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Simone de Beauvoir - Mein Werk ist mein Leben (Live-Lesung)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Information Kultur & Zeitgeschehen
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 13. März 2009

Simone de Beauvoir - Mein Werk ist mein Leben

Art der Lesung: Live-Aufzeichnung
Medienanzahl: 2 CDs

Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-86610-545-4
Preis: 15,95 EUR
Inhalt
10.0
Sprecher
8.0
Bearbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.8

Wertung:
8.8
von 10
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Zum Inhalt:

Viele Jahre des gemeinsamen Engagements und später auch der freundschaftlichen Vertrautheit verbanden sie mit Simone de Beauvoir. Im Rahmen eines umfangreichen Kulturprogramms zum hundertjährigen Geburtstag der Autorin hat Alice Schwarzer sorgsam Texte aus dem literarischen, philosophischen, essayistischen und autobiografischen Werk der Schriftstellerin und bahnbrechenden Feministin ausgewählt und diese mit einführenden und von intimer Kenntnis geprägten Kommentartexten ergänzt. Alice Schwarzer hat am 8. März 2008 in der Berliner Schaubühne vier Sprecherinnen um sich versammelt und gemeinsam mit ihnen einen äußerst unterhaltsamen - und begeistert beklatschten - Abend bestritten.

Meinung:

Am 9. Januar 2008 wäre Simone de Beauvoirs hundertster Geburtstag gewesen - und so wurde dieses Datum zum Anlass genommen, viele verschiedene Veranstaltungen zu organisieren und Publikationen in den Handel zu bringen, die sich mit der berühmten Schriftstellerin, Philosophin und Feministin beschäftigen. So auch "Simone de Beauvoir - Mein Werk ist mein Leben", eine Live-Lesung mit Auszügen aus den Büchern der Schriftstellerin, welche von Alice Schwarzer moderiert wurde und auf dem Titel "Simone de Beauvoir - Ein Lesebuch mit Bildern" basiert. Gerade die langjährige enge Bekanntschaft zwischen Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir führen zu ganz persönlichen Kommentaren und zum Teil sogar zu einem überraschenden Bild dieser Schriftstellerin.

Anhand der Textbeispiele reift Simone de Beauvoir für den Hörer von der Tochter aus gutem Hause bis zur erwachsenen Frau, die auf ein aktives und ereignisreiches Leben zurückblickt, sich Gedanken über den Tod macht und oft genug über das Unverständnis und die Ignoranz ihrer Umgebung den Kopf zu schütteln scheint. Unabhängig davon, ob man sich schon intensiver mit den Werken und Überzeugungen Simone de Beauvoirs beschäftigt hat oder nicht, bieten diese zwei CDs einen spannenden Überblick über den Werdegang dieser beeindruckenden Persönlichkeit. Die einzelnen Abschnitte werden durch Kommentare von Alice Schwarzer eingeleitet, die die vorgelesenen Passagen in einen zeitlichen und inhaltlichen Kontext bringen.

Gelesen werden die Auszüge aus den Memoiren, Essays und Briefen von den Schauspielerinnen Eva Meckbach, Judith Engel, Bettina Hoppe und Lore Stefanek. Zu Beginn ist es etwas gewöhnungsbedürftig, diesen Texten zu lauschen, und die Zeitsprünge in den Passagen aus "Memoiren einer Tochter aus gutem Haus" können anfangs verwirren. Doch schnell überwindet man diese leichte Orientierungslosigkeit und wird gefangen von Simone de Beauvoirs Kindheitserinnerungen, ihren ersten Schritten zwischen Intellektuellen und Prostituierten im Cafe du Drome und ihrem Hunger nach einer Erweiterung ihres Horizonts sowie ihrer ersten Begegnung mit Jean-Paul Sartre, mit dem sie für den Rest ihres Lebens ein ganz besonderer Pakt verband.

Liebesbriefe an Sartre und den amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren zeigen nicht nur die leidenschaftliche Seite Simone de Beauvoirs, sondern zeugen auch von ihrer Beobachtungsgabe und ihrer Lust am Philosophieren, Diskutieren und der intellektuellen Auseinandersetzung mit einem gleichwertigen Gegenüber. Einen der Schwerpunkte legt Alice Schwarzer auf den Essay "Das andere Geschlecht", auf die Auswirkungen, die die hier geschilderten Ansichten auf den Feminismus hatten, und welche Reaktionen dieser Text allgemein hervorrief. Aber auch Simone de Beauvoirs Aussagen aus "Der Lauf der Dinge", in denen sie schildert, wie sie den Aufruhr um "Das andere Geschlecht" erlebte, werden vorgetragen und zeigen so die verschiedenen Kritiken (auch aus ihrem intellektuellen Freundeskreis wie zum Beispiel von Albert Camus) genauso wie die positiven Reaktionen (vor allem von Frauen) auf diesen Text.

