Die Kinder des Dschinn 2: Gefangen im Palast von Babylon 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 21. März 2008

Gefangen im Palast von Babylon

Originaltitel: Children of the Lamp: The Blue Djinn of Babylon
Übersetzt von: Ulli und Herbert Günther

2. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Oetinger
Erschienen: August 2005
ISBN: 978-3-7891-4024-2
Preis: 14,90 EUR

378 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Das wichtigste Zauberbuch aller Dschinn, das Salomon-Buch, ist verschwunden. John und Philippa sollen verhindern, dass es in falsche Hände gerät. Doch für die Zwillinge nimmt dieser Auftrag kein gutes Ende, denn Philippa wird entführt. John ist fest entschlossen, seine Schwester zu befreien, auch wenn er dabei ohne seine Dschinnkräfte auskommen muss. Eine abenteuerliche Reise in das alte Babylon beginnt und zugleich ein Wettlauf mit der Zeit. Denn während John auf der Suche nach einem geheimen Palast gefährlichen Prüfungen ausgesetzt ist, gewinnt der Entführer immer mehr Macht über Philippa.

Meinung:

P. B. Kerr hat mit seiner ersten Reihe für Kinder, "Die Kinder des Dschinn", eine bezaubernde und märchenhafte Geschichte erschaffen, deren zweiter Band mit "Gefangen im Palast von Babylon" erschienen ist. Während die Zwillinge John und Philippa im ersten Roman noch damit beschäftigt waren, ihre Dschinnkräfte in den Griff zu bekommen, gehen sie inzwischen schon recht souverän mit ihnen um.

Doch als Philippa entführt wird, helfen den beiden Kindern die magischen Fähigkeiten kein bisschen. Philippa kann sich mit ihren Kräften nicht aus ihrem Gefängnis befreien und John darf seine Magie nicht einsetzen, da er ansonsten die Rettungsmission gefährden könnte. Der Gebrauch seiner Kräfte würde Philippas Entführer alarmieren und John hätte keine Chance mehr, seine Schwester aus dem alten Palast von Babylon zu retten.

Der Autor P. B. Kerr wurde in erster Linie durch seine Thriller für Erwachsene bekannt und hatte im ersten Band rund um Philippa und John noch ein paar Probleme, sich an sein neues Zielpublikum anzupassen. In "Gefangen im Palast von Babylon" gelingt es ihm aber schon wesentlich besser, seine Sprache auf einem für Kinder geeigneten Niveau zu halten. Auch werden vom Autor wesentlich weniger Anspielungen eingebracht, die nur für Erwachsene zu verstehen sind, ganz kann er dies allerdings doch noch nicht lassen.

Insgesamt ist der zweite Teil der "Die Kinder des Dschinn"-Reihe sehr unterhaltsam und spannend geschrieben. Der Leser erfährt wieder Interessantes über die Welt der Dschinn und ihre Gebräuche und Regeln. John und Philippa lernen auch andere Dschinnkinder kennen, die aber von vornherein mit dem Wissen um ihre Herkunft aufwuchsen und schon allein aufgrund dieser Tatsache ganz anders mit der Zauberkraft umgehen. Besonders Dybbuk, der Sohn einer Dschinnärztin, überrumpelt die Zwillinge mit seinem Wissen und bringt sie dazu, ihr Versprechen gegenüber der Mutter zu brechen, nur noch mit deren Einwilligung zu zaubern.

Richtig spannend wird es, als John aufbricht, um Philippa aus der Gewalt ihres Entführers zu befreien. Ihm und seinen Gefährten, dem Butler Groanin und den beiden Hunden Alan und Neil, ist klar, wie wenig Zeit ihnen bleibt, um das Mädchen zu retten. Und doch muss John bei dieser Rettungsaktion auf seine besonderen Kräfte verzichten, wodurch er auf die Hilfe normaler Menschen und seines eigenen Intellekts angewiesen ist.

Hier liegt auch die Stärke von "Gefangen im Palast von Babylon". So bezaubernd die Vorstellung von einer Welt sein mag, in der Dschinn Wünsche erfüllen und ihre Kräfte einsetzen, um das Gute zu fördern, so einfach lassen sich doch auch manche Probleme damit lösen. Doch ab dem Moment, an dem John wie ein ganz normaler, intelligenter Junge vorgehen muss, gewinnt das Buch an Spannung. Es ist klar, dass er sich nicht mal eben von einem herbeigerufenen Wirbelsturm über eine Wüste fliegen lassen oder ein Monster mit der Kraft seiner Gedanken besiegen kann.

Philippa kommt leider relativ wenig in diesem Band vor. Trotzdem hat sie als Gefangene im Palast von Babylon mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als ihr Bruder, denn so ganz ungefährlich ist ihr Gefängnis nicht. Je länger sie sich im Palast aufhält, desto weiter entfernt sich das Mädchen von ihrer Familie. Auch auf ein Mitglied der bösen Ifrit und den "Mund der Wahrheit" stößt Philippa in ihrer Gefangenschaft und muss - ebenso wie ihr Bruder auf seiner Suche nach ihr - ihre Probleme durch ihren Verstand lösen anstatt durch ihre Zauberkraft.

Auch wenn P. B. Kerr wieder einige lustige neue Ideen in den Roman "Gefangen im Palast von Babylon" eingebracht hat und seine Welt rund um die Dschinn weiter ausbauen konnte, hat man als Leser das Gefühl, dass nicht wirklich etwas Neues hinzugekommen ist. Das Buch liest sich zwar sehr unterhaltsam und wirkt wesentlich kindgerechter geschrieben als sein Vorgänger, doch so richtig mitreißen kann es einen leider nicht.

Fazit:

Mit "Gefangen im Palast von Babylon", dem zweiten Band der Reihe "Die Kinder des Dschinn", hat P. B. Kerr seine Geschichte rund um die Dschinnzwillinge Philippa und John stimmig weitergeführt, ohne jedoch groß neue Impulse in die Erzählung einzubringen. Schön ist allerdings, dass der Autor seine Sprache weiter an sein Zielpublikum angepasst und weniger Anspielungen eingebaut hat, die nur für Erwachsene zu verstehen sind. Ansonsten punktet das Buch dadurch, dass die jungen Dschinn sich dieses Mal weniger auf ihre wachsenden magischen Kräfte verlassen können als auf ihren Verstand und ihr Glück. Auch wenn dieser Roman aufgrund von Philippas geringer Präsenz nicht ganz so unterhaltsam ist wie der erste Band, freut man sich trotzdem auf ein Wiedersehen mit John, Philippa und den anderen Charakteren in einer Fortsetzung der Geschichte.