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Shinanogawa 2  Drucken E-Mail
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 18. März 2010

Shinanogawa 2

Autor: Hideo Okazaki
Zeichner: Kazuo Kamimura

Originaltitel: Shinanogawa Vol. 2
Übersetzt von: Jürgen Seebeck

Reihe: Shinanogawa
2. Band der Reihe

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: September 2009
ISBN: 978-3-551-75954-2
Preis: 12,90 EUR

360 Seiten
Inhalt
5.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.8

Wertung:
6.8
von 10
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Zum Inhalt:

Das Japan der Showa-Ära ... Die Zeiten sind hart, besonders in jener Region, die der Fluss Shinano seit Jahrhunderten umspült. Eiskalte Winter, magere Ernten und hungrige Wölfe machen den Menschen schwer zu schaffen. Überwältigt von den jüngsten Ereignissen und von der Gemeinde verstoßen, verlässt Yukie Takano ihre Heimatstadt. In Tokyo will sie einen Neuanfang wagen, der jedoch anders ausfällt als erhofft. Von Yasumasa verraten, versucht sie verzweifelt, der Einsamkeit zu entkommen ...

Meinung:

Am Ende des ersten "Shinanogawa"-Bandes steht Yukie Takano vor den Trümmern ihrer Existenz: Ihre Eltern sind inzwischen beide gestorben, die familieneigene Textilfabrik zerstört und die bösen Taten ihres Vaters, die letztendlich zu seinem Tod geführt haben, sorgen dafür, dass die junge Frau aus ihrem Heimatort vertrieben wird. Nun hofft sie, dass sie in Tokyo zusammen mit ihrem ehemaligen Geliebten Yasumasa ein neues Leben beginnen kann. Selbst wenn er sie nicht freudig empfangen sollte, ist sie gewillt, alles zu tun, um seine Zuneigung zurückzugewinnen.

Doch schon in der ersten Nacht wird Yukie von Yasumasa aufs Schändlichste betrogen und verlässt seine Wohnung. Nun ist die junge Frau auf sich allein gestellt und kann nicht mehr aufhören, über ihre verhängnisvolle Neigung zur körperlichen Liebe und das böse Erbe ihrer Eltern nachzudenken. So fasst sie an ihrem achtzehnten Geburtstag den Entschluss, sich umzubringen. Doch nach ihrem Sprung von einer Klippe wird Yukie von Fischern gerettet und dem Arzt Rinnosuke Anzai übergeben.

Nachdem dieser den Abschiedsbrief der jungen Frau gelesen hat, gesteht er ihr nach ihrer Genesung, wie unglücklich er in seiner Ehe ist. Rinnosuke liebt sein Mikroskop und die Dinge, die er dadurch entdecken kann, mehr, als er je seine eigene Frau lieben könnte. Und da diese für seine Leidenschaft kein Verständnis hat, fühlt sich der Arzt ebenso einsam wie Yukie. Beide eint das Bewusstsein, anders zu sein als andere Menschen - und so kommen sich Rinnosuke und seine Patientin näher.

Während der Leser im ersten Band noch die Hoffnung hegen konnte, dass Yukies freizügiges Verhalten auf ihrem familiären Umfeld und ihrer Suche nach Selbstbestimmung basierte, ermüdet man in dem zweiten Band an ihrer Unfähigkeit, das Leben zu meistern. Aus Einsamkeit geht sie eine Beziehung mit dem Arzt Rinnosuke ein, der auf seine Art ebenso gestört ist wie die junge Frau. So ist es kein Wunder, dass auch die Geschichte zwischen den beiden kein gutes Ende nimmt. Immer wieder sieht sich Yukie durch die Ereignisse darin bestätigt, dass sie durch ihre Eltern mit einer Art Erblast gestraft ist, die sie wohl auch an ihre Kinder weitergeben wird. Für den modernen (und westlichen) Leser ist diese Haltung irgendwann nicht mehr nachvollziehbar.

Obwohl die gesellschaftlichen Entwicklungen scheinbar nicht mehr direkt mit Yukie zu tun haben, gelingt es dem Autor Hideo Okazaki, über Zeitungsartikel immer wieder historische Bezüge einzuflechten. Durch diese wenigen kleinen Elemente lassen sich Yukies Depressionen, ihre Unfähigkeit, sich weiterzuentwickeln, und ihre Neigung, andere ins Unglück zu stürzen, mit der japanischen Geschichte Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gleichsetzen. Ihr Verhalten spiegelt den Werteverfall des Landes, ihre Zügellosigkeit ließe sich zu einem Vergleich mit der japanischen Politik dieser Zeit heranziehen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Handlung deutlich an Wert, auch wenn dieser nur für den Leser zu erfassen ist, der gewillt ist, sich mit der Geschichte Japans auseinanderzusetzen.

So wie Yukies Erlebnisse sind auch die Zeichnungen deutlich düsterer als noch im ersten Teil von "Shinanogawa". Kazuo Kamimura verwendet weniger verspielte Elemente, zeigt vor allem das Leid der jungen Frau in konzentrierten Ausschnitten und betont in den Landschaftsdarstellungen die Gewalten der Natur. Sein wild aufwogendes Meer und seine unheilvollen Schneestürme lassen die Menschen wie hilfloses Spielzeug wirken, während selbst über den ruhigen und friedvollen Szenen durch das unglückliche Wesen der Charaktere das Unheil zu schweben scheint.

Fazit:

Auch wenn Hideo Okazaki und Kazuo Kamimura mit dem zweiten Teil von "Shinanogawa" wieder ein ungewöhnliches und aufsehenerregendes Werk gelungen ist, können sie nicht an die inhaltliche Qualität des ersten Bandes anschließen. Der Leser muss schon einiges an Hintergrundwissen über die Showa-Ära und die Veränderungen, die diese Zeit über Japan brachte, mitbringen, um eine Parallele zwischen der Figur der Yukie und der Geschichte dieses Landes ziehen zu können. Ohne diese Informationen möchte man an dem Verhalten dieser jungen Frau verzweifeln und noch vor dem bitteren Ende "Shinanogawa 2" aus der Hand legen. Dabei kann auch dieser Manga auf der zeichnerischen Ebene wieder überzeugen. Kazuo Kamimura glänzt mit ausdruckstarken Figuren und düsteren Landschaftsaufnahmen, während selbst friedliche Szenen eine leicht düstere Stimmung transportieren.
Weiterführende Infos

 
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