Eine weitere Sicht auf die Persönlichkeit von Simone de Beauvoir bietet ein Brief, den die Schriftstellerin aus dem Nachkriegsberlin an Nelson Algren schrieb. Ihre unerbittliche Verachtung für das gesellschaftliche Leben der Besatzer wird ebenso deutlich wie das in jeder Zeile durchschimmernde Mitleid mit den besiegten Deutschen, die in den Trümmern der ehemals stolzen Stadt um ihr Überleben kämpfen müssen. Durch Simone de Beauvoirs Augen sieht man die Widersprüchlichkeiten der Nachkriegszeit, wo man die teuersten Schmuckstücke zu horrenden Preisen kaufen kann, während die meisten Menschen in Notunterkünften leben und im Tiergarten versuchen, etwas Gemüse anzubauen. Aber natürlich beschreibt die Französin auch die vielen Personen, mit denen sie und Jean-Paul Sartre während dieser Reise Kontakt hatten und mit denen sie immer wieder die intellektuelle Auseinandersetzung sucht.

Gelesen wird diese Passage von Judith Engel, deren ansonsten wirklich gute Leistung leider hin und wieder durch ein leichtes Schniefen gestört wird, aber solche Kleinigkeiten kann man bei einer an sich sehr stimmungsvollen Live-Lesung wirklich verzeihen. Grundsätzlich sind die Sprecherinnen sehr gut gewählt und bringen die verschiedenen Facetten der Autorin dem Hörer eindrucksvoll nahe. Ein schöner Aspekt ist, dass die Stimmen der Schauspielerinnen dem Alter Simone de Beauvoirs entsprechen, als sie die verschiedenen Textpassagen schrieb. Eva Meckbach wirkt sehr jung, sehr enthusiastisch und ein wenig keck, während Judith Engel eine gute Balance zwischen der Begeisterungsfähigkeit, den philosophischen Gedanken und den tiefen Gefühlen der Schriftstellerin für Nelson Algren findet. Auch Bettina Hoppe, die mit der Passage aus "Das andere Geschlecht" nicht gerade einen der einfacheren Texte vortragen darf, weiß zu überzeugen, ebenso wie Lore Stefanek - welche allerdings an einigen Stellen ein wenig zu hart wirkt für den zum Teil sehr nachdenklichen Auszug aus "Ein sanfter Tod".

Passagen aus "Der Lauf der Dinge", "Ein sanfter Tod" und "Alles in allem" (alle von Lore Stefanek vorgetragen) schließen diesen Überblick über Simone de Beauvoirs Leben und Werk ab. In diesen Auszügen erfährt der Hörer nicht nur mehr über ihr Verhältnis zu ihrer Mutter und wie es sich änderte, als diese an Darmkrebs erkrankte, sondern auch über die Einstellung der Schriftstellerin zu ihrer Arbeit. Beendet wird die Live-Lesung mit folgendem Zitat Simone de Beauvoirs: "Ich habe handfeste Feinde, aber ich habe mir unter meinen Lesern auch viele Freunde erworben. Nichts anderes wünschte ich mir". Und so klingt im Hörer die beeindruckende und vielfältige Persönlichkeit dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin auch noch nach dem Genuss der CDs eine ganze Weile nach.

Fazit:

Auch wenn diese Auswahl an Texten lange nicht alle Facetten der Simone de Beauvoir aufzeigen kann und die gewählten Passagen gewiss von der Freundschaft zwischen Alice Schwarzer und der Französin beeinflusst wurden, bietet "Simone de Beauvoir - Mein Werk ist mein Leben" einen überaus interessanten Querschnitt durch das Leben der berühmten Schriftstellerin. Für diejenigen, die mit dem Werk Simone de Beauvoirs schon vertraut sind, wird es gewiss interessant sein, einmal einen solchen Überblick zu erleben, der durch die guten Leistungen der Sprecherinnen noch aufgewertet wird. Denjenigen hingegen, die sich noch nicht so intensiv mit der bekannten Autorin, Philosophin und Feministin beschäftigt haben, bietet diese Textauswahl eine Vielzahl von Anregungen, um sich tiefer mit Simone de Beauvoir, ihrem Werk und ihren Ansichten auseinanderzusetzen.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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