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Im Kino: 'Schmetterling und Taucherglocke' Drucken E-Mail
Geschrieben von Sabine Hut   
Dienstag, 22. April 2008

Wieder einmal hat es die Verfilmung eines bekannten Romans in die deutschen Kinos geschafft. In diesem Fall wurde "Schmetterling und Taucherglocke", das Buch des französischen Journalisten Jean-Dominique Bauby für die große Leinwand umgesetzt. Wir haben den Film gesehen und berichten, ob sich ein Kinobesuch lohnt oder man sich nicht doch lieber den Roman zulegen sollte.

Über die Geschichte:

Jean-Dominique Bauby war 43 Jahre alt, Vater zweier Kinder und ein erfolgreicher Redakteur, als ihn am 8. Dezember 1995 ein Gehirnschlag all seiner bisherigen Lebensmöglichkeiten beraubte. Fünfzehn Monate später beendete er ein Buch, das er allein mit dem Blinzeln seines linken Augenlids - die einzige verbleibende Verständigungsmöglichkeit - diktiert hatte. Einzig seine Gedanken sind frei. Die Gedanken sind sein Schmetterling und wenn die Welt rings um ihn etwas leiser ist, kann er ihren Flügelschlag hören. In seiner Taucherglocke ist er gefangen, kommt nicht aus ihr heraus. Dennoch sieht er durch diese die Welt so, wie sie ist. Und auch so, wie er sie in seinem vergangenen Leben wohl nie gesehen hat.

Bauby erzählt seine Geschichte mit einer Unbekümmertheit, die den Leser einfach berührt. Der Schmerz ist zwischen den Zeilen eindeutig zu erkennen. Jedoch verfügt er immer noch über einen gewissen (tragischen) Humor, welchen er immer wieder unter Beweis stellt. Er macht sich über seine Krankheit lustig und spottet darüber. Die Worte von ihm scheinen gut gewählt und bringen den Leser immer wieder zum Nachdenken. Dinge, die man für so selbstverständlich hält, sind es nicht. Bauby kann nie wieder mit der Hand durch das Haar seiner Kinder fahren. Solche Gedanken machen ihn mutlos, doch will er sich nicht aufgeben.
Sicherlich spürt man innerlich den erhobenen Zeigefinger, der sagt, dass man mit seinem Leben zufrieden sein soll. Es geht uns gut. Wir können uns bewegen, können hingehen wo wir wollen, wir können sprechen. Alles Dinge, die wie die natürlichste Sache der Welt erscheinen. In dieser Geschichte lernt man jedoch, wie vergänglich alles ist und man merkt, dass das Leben im Hier und Jetzt geführt werden.

Jean-Dominique Bauby starb wenige Tage nach der Veröffentlichung seines Buches in Frankreich, am 9. März 1997.

Meinung zum Film:

Diesen Film zu beschreiben fällt nicht leicht. Nach dem Ansehen wird man von einem sehr merkwürdigen Gefühl beschlichen. Die Geschichte eines Menschen, der vollkommen im Leben steht und so herausgerissen wird ist einfach nur bewegend.

Jean-Dominique erwacht zu Beginn des Films aus dem Koma. Er denkt, dass er spricht, doch schon bald merkt er, dass er seine Worte nur in Gedanken hört. Sein Körper ist vollständig gelähmt, er kann sich anfangs nicht äußern und gerät so in schwierige Situationen. Innerlich schreit er auf, will etwas ganz anderes, doch niemand versteht ihn. Die erste Hälfte des Films sehen die Zuschauer durch seine Augen. Oft kann er die Umgebung nur schleierhaft erkennen, er sieht nur in einem gewissen Radius und nimmt die Welt um sich herum fast wie ein Kind war. Die Sprachtherapeutin Henriette entwickelt mit Jean ein simples System, durch das er sich mitteilen kann. Sein erster Satz: "Ich will sterben". Nach den zuvor bekommenen Eindrücken des Films kann man das fast nachvollziehen, doch er gibt nicht auf und schafft es, sich wieder etwas aufzurappeln.

Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) Glitzer, Glamour, gutes Essen und schöne Frauen: Elle-Chefredakteur Jean-Dominique Bauby bei der Arbeit Jean-Dominique Bauby und seine attraktive Freundin Inès Trotz allem: ein schöner Tag am Meer (Emmanuelle Seigner)
Filmbilder: © 2008 PROKINO Filmverleih GmbH.

Er diktiert sein Leben. Diese Aufzeichnungen werden später in 28 Kapiteln unter dem Titel "Schmetterling und Taucherglocke" als Buch veröffentlicht. Besonders bewegend sind seine Gedanken und Rückblicke. Jean stellt fest, dass sein Gedächtnis und seine Fantasie nicht gelähmt sind und er sich mit deren Hilfe an die unterschiedlichsten Orte bringen kann. Die Gedanken sind sein Schmetterling und wenn die Welt rings um ihn etwas leiser ist, kann er seinen Flügelschlag hören. In seiner Taucherglocke (seinem Körper) ist er gefangen. Immer wieder zeigen Rückblicke sein altes Leben, in dem er ein Mann war, der alles zu haben schien. Frau, Kinder, Geliebte und einen tollen Job. Doch mehr und mehr zeigen sich auch Zweifel in seinen Gedanken. Er hat so vieles falsch gemacht in seinem Leben, hat sich bei Menschen, die ihm eigentlich wichtig sind, nicht gemeldet. Für seine Kinder war er viel zu wenig da, doch nun kann er nicht mehr mit ihnen durch die Gegend tollen. Andererseits hat sich Jean-Dominique auch in dieser Situation eine wunderbar tragische Komik bewahrt, die dazu führt, dass der Kinobesucher, trotz dieses ernsten Themas, immer wieder schmunzeln muss.

"Schmetterling und Taucherglocke" wurde in Cannes für die beste Regie ausgezeichnet und erhielt weiterhin zwei Golden Globes (unter anderem für den besten ausländischen Film). Man muss sagen, dass der Film diese Auszeichnungen durchaus verdient hat. Sicherlich ist es schwer, so ein Thema in einem Kinofilm zu verarbeiten, denn Krankheiten sind bei den Zuschauern verständlicherweise nicht sonderlich gefragt. Es wäre jedoch schade, durch diese Einstellung einen derart einzigartigen und authentischen Film zu verpassen. Die Filmaufnahmen, die Schauspieler und die Geschichte sind wunderbar. Mathieu Amalric ("München"), der den Jean-Dominique Bauby spielt, liefert eine großartige Leistung ab. Gerade so einen Charakter zu spielen, muss sehr schwer sein. Doch Amalric meistert die Aufgabe mit Bravour. Auch hinter der Kamera war das Team nicht weniger gut besetzt. Janusz Kaminski ("Krieg der Welten"), der für andere Filme schon zwei Oscars und weitere Nominierungen für die beste Kameraführung erhielt, bringt seine Erfahrung mit ein, die jeder Einstellung anzumerken ist.

Gesamturteil:

"Schmetterling und Taucherglocke" ist ein Film, der mit einfachen Mitteln begeistert. Die Kameraeinstellungen sind so authentisch, dass man das Leben aus Jeans Augen sehen kann. Der Film strahlt trotz des eigentlich düsteren Themas eine angenehme Wärme aus und gibt immer wieder zu verstehen: Das Leben ist schön, die Liebe ist schön. Dass man selbst oft oberflächlich ist, dass merkt man nach diesem Film, der zeigt, dass das Leben unvorhersehbar und manchmal auch grausam sein kann. Jedoch sollte man versuchen, immer das beste daraus zu machen. Vor allem gilt es, das Bild über die Welt und andere Menschen zu schärfen bzw. zu ändern, denn jeder Mensch hat das Recht auf ein schönes Leben. Insgesamt kann man sagen, dass es sich bei diesem Film um eine Romanadaption handelt, die eindeutig sehr gut gelungen ist.

Das Buch:

Jean-Dominique Bauby
"Schmetterling und Taucherglocke"
144 Seiten, broschiert
dtv
ISBN 978-3-423-08393-5
7,90 EUR


 
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