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Gute Nacht, Doktor (Hörspiel)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Information Biografien
Geschrieben von Jana Witte   
Donnerstag, 12. Mai 2011

Gute Nacht, Doktor - Die letzten Tonbänder der Marilyn Monroe

Art der Lesung: Hörspiel
Medienanzahl: 1 CD

Erschienen: April 2011
ISBN: 978-3-86231-051-7
Preis: 14,99 EUR
Inhalt
7.0
Sprecher
8.0
Bearbeitung
9.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
7.4

Wertung:
7.4
von 10
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Zum Inhalt:

Zu Lebzeiten galt sie als größte Sexbombe der Welt, ihr früher Tod ließ sie zum Mythos werden. Als Marilyn Monroe am 5. August 1962 leblos aufgefunden wurde, lautete der offizielle Befund Selbstmord. Doch bis heute hält sich das Gerücht, dass sie ermordet wurde. Was verraten die Tonbänder, die sie ihrem Psychoanalytiker kurz vor ihrem Tod geschickt hatte? Darauf spricht sie über Männer und Sex, über Ängste und ehrgeizige Zukunftspläne. Ungewohnt offen und alles andere als lebensmüde. Ein packendes WDR-Feature - mit vielen O-Tönen und dem wohl berühmtesten Geburtstagsständchen der Welt, gesungen von Marilyn selbst.

Meinung:

Norma Jeane Mortenson, Taufname Norma Jeane Baker, war besser bekannt als Marilyn Monroe. Sie starb am 05.08.1962. Als offizielle Ursache wurde wahrscheinlicher Selbstmord durch Einnahme einer Überdosis von Barbituraten angegeben. Aber war dem wirklich so? Das Feature "Gute Nacht, Doktor - Die letzten Tonbänder der Marilyn Monroe" von Anna Maria Gadebusch und Friedhelm Brebeck spürt dieser Frage in einer Mischung aus Interviews und Tonbandausschnitten nach. Dabei kommen Marilyn Monroes Vertrauter und Fotograf George Barris zu Wort und auch der inzwischen verstorbene Staatsanwalt John Miner. Dieser hatte an der Obduktion von Marilyn Monroe teilgenommen und fand es seltsam, dass sofort ein Selbstmordteam und nicht etwa eine Mordkommission den Fall untersuchte. Da John Miner den Filmstar nie getroffen hatte, bat er den Psychoanalytiker Dr. Greenson um Erlaubnis, sich die von Marilyn Monroe für den Therapeuten besprochenen Tonbänder anhören zu dürfen. Diese Aufzeichnungen und seine Erkenntnisse bei der Obduktion ließen den Staatsanwalt zweifeln.

Die Tonbänder verschwanden, aber John Miner hatte eine private Mitschrift angefertigt. Die ausschnittsweise eingespielten Texte werden auf Deutsch von der bekannten Schauspielerin und Hörbuchsprecherin Anna Thalbach vorgetragen. Ihre Marilyn klingt jung, verletzlich und hoffnungsvoll. Doch trotz der stimmigen Sprechweise Anna Thalbachs spürt man das zugrundeliegende schriftliche Protokoll: Der Text wirkt nicht so nah und direkt aus dem Leben gegriffen wie es der Produktion besonders bei John Miner gelingt. Seine Interviewaufnahmen werden im Original mit deutschem Voiceover von Horst Bollmann präsentiert. Bollmanns Stimme ähnelt nicht nur derjenigen des - damals schon über 80 Jahre alten - John Miner, er lehnt seine Darstellung auch dem Originalton an und verleiht ihr dennoch seinen persönlichen Stil. So wirkt auch die deutsche Übersetzung lebendig und glaubhaft.

Hans Peter Hallwachs hingegen spricht nicht nur George Barris' Passagen, sondern führt auch durch das Feature. Er präsentiert biografische Fakten über Marilyn Monroe und leitet in die nächsten Szenen über. Mit seiner dunklen Stimme gelingt es Hallwachs, für ein angenehmes Hörerlebnis zu sorgen, auch wenn seine Sprechpausen mitunter gewöhnungsbedürftig gewählt sind und manche Sätze etwas gezerrt wirken. Gelungen ist auch die gesamte akustische Gestaltung, wie beispielsweise die musikalische Untermalung oder das Geräusch des Tonbandgerätes. Schade ist nur, dass neben den Originalmusikaufnahmen Marilyn Monroes keine Stimmaufnahmen des Stars enthalten sind. Letzteres dürfte aber daran liegen, dass im Gegensatz zu den Liedern die Stimme Marilyn Monroes dem Copyright der Marilyn Monroe LLC unterliegt.

Dennoch wird insgesamt ein gefühlvolles Ambiente für den Hörer geschaffen, das es ihm leicht macht, sich nach Hollywood, in das Haus des Filmstars oder nach Santa Monica zu versetzen. Als Hörer schwankt man dabei zwischen Neugier und dem Wunsch, die von Marilyn Monroe für ihren Therapeuten besprochenen persönlichen Bänder, die sich mit Sexualität, ihren Ehen und ihren Plänen beschäftigen, wären unangetastet geblieben. Andererseits werfen die Mitschriften des glaubhaft wirkenden John Miner ein weiteres Licht auf eine der größten Filmikonen des 20. Jahrhunderts - und auf ihren Tod.

Die Audio-CD befindet sich in einer ansprechend gestalteten Hülle und wird durch ein achtseitiges Booklet komplettiert. In diesem gibt es neben drei Schwarzweiß-Fotos von Marilyn Monroe eine Kurzbiografie, verbunden mit einem kursorischen Blick auf das Wirken des Filmstars, ihr - bis heute anhaltendes - Image und die Umstände ihres Todes. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass im Booklet auch die Verantwortlichen des Hörspiels aufgeführt werden, nicht jedoch die Sprecher. Zu Letzteren finden sich ausschließlich auf der CD-Hülle Informationen und ausführlich wird dort auch nur Anna Thalbach vorgestellt, während die beiden männlichen Sprecher Horst Bollmann und Hans Peter Hallwachs nur kurz aufgelistet werden. Der Hörer erfährt so leider nicht auf direktem Weg, welcher Sprecher durch das Feature führte und wer John Miner und George Barris seine Stimme lieh. Für diese Rezension wurde die genaue Sprecherzuordnung aber beim Verlag erfragt.

Fazit:

Anna Maria Gadebuschs und Friedhelm Brebecks "Gute Nacht, Doktor - Die letzten Tonbänder der Marilyn Monroe" wirft einen kurzen Blick auf den mit Fragen verbundenen Tod der Marilyn Monroe. Es handelt sich bei dem Feature also nicht um eine Lesung der vollständigen Tonbandmitschriften. Vielmehr wird dem Hörer in Ausschnitten ein persönlicher Blick auf Marilyn Monroe von ihr selbst gewährt. Zudem werden in der stimmigen und glaubhaften Mischung aus Reportage und Dokumentation auch Unregelmäßigkeiten bei der Untersuchung des Todes des Filmstars aufgezeigt. Die Originalinterviews, die Lesungen von Tonbandausschnitten und die dokumentarische Überleitung sind akustisch reizvoll inszeniert und werden von engagierten Sprechern vorgetragen. Zu schade, dass der Hörer - mit Ausnahme der von Anna Thalbach gelesenen Texte - nicht sicher erfährt, welche Passagen von Horst Bollmann und welche von Hans Peter Hallwachs gesprochen wurden.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
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