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Gunslinger Girl: Vol. 9  Drucken E-Mail
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Dienstag, 16. Juni 2009

Gunslinger Girl 9

Autor: Yu Aida
Zeichner: Yu Aida

Originaltitel: Gunslinger Girl vol. 09
9. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-7704-6953-6
Preis: 6,50 EUR

176 Seiten
Inhalt
10.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
9.2

Wertung:
9.2
von 10
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Zum Inhalt:

Angelica ist das erste Gunslinger Girl überhaupt. Doch seit Längerem schien es so, als ob ihre Lebensspanne sich dem Ende näherte. Doch dann konnte sie sich überraschend wieder erholen und die Dinge schienen sich zum Besseren zu wenden. Bis sie plötzlich bei einem Anschlag ihren Fratello Marco beschützte, ganz so, wie es ihre Aufgabe als Cyborg war. Kann sie sich davon wieder erholen?

Meinung:

Die Geschichte um Angelica nahm ihren Anfang in Band 2 der Serie. Bereits damals litt sie sowohl unter den Nebenwirkungen ihrer Konditionierung als Cyborg als auch unter dem Liebesentzug ihres Fratellos Marco. Zu jenem Zeitpunkt konnte man meinen, dass sich ihr Leben dem Ende nähern würde. In der letzten Folge der ersten Anime-Adaption war dem auch so, wenn man die letzte Szene, in der Angelica mit blicklosen Augen in die Sterne guckte, dementsprechend interpretierte. Im Manga hingegen nahmen die Ereignisse einen vollkommen anderen Verlauf, da sie sich wieder erholte. So konnte sie weiter an Einsätzen teilnehmen und auch ihre Beziehung zu ihrem Fratello verbesserte sich. Bis sie in diesem Band Verletzungen erleidet, die den endgültigen Ausschlag für ihren Tod geben.

Bereits kurz bevor es dazu kommt, ist zu bemerken, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung ist. Immer wieder sieht Angelica einen Hund, der sich aber jedes Mal als eine Halluzination entpuppt. Langjährige Leser werden den Vierbeiner sofort erkennen, war er doch dabei, als ihr altes Leben eine dramatische Wende nahm - und auch jetzt deutet seine Präsenz auf ein nahes Ende hin. Bei einem Anschlag schützt sie entsprechend ihrer Konditionierung ihren Fratello Marco. Doch die Verletzungen, die sie dabei erleidet, sind so schwerwiegend, dass sie im Krankenhaus nur noch auf den Tod warten kann.

Der Tod von Angelica und die damit einhergehenden Ereignisse sind die emotionalsten Momenten des gesamten Manga. Yu Aida schildert alles mit einer gewissen Balance, ohne allzu sehr ins Kitschige oder Pathetische abzugleiten. Der Mangaka nutzt dieses Ereignis geschickt, um die Reaktionen der menschlichen Umwelt zu zeigen. Den Personen, die Angelica nahe stehen, fällt es nicht leicht, ihr beim Sterben zuzusehen. Sie wissen zwar, dass ihr Tod früher oder später eingetreten wäre, aber dies macht es für die meisten auch nicht einfacher.

So ruft ihr nahes Ende in allen Beteiligten viele Erinnerungen wach. Nur Marco sträubt sich anfänglich, seiner Trauer nachzugeben. Bereits früher war es so, dass er sein Mädchen eher auf Distanz hielt. Er wollte es nicht zu nahe an sich heran lassen, damit ihn Angelicas allgegenwärtiges Ende nicht so persönlich trifft. Genauso wie Jean, der Fratello von Rico, betrachtete er sie nur als ein bloßes Werkzeug. Erst jetzt mit ihrem nahen Tod vor Augen ändert sich seine Sichtweise. Eine Wandlung, die Yu Aida ebenso glaubwürdig begründet und herbeiführt wie Marcos und Josés Bemühungen, Angelica einen letzten Gefallen zu tun. Gemeinsam fahren sie los und holen etwas aus ihrer Vergangenheit, damit der Tod weniger schmerzhaft wird.

Doch das nahe Ende von Angelica betrifft nicht nur die Fratelli, auch die anderen Mitglieder der "Gesellschaft für soziale Wohlfahrt" reagieren darauf. Allerdings ist bei ihnen eine gewisse emotionale Distanz zu spüren. Entweder weil sie nicht tagtäglich mit den Mädchen zu tun haben oder weil sie schon zu viele Menschen haben sterben sehen, als dass sie sich jetzt noch so etwas wie Anteilnahme leisten könnten.

Während Marco und José sich mit der Vergangenheit von Angelica beschäftigen, führt sie das Schicksal mit einem Jungen zusammen. Dieser kann aufgrund der Erkenntnisse der Cyborg-Technologie mit einer intelligenten Prothese herumlaufen. Dadurch erhält Angelicas Tod so etwas wie einen Sinn, auch wenn es nur ein schwacher Trost für die beiden sein kann. Dies ist auch die einzige Szene im Manga, wo der Yu Aida ein bisschen zu sehr ins pathetische abgleitet.

Am interessantesten ist, wie die anderen Cyborgs und Betreuer mit dem Ende von Angelica umgehen. Natürlich reagiert jeder auf seine eigene Art und Weise: Ein Mädchen spürt überhaupt nichts, während ein anderes zu seinem Entsetzen feststellen muss, dass auch bei ihm die ersten Demenz-Anzeichen einsetzen, die auch bei Angelica den nahenden Verfall einläuteten. Die Fratelli der zweiten Cyborg-Generation gehen mit dem Thema eher gelassen um, denn sie wissen, dass ihre Mädchen mehr Zeit zur Verfügung haben, als die erste Generation. Doch auch ihre Lebensspanne ist begrenzt.

Yu Aida überzeugt in diesem Manga nicht nur durch die Story, sondern auch durch die Zeichnungen. Es sind vor allem die kleinen Gesten und Szenen, die den Band so hervorragend machen. Egal ob José einem kleinen Jungen Fußballtricks zeigt oder Befragungen durchgeführt werden, alles wirkt sehr überzeugend.

Fazit:

Der neunte Band von "Gunslinger Girl" ist der bislang emotionalste überhaupt. Yu Aida schildert den Tod von Angelica, ohne dabei pathetisch oder kitschig zu werden. Trotzdem schafft es der Mangaka, dass der Leser von den Ereignissen berührt wird. Denn der Tod geht einem nahe, auch wenn er nicht gänzlich unerwartet kommt. Gleichzeitig konzentriert sich Yu Aida auch auf die Figuren und charakterisiert sie hervorragend, während die gelungenen Zeichnungen eine Verbindung zwischen den Bänden schaffen.
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