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Das Leben und Werk Astrid Lindgrens Drucken E-Mail
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 5. Oktober 2008
Beitragsinhalt
Das Leben und Werk Astrid Lindgrens
Der Lebenslauf in Kürze
Bekannteste Werke
Literatur über Lindgren

Astrid Lindgren gehörte zu den beliebtesten Kinderbuchautorinnen der Welt. Ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit millionenfach. Unser Lindgren-Special gibt Einblicke in das Leben der Schriftstellerin und liefert Informationen zu ihren Werken. Eine Vorstellung interessanter Sekundärliteratur darf ebenfalls nicht fehlen.

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Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 als zweites Kind von Samuel August und Hannah Ericsson in Näs geboren. Auf dem Pachthof ihrer Eltern verbrachte sie gemeinsam mit ihren drei Geschwistern eine glückliche Kindheit. Viele Jahre später meinte sie in ihrem Buch Das entschwundene Land über diese Zeit auf dem Hof ihrer Eltern:

Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist - Geborgenheit und Freiheit. Wir fühlten uns geborgen bei diesen Eltern, die einander so zugetan waren und stets Zeit für uns hatten, wenn wir sie brauchten, uns im Übrigen aber frei und unbeschwert auf dem wunderbaren Spielplatz, den wir in dem Näs unserer Kindheit besaßen, herumtollen ließen. Gewiss wurden wir in Zucht und Gottesfurcht erzogen, so wie es dazumal Sitte war, aber in unseren Spielen waren wir herrlich frei und nie überwacht.
Ihre glückliche Vergangenheit im ländlichen Näs bot der Autorin viele Erinnerungen, die sie später in ihren Büchern verarbeitete. Doch nicht nur ihre eigene Kindheit inspirierte Astrid Lindgren zu ihren Erzählungen: Die Geschichten ihres Vaters über seine Jugendstreiche bildeten die Grundlage für den Michel aus Lönneberga. Auch ihren Bruder Gunnar hat sie mit seinen Spielideen in den Pippi- Langstrumpf-Geschichten verewigt, während ihre eigene Vorliebe dafür, auf dem Dachfirst zu spazieren, für Madita herhalten musste und die Straßen des nahe gelegenen Ortes Vimmerby später zur Kulisse für die Kalle-Blomquist-Geschichten wurden.

Mindestens ebenso wichtig wie ihre Schriftstellerei war für Astrid Lindgren das Engagement für Kinder und Umwelt. Noch bevor sie überhaupt begann, Kinderbücher zu verfassen, schrieb sie eifrig Leserbriefe an Zeitungen, in denen sie aktuelle umweltpolitische Entwicklungen anprangerte. In jedem dieser Leserbriefe klang genauso wie in ihren Kinderbüchern die Liebe zur Natur mit, die die Autorin selbst auf ihre Kindheit in Näs zurückführte. Bei dieser Leidenschaft für den Schutz der Umwelt ist es nicht weiter verwunderlich, dass Astrid Lindgren 1985 zusammen mit der Tierärztin Kristina Forslund eine Initiative gründete, die drei Jahre später zu einer Änderung des schwedischen Tierschutzgesetzes führte.

Mit ihrem Verständnis für Kinder und ihrer liebevollen Art zu erzählen hat Astrid Lindgren durch ihre Bücher das Leben unzähliger Kinder und Erwachsener bereichert. Ihre Geschichten sind auch 60 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung noch beliebt und unvergessen. Doch trotz dieser unleugbaren Qualität waren die Erzählungen der Autorin nie unumstritten. Fast jedes ihrer Bücher hat nach Erscheinen für heftige Diskussionen gesorgt. Anerkannte Pädagogen befürchteten nach Pippi Langstrumpf, dass diese zu einem schlechten Beispiel für Kinder würde, und Die Brüder Löwenherz wurden kritisiert, weil man Kindern das Thema Tod nicht zumuten wollte. Erst das Ausbleiben negativer Reaktionen von Seiten der Kinder sowie positive Anmerkungen von Erwachsenen, die gezwungen waren, Kinder beim Sterben zu begleiten, haben diese Kritiken zum Verstummen gebracht.

Im Nachhinein ist es schon beinahe unfassbar, wie weit Astrid Lindgren mit ihren Büchern den erzieherischen Überlegungen ihrer Zeit voraus war. In einem Leserbrief der Zeitung Dagens Nyheter schrieb sie:
Es ist nicht leicht, Kind zu sein! Es ist schwer, ungeheuer schwer. Was bedeutet es denn ... Kind zu sein? Es bedeutet, dass man ins Bett gehen, aufstehen, sich anziehen, essen, Zähne und Nase putzen muss, wenn es den Großen passt - nicht, wenn man selbst es möchte. Es bedeutet ferner, dass man, ohne zu klagen, die ganz persönlichen Ansichten jedes x-beliebigen Erwachsenen über sein Aussehen, seinen Gesundheitszustand, seine Kleidungsstücke und Zukunftsaussichten anhören muss. Ich habe mich oft gefragt, was passieren würde, wenn man anfinge, die Großen in dieser Art zu behandeln.
Dieses Verständnis für Kinder ist, was Astrid Lindgrens Bücher so sehr auszeichnet und unvergesslich macht. Sie schaffte es mit jeder ihrer Geschichten, sowohl das Herz als auch den Verstand ihrer Leser zu berühren.


 
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