: November 2008
ISBN: 978-3-551-7896408
Preis: 6,00 EUR

192 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.8

Wertung:
6.8
von 10
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Zum Inhalt:

In nicht allzu ferner Zukunft werden die Städte von staatlich gelenkten Jugendbanden beherrscht. Wer keiner Gang angehört, ist als gesellschaftlicher Außenseiter gebrandmarkt. Mike Garden, der Gangleader der Westside, will seinen großen Konkurrenten Nicolas Z von der Northside endlich ausschalten. Zusammen mit Nicolas' Ex-Freundin Bianca entführt er ihn und hält ihn gefangen. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass sich seine eigene Schwester Marianne in den verhassten Rivalen verliebt.

Meinung:

"Personal Paradise: Miss Misery" ist der zweite Manga von Melanie Schober, der in einer maroden Welt nach dem dritten Weltkrieg spielt. Die Städte werden von Jugendbanden beherrscht, deren Anführer in der Regel aus der Oberschicht stammen und im Auftrag ihrer Familien ihre Bezirke unter Kontrolle halten. Obwohl es direkte Verbindungen zwischen den beiden "Personal Paradise"-Bänden gibt, können die Geschichten unabhängig voneinander gelesen und verstanden werden.

Das Leben als Gangmitglied ist von Kämpfen geprägt, und so ist es kein Wunder, dass sowohl Mike Garden von der Westside als auch Nicolas Z von der Northside in ihrem Leben schon viel Zeit im Krankenhaus zugebracht haben. Hier lernt Mikes Schwester Marianne, die sich liebevoll um ihren verletzten Bruder kümmert, auch Nicolas kennen. Der übermütige Anführer der Northside-Gang neckt das Mädchen und zieht sich so ihre Abneigung zu.

Jahre später wird Nicolas von Mike gefangen genommen, und Marianne soll auf ihn aufpassen. Jetzt ergibt sich für das Mädchen die Gelegenheit, sich für die vor Jahren erfolgten Kränkungen zu rächen. Doch zu ihrer Verwirrung muss Marianne feststellen, dass der verhasste Gangleader ihr eindeutig mehr gefällt, als ihr lieb sein kann. Als sie bei ihrer besten Freundin Anna Rat sucht, findet sie heraus, dass diese mit Nicolas' bestem Freund zusammen ist. Zu dritt schmieden sie einen Plan, um Nicolas zu befreien.

Wie schon beim ersten Band bleibt nach der Lektüre von "Miss Misery" ein zwiespältiges Gefühl zurück. Melanie Schober hat eine wirklich reizvolle Welt mit einem interessanten Bandensystem geschaffen. Auch ihre Zeichnungen sind sehr ansprechend und weisen eine Menge liebevoller Details auf, die den Betrachter erfreuen. Doch letztendlich bleibt die Handlung für den Leser unbefriedigend, da die Motivationen der Charaktere einfach nicht überzeugen können. Statt das Potenzial auszuschöpfen, das durch ihre Grundidee ermöglicht wird, beschränkt sich die Autorin lieber darauf, ganz nette Gags und wenig romantische Sexszenen einzubauen.

Dafür ist es Melanie Schober gelungen, ihre Geschichte in "Miss Misery" konzentrierter zu erzählen, statt immer wieder abzuschweifen, um Nebencharaktere weiter zu beleuchten. Zu schade, dass ihre Figuren trotzdem flach und stereotyp bleiben. Marianne ist sehr auf ihren Bruder Mike - von ihr liebevoll Micha genannt - konzentriert, und die Szenen mit den beiden legen den Gedanken nahe, dass hier mehr als eine reine Geschwisterliebe vorherrscht. Doch erst, als sie mit ansehen muss, wie Mike Nicolas zusammenschlagen lässt, kommt ihr der Verdacht, dass das Leben als Gangleader ihr geliebtes Brüderchen ein wenig verändert haben könnte. So naiv kann ein Mädchen, das ein paar Jahre im Jugendknast dieser Zeit überlebt hat, nicht sein.

Und auch die Gangleader Nicolas und Mike können nicht wirklich überzeugen. Der eine wartet, nachdem er verprügelt wurde, einfach darauf, dass er hingerichtet wird, während der andere sich von Bianca und seinen Bandenmitgliedern manipulieren lässt. Vor allem beim Anführer der Westsider ist es doch recht unglaubwürdig, dass er so wenig Rückgrat und eigene Meinung hat. Schließlich hat er es aus eigener Kraft an die Spitze seiner Gang geschafft, statt sich von seinem Vater auf diese Position setzen zu lassen.

Doch wenn man über die wenig überzeugende Charakterisierung der Figuren und die oberflächliche Handlung hinwegsehen kann, bekommt man eine unterhaltsame Geschichte präsentiert. Die niedliche Marianne, diverse interessante Nebenfiguren in der Westside-Gang und das Wiedersehen mit Anna und Julian sorgen dafür, dass der Leser sich amüsiert und Lust auf den im Sommer 2009 folgenden Personal-Paradise-Band "Assassin Angel" bekommt.

Vor allem die Zeichnungen von Melanie Schober bieten eine angenehme Abwechslung zur durchschnittlichen Mangaveröffentlichung aus deutscher Feder. Liebevolle Details bei der Kleidung, angenehme Proportionen bei den Personen und eine gelungene Mischung aus Actionszenen und ruhigen Momenten sorgen für ein stimmiges Gesamtwerk, bei dem man dann auch über die gewöhnungsbedürftigen Frisuren der männlichen Charaktere hinwegsehen kann.

Fazit:

In "Personal Paradise: Miss Misery" erinnert die Liebesgeschichte zwischen Marianne, der Schwester des Anführers der Westside-Gang, und Nicolas, dem Anführer der Northside-Gang, deutlich an die "West Side Story". Doch leider gelingt es Melanie Schober nicht, die Motivation ihrer Charaktere stimmig auszuarbeiten und dabei das volle Potenzial ihrer Idee zu nutzen. Aber in Verbindung mit den angenehm detaillierten Zeichnungen, die eine gelungene Mischung aus ruhigen, witzigen und actionreichen Momenten zeigen, weiß die Handlung durchaus zu gefallen.
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