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Gunslinger Girl: Vol. 1  Drucken E-Mail
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Mittwoch, 6. August 2008

Gunslinger Girl 1

Autor: Yu Aida
Zeichner: Yu Aida

Originaltitel: Gansuringa Garu
1. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Juni 2005
ISBN: 3-7704-6260-2
Preis: 6,50 EUR

176 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
6.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.6

Wertung:
7.6
von 10
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Zum Inhalt:

Italien - sonnige Tage, wunderschöne Landschaften, alte Städte ... Hinter der Idylle versteckt sich ein gnadenloser Krieg. Terroristen, die sich "Republikaner" nennen, versuchen die Regierung zu stürzen. Bekämpft werden sie von der "Staatlichen Gesellschaft für soziale Wohlfahrt" und ihren Geheimagenten: junge Mädchen, die durch chirurgische Eingriffe zu Cyborgs umfunktioniert wurden! Zu Killermaschinen, die für die schmutzigen Zwecke der Behörde missbraucht werden. Hinter jedem dieser Gunslinger Girls steckt eine tragische Geschichte ...

Meinung:

Manga sind ein Phänomen: Seit mehr als zehn Jahren schon dominieren sie die Comiccharts. Die Anzahl der in Deutschland veröffentlichten Titel ist inzwischen nahezu unüberschaubar, da fällt es manchmal schwer, den für seinen Geschmack passenden Titel herauszufinden. Ein Großteil der hierzulande veröffentlichten Serien sind entweder Shonen-Geschichten (die für Jungen konzipiert sind) oder Shojo-Geschichten (die für Mädchen konzipiert sind). Die meisten erfolgreichen Manga legen einen Schwerpunkt entweder auf Action oder Herzschmerz.

Eine der wenigen Reihen, die sich aus dieser Menge abheben ist "Gunslinger Girl". Der Manga von Yu Aida ist eine ruhig erzählte Geschichte, die ihre Faszination vor allem aus Kontrasten bezieht. Gleichzeitig handelt es sich hierbei um das erste eigenständige Werk des Mangaka.

"Gunslinger Girl" spielt in Italien, wobei der Autor für den Leser keinen greifbaren Zeitraum nennt - die Handlung scheint jedoch in der Gegenwart oder näheren Vergangenheit stattzufinden. Hintergrund der Reihe ist ein Konflikt zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden in diesem Land. Ein Problem, das auch in der Realität existiert - auch wenn es hier eher auf der politischen Bühne stattfindet.

Aus diesem Konflikt entwickelt Yu Aida die Grundlage für einen Kampf, der zwischen dem Norden und dem Süden ausgetragen wird. Dabei ist ein Instrument des Südens die "Staatliche Gesellschaft für Wohlfahrt" - und irgendwie wirkt es perfide, wie hier junge Mädchen als Waffe umfunktioniert werden. Wobei dies noch dadurch verschlimmert wird, dass sie äußerlich vollkommen harmlos erscheinen. Diese Kinder wurden durch die Staatliche Gesellschaft zu Cyborgs umgewandelt und ihr Gedächtnis manipuliert - ein Prozess, der "Konditionierung" genannt wird.

Im ersten Kapitel lernt der Leser die beiden Brüder José und Jean kennen und begleitet sie bei der Auswahl ihrer Kinder und Partner. Dabei handelt es sich jeweils um Mädchen, denen man mit ihrer Umfunktionierung und Konditionierung einen Gefallen tut. José wählt Henrietta aus, ein Mädchen dessen Familie umgebracht wurde, während man sie selbst aufs Schlimmste misshandelt und vergewaltigt hat. Daher ist die Umwandlung und Gehirnwäsche ein Segen für sie. José verwöhnt Henrietta richtig, während sie in ihn verliebt ist - ein Gefühl, das wohl auch an der Konditionierung liegt. Es ist unklar, wieso er sich so sehr um seine Partnerin kümmert, doch vielleicht ist es Mitleid, da die Behandlung die Lebensspanne der manipulierten Kinder stark verkürzt.

