Die Kinder des Dschinn 1: Das Akhenaten-Abenteuer 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 21. März 2008

Das Akhenaten-Abenteuer

Originaltitel: Children of the Lamp: The Akhenaten Adventure
Übersetzt von: Johanna Ellsworth

1. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Oetinger
Erschienen: September 2004
ISBN: 978-3-7891-4020-4
Preis: 14,90 EUR

378 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Eigentlich dachten John und Philippa, sie seien ganz normale Kinder, bis ihnen die Weisheitszähne entfernt werden und plötzlich unerklärliche Dinge passieren. Denn die beiden sind keineswegs wie alle anderen Zwölfjährigen: Sie sind Dschinn. Ehe sie so recht wissen, wie ihnen geschieht, landen sie mitten in einem unglaublichen Abenteuer. Nach London und Ägypten und sogar bis an den Nordpol geht ihre Reise, um die siebzig verschwundenen Dschinn des Pharaos Akhenaten wiederzufinden. Denn nur so kann es John und Philippa gelingen, die Menschen vor der bösen Macht der Ifrit zu beschützen.

Meinung:

P. B. Kerr hat mit seiner ersten Reihe für Kinder, "Die Kinder des Dschinn", eine bezaubernde und märchenhafte Geschichte erschaffen. Der erste Band der Serie, "Das Akhenaten-Abenteuer", handelt davon, wie Philippa und John ihre Dschinn-Kräfte entdecken. Die beiden gingen immer davon aus, dass sie ganz normale Kinder seien. Sie leben mit ihren wohlhabenden Eltern und den beiden Hunden in New York, sind intelligent und haben Angst vor engen Räumen, was dazu führt, dass sie statt Aufzug zu fahren lieber Treppen steigen.

Doch als eines Tages ihre Weisheitszähne gezogen werden müssen, erfahren die Zwillinge von ihrem Onkel Nimrod, der ihnen während der Narkose im Traum erscheint, dass sie Dschinn sind. Nun sollen sie alles daran setzen, dass sie ihn in den Sommerferien in London besuchen können, damit er ihnen den Umgang mit ihren Kräften beibringen kann. Überraschenderweise ist es kein Problem, diesen Wunsch bei den Eltern durchzusetzen, und so machen sich John und Philippa auf die Reise nach England zu Nimrod. Von diesem erfahren die Kinder unglaubliche Dinge über ihre Herkunft und die Aufgabe der Dschinn in der Welt.

Basierend auf den Darstellungen des Dschinn in den Geschichten von "Tausend und einer Nacht" hat es P. B. Kerr durch John und Philippas Abenteuer geschafft, dass der Leser unsere normale Welt mit ganz anderen Augen sieht. Auch wenn die ganze Geschichte zum Teil etwas langsam und altbacken daher kommt und die Kinder ein kleines bisschen zu brav und zu intelligent sind, so macht es doch einfach Spaß, "Das Akhenaten-Abenteuer" zu lesen und die Erzählweise erinnert in ihrem Stil an so manch alten englischen Kinderbuchklassiker.

John und Philippa müssen so einiges Unglaubliches erfahren und lernen, dass es mehr auf der Welt gibt, als die Wissenschaft beweisen kann, bevor es ihnen möglich wird, ihre Kräfte einzusetzen. Doch die Zeit läuft davon, denn bei einem Erdbeben wurde das lang verschollene Grab des Pharaos Akhenaten (Echnaton) freigelegt, in dem wahrscheinlich vor vielen Jahrhunderten siebzig Dschinn eingeschlossen wurden. Diese siebzig Dschinn gilt es zu finden, bevor die bösen Ifrit zu ihnen gelangen können, damit das Gleichgewicht von Gut und Böse erhalten bleibt.

Für die beiden Kinder scheint dieses Abenteuer schon fast zu groß zu sein, ihr Onkel Nimrod gerät in Gefahr und mit Hilfe des einarmigen Butlers Groanin müssen sie ihn retten. Im Rahmen dieser fantasievollen und witzigen Geschichte reist der Leser mit den Charakteren von New York über London nach Ägypten, bevor es weitergeht bis zum Nordpol - wobei der Autor entweder zugunsten des Humors oder aufgrund zweifelhafter Überzeugungen leider einige hässliche Vorurteile über die besuchten Länder einbaut. So ist Ägypten dreckig und stinkt, in Russland wimmelt es von Kakerlaken und Franzosen sind von Natur aus hochnäsig.

Das Schönste an "Das Akhenaten-Abenteuer" ist eigentlich die Frage, die sich durch das ganze Buch zieht, was eigentlich passiert, wenn Wünsche erfüllt werden. Denn wie jedes Kind weiß, muss einem ein Dschinn drei Wünsche erfüllen, wenn man ihn aus der Flasche befreit. Das Schicksal des Butler Groanin lehrt einen aber nur zu schnell, dass die Erfüllung von Wünschen nicht immer die reine Freude ist. Man muss sich gut überlegen, was man sich wünscht und ob man mit dem Ergebnis dann wirklich zufrieden sein wird. Und die Redewendung "wunschlos glücklich" bekommt auf einmal einen recht zweifelhaften Beiklang. Somit ist dieses Buch nicht nur ein bezauberndes und märchenhaftes Abenteuer für Kinder, sondern es regt auch zum Nachdenken an, ob das Erarbeiten seiner Ziele den Menschen nicht glücklicher macht als das Herbeiwünschen der schönsten Dinge.

Hier und da schimmert durch, dass der Autor P. B. Kerr in erster Linie über seine Thriller für Erwachsene bekannt geworden ist, denn auch im "Akhenaten-Abenteuer" kommt die Spannung nicht zu kurz, ohne dabei jedoch junge Leser übermäßig zu strapazieren. Leider ist das Verhältnis von spannenden Stellen und etwas dahinplätschernden Teilen der Erzählung leicht unausgewogen, sodass sich das Buch für nicht so geübte kindliche Leser nur bedingt eignet. Auch treten hier und da Wortspiele ins Auge, die wohl eher für den erwachsenen Schreiber eingebaut wurden als für das kindliche Zielpublikum, aber diese fallen nicht groß negativ ins Gewicht.

Fazit:

"Das Akhenaten-Abenteuer" von P. B. Kerr ist der gelungene Auftakt der "Die Kinder des Dschinn"-Reihe. Trotz einiger Kritikpunkte ist es dem Autor gelungen, inmitten unserer normalen Welt eine märchenhafte Geschichte zu platzieren. Die Abenteuer von John und Philippa bringen den Leser durch die sympathischen Charaktere, die Spannung, den Humor und vor allem den Fantasiereichtum auch über die etwas langweiligeren Stellen hinweg, so dass man sich auf jeden Fall schon mal auf den nächsten Band der Reihe freuen kann. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass es P.B. Kerr gelingt, seinen Schreibstil in Zukunft noch ein wenig mehr an sein kindliches Publikum anzupassen.