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Shinanogawa 1  Drucken E-Mail
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 24. Januar 2010

Shinanogawa 1

Autor: Hideo Okazaki
Zeichner: Kazuo Kamimura

Originaltitel: Shinanogawa Vol. 1
Übersetzt von: Jürgen Seebeck

Reihe: Shinanogawa
1. Band der Reihe

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Juni 2009
ISBN: 978-3-551-75510-0
Preis: 12,90 EUR

368 Seiten
Inhalt
7.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.6

Wertung:
7.6
von 10
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Zum Inhalt:

Das Japan der Showa-Ära ... Die Zeiten sind hart, besonders in jener Region, die der Fluss Shinano umspült. Eiskalte Winter, magere Ernten und hungrige Wölfe machen den Menschen schwer zu schaffen. Junge Mädchen gehören zu den ersten Opfern dieser Krisen-Epoche - als Ausweg bleibt ihnen oft nur das Bordell oder die Fabrik. Unter diesen schwierigen Umständen wächst die junge und hübsche Yukie Takano auf und versucht ihren eigenen Weg zu gehen - und scheut sich dabei nicht, sich über die moralischen Konventionen hinwegzusetzen.

Meinung:

Aus einer Zusammenarbeit zwischen dem Autor Hideo Okazaki und dem Zeichner Kazuo Kamimura entstand die zweibändige Reihe "Shinanogawa", in der die Geschichte der jungen und schönen Yukie Takano erzählt wird. Im ersten Teil erfährt der Leser von Yukies Leben im Haus ihres Vaters, ihrer Liebe zu einem Kindheitsfreund und ihren ersten Versuchen, sich über die allgemein gültigen Konventionen hinwegzusetzen. Dabei ist der Titel dieses Manga auf den Fluss Shinanogawa zurückzuführen, an dessen Ufer Yukie aufwächst.

Der Shinanogawa ist für die Menschen, die in seiner Nähe leben, ein Unglücksfluss. Auch wenn sie auf ihn wegen des Wassers und als Transportweg angewiesen sind, bringen seine ungezügelten Fluten häufig Hunger und Armut durch Überschwemmungen. Es ist kein Wunder, dass diesem Fluss auch die neugeborenen Kinder übergeben werden, die die armen Bauernfamilien nicht mehr ernähren können. So bedeutet der Shinanogawa für die Menschen an seinen Ufern Leben und Tod zugleich.

Das Mädchen Yukie hat auf seine Umgebung eine ähnlich verheerende Wirkung wie der Fluss, an dem es lebt. Wunderschön und - für ihre Zeit - ungewöhnlich offen, übt Yukie eine große Anziehung auf Männer aus. Doch anfangs schenkt Yukie ihr Herz nur dem jungen Ryukichi, einem Angestellten ihres Vaters, und ist zutiefst betrübt, als sie sich am Ende der Sommerferien von ihm trennen muss. Erst ihre Liebe zu dem unkonventionellen Lehrer Yusuke setzt Yukies ungezügelte Seite frei und bringt sie dazu, ungehemmt ihren eigenen Bedürfnissen nachzugehen.

Doch Yukies und Yusukes Beziehung sorgt in dem kleinen und konservativen Dorf am Ufer des Shinanogawa für Aufruhr. Obwohl sich Japan in den 20er-Jahren dem Westen gegenüber etwas öffnete, war das Verhältnis zwischen Männern und Frauen noch sehr von den alten Traditionen beherrscht. Allein die Tatsache, dass die beiden zusammen auf einem Fahrrad fuhren oder sich in der Öffentlichkeit berührten, führte schon zu einem Skandal.

Doch bei diesem geringen Fehlverhalten soll es für Yukie in den kommenden Jahren nicht bleiben. Auf der Suche nach Liebe und Erfüllung beginnt für die junge Frau eine Geschichte voller Sex, Gewalt und Verrat. Es gelingt Kazuo Kamimura, der vor allem für seine Arbeit an "Lady Snowblood" bekannt geworden ist, die Handlung eindrucksvoll mit seinen Zeichnungen zu untermalen. Einfache, zum Teil fast linolschnittartige Darstellungen überwiegen in diesem Manga, wobei gerade der minimalistische Realismus für großen Eindruck beim Betrachter sorgt. Aber auch überraschend verspielte und romantische Elemente, die besonders in den Naturdarstellungen zum Ausdruck kommen, finden sich in "Shinanogawa".

So verbinden sich der Text des Autors Hideo Okazaki und die Zeichnungen von Kazuo Kamimura zu einem beeindruckenden Manga über eine ungewöhnliche Frau. Dieser erste Shinanogawa-Band erzählt keine schöne Geschichte, denn dafür beinhaltet die Handlung zu viel Gewalt, Missbrauch und Verkommenheit unter den Menschen. Allerdings bekommt der Leser im Gegenzug neben einem interessanten Frauenschicksal auch einen faszinierenden Einblick in die gesellschaftliche (und industrielle) Entwicklung Japans in den 20er-Jahren geboten.

Fazit:

Eine ungewöhnliche Geschichte verbindet sich im ersten Teil der Shinanogawa-Reihe mit ebenso bemerkenswerten Zeichnungen zu einem faszinierenden Manga. Der Autor Hideo Okazaki erzählt von der Suche der schönen Yukie nach Liebe und Erfüllung und scheut dabei nicht davor zurück, auch die schlimmsten Seiten der Menschen zu beleuchten. Unterstützt wird die Handlung von den klaren und recht realistischen Darstellungen des Zeichners Kazuo Kamimura, der den Leser aber auch immer wieder mit verspielten Elementen zu überraschen weiß.
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