Einen deutlichen Gegenpol stellt Josés Bruder Jean dar. Er behandelt seine Partnerin Rico wie ein Ding, was diese auch noch dankend akzeptiert, da sie dank des neuen Körpers endlich laufen kann. Das zweite Kapitel, in dem sie und ihr Fratello - so die Bezeichnung für ihren Partner - auftauchen, bietet zum ersten Mal im Manga einen krassen Gegensatz. Rico, die vorher einen netten Jungen kennengelernt hat, unterhält sich mit Henrietta über ihre Begegnung. Was sich wie ein übliches Gespräch unter Mädchen liest, wird durch die Tatsache kontrastiert, dass Rico eine Waffe reinigt, während Henrietta Flickarbeit leistet.

Als Nächstes lernt man das Paar Hirscher kennen. Der Deutsche und das Mädchen Triela unterscheiden sich deutlich von den beiden vorherigen Paaren. Sie wirkt eindeutig älter als die anderen Mädchen, die mit geschätzten 12 Jahren sehr jung wirken. Der Leser kann in dieser Beziehung Vermutungen anstellen, da Yu Aida keine genauen Zahlen nennt und man sich so auf sein Auge verlassen muss. Triela ist auch das selbstständigste unter den Mädchen, gibt Widerworte und handelt schon mal gegen den Befehl ihres Partners, indem sie zum Beispiel einen Gefangenen laufen lässt. Gleichzeitig behandelt Hirscher sie jedoch auch nicht wie ein Kind, sondern wie eine gleichberechtigte Person.

Die letzten beiden Kapitel handeln von einem Todesfall in der Staatlichen Gesellschaft. Ein Mädchen und sein Partner werden tot aufgefunden und schnell heißt es, dass das Paar von republikanischen Terroristen ermordet worden sei. Doch mit dieser Auflösung der Geschehnisse geben sich die Ermittler nicht zufrieden und treten in Kontakt mit José und Henrietta. Dieses Kapitel wirft einen erschreckenden Blick darauf, zu welchen Extremen die Konditionierung der Mädchen führen kann.

Die verschiedenen Figuren sehen realistisch aus, auch wenn der Mangaka seine Probleme mit Gesichtern hat. Er scheint nur über ein begrenztes Repertoire an Mimiken zu verfügen. So wirken Hirscher, José und Jean - abgesehen von den unterschiedlichen Frisuren und Haarfarben - vollkommen gleich. Dasselbe gilt, wenn auch eher in geringerem Maße, für die Mädchen. So ist Triella von den Gesichtszügen her deutlich von der jüngeren Henrietta unterscheidbar, aber nicht von ihrer Zimmerbewohnerin Claes. Ohne die unterschiedliche Haut- und Haarfarbe sowie Claes Brille könnte man die beiden leicht verwechseln.

Auch hat der Zeichner anfangs Schwierigkeiten beim Zeichnen der Gesichter. Doch dieses Manko bessert sich im Laufe des Manga. Die ruhigen Szenen sind ebenso wie die Actionszenen gelungen, auch weist Yu Aida viel Liebe zum Detail auf. Die Waffen sehen realistisch aus und man könnte wirklich den Eindruck haben, dass die Geschichte in Italien stattfindet. Zumindest wirken die Einrichtungen und die dargestellten Städte sehr europäisch.

Yu Aida verzichtet gänzlich auf irgendwelche Super-Deformed-Sequenzen und hält den ganzen Manga über einen äußerst realistischen Stil ein. Nur dass er an einigen Stellen des Bandes zu sehr auf Hintergründe verzichtet, wirkt etwas unschön. Die Aufmachung hingegen ist gut gelungen und neben der Geschichte bietet "Gunslinger Girl 1" auch noch zwei Farbseiten. Die Übersetzung ist ebenfalls in Ordnung, sodass man sprachliche Ausreißer vergeblich sucht.

Fazit:

"Gunslinger Girl 1" ist ein gelungenes Erstlingswerk von Yu Aida und besonders der ungewöhnliche Schauplatz und die Grundidee um einen Kampf zwischen dem Norden und Süden Italiens üben ihren ganz eigenen Reiz aus. Der Mangaka lässt sich genügend Zeit, den Leser in die Handlung und ihre Hintergründe einzuführen und die verschiedensten Charaktere vorzustellen. Bei den Zeichnungen ist allerdings noch einiges an Arbeit nötig, denn teilweise wirken die Figuren von den Gesichtszügen her zu ähnlich. Auch würden einigen der Panels ein paar Hintergründe guttun.
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