Die Drachenkämpferin 3: Der Talisman der Macht 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 2. August 2008

Der Talisman der Macht

Originaltitel: Cronache del Mondo Emerso: Il Talismano del Potere
Übersetzt von: Bruno Genzler

3. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Heyne
Erschienen: September 2007
ISBN: 978-3-453-26535-6
Preis: 16,95 EUR

502 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Nihal, die letzte Halbelfe der Aufgetauchten Welt, und ihr Gefährte, der junge Magier Sennar, haben nicht mehr viel Zeit, um ihre Welt vor dem Untergang zu bewahren. Erst, wenn sie acht magische Elfensteine gefunden und in dem geheimnisvollen Talisman der Macht vereint haben, können sie den Tyrannen bezwingen. Doch auf ihrem Weg lauert der Tod.

Meinung:

Trotz der weiterhin hohen Qualität der Erzählung macht Licia Troisi dem Leser den Einstieg in den dritten Band der "Drachenkämpferin"-Trilogie, "Der Talisman der Macht", nicht leicht. Die Grundidee, dass Nihal und Sennar aufbrechen und acht über die ganze Welt verteilte Edelsteine finden müssen, um mit diesen dann den Tyrannen zu vernichten, ist uralt und lässt beim langjährigen Fantasyleser schnell ein Gefühl von Überdruss aufkommen - vor allem, als sich dann noch die "unüberwindbaren Gefahren" als Hindernisse herausstellen, die an einem Nachmittag und in der Regel durch ein kleines Gespräch beseitigt werden können.

Auch die ersten Kapitel erwecken eher den Eindruck, als ob die Autorin die ersten Stationen auf der Reise der kleinen Gruppe abhaken wollte und noch nicht so recht wusste, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Der hier erzählte Teil der Geschichte hat eindeutig mehr Potenzial, als Licia Troisi ausgeschöpft hat; Vielleicht war da doch das Bedürfnis größer, diese Trilogie zu einem Ende zu bringen, als die Geschichte überzeugend zu erzählen.

Zum Glück schafft Licia Troisi es nach einigen Längen dann doch noch, den Leser mit einer spannenden Geschichte zu überzeugen. Gerade die Geschehnisse um so genannte "Nebenfiguren" wie den Knappen Laio und die Entwicklung der Protagonisten machen den Reiz dieses Buches aus. Auch Nihal gelingt endlich der Sprung von der Rachegöttin zu einer vernünftigen und erwachsenen Person. Hatte man als Leser in den ersten beiden Romanen "Im Land des Windes" und "Der Auftrag des Magiers" noch das Gefühl, dass die Halbelfe niemals einen anderen Gedanken als Rache in ihrem Kopf haben könnte, setzt Nihal sich auf dieser Reise durch die verschiedenen Länder der Aufgetauchten Königreiche schon fast mit philosophischen Fragen auseinander.

Vor allem die Fragen nach dem Guten und Bösen in jedem Wesen und danach, ob ein Sieg über den Tyrannen wirklich Frieden verspricht, beschäftigen die Reisegefährten und somit auch den Leser. Nihal und Sennar finden heraus, dass es entgegen der Berichte ihrer Vorfahren keine friedliche Zeit vor dem Tyrannen gab. Die Aufgetauchten Königreiche waren schon immer Schauplatz von Kriegen und Diskriminierung der verschiedenen magischen Rassen. Und so kommen den Reisenden Zweifel, ob die Opfer, die ihre Völker bringen mussten, den Kampf gegen den Tyrannen wirklich wert sind. Doch Aufgeben ist auch keine Alternative, will man verhindern, dass weitere Völker vom Tyrannen hingemetzelt werden.

Positive Erkenntnisse gewinnen die Gefährten allerdings ebenfalls. Gerade die nähere Beschäftigung mit den verhassten Fammin, den vom Tyrannen geschaffenen Untieren, bringt überraschende Enthüllungen mit sich. Auch wenn es besonders für Nihal nicht einfach ist, die einmal gefassten Vorurteile abzustreifen und eine neue Perspektive einzunehmen, wird diese Entwicklung überzeugend und stimmig dargestellt.

Insgesamt schafft es Licia Troisi, fast alle offenen Fragen und Handlungsstränge in "Die Drachenreiterin: Der Talisman der Macht" zu einem Ende zu bringen, wenngleich dem kritischen Leser an einigen Punkten der Tiefgang fehlt. Besonders die Hintergrundgeschichte des Tyrannen lässt diesen allmächtigen Gegner am Ende ziemlich klein wirken. Da versöhnt es nur wenig, dass man genau nachvollziehen kann, wie ein kleinlicher Mensch der Auslöser für einen vernichtenden Krieg gegen die gesamte Aufgetauchte Welt wurde. Manchmal sind es eben Kleinigkeiten, die das Universum erschüttern.

Fazit:

Licias Troisis Abschluss der "Drachenkämpferin"-Trilogie, "Der Talisman der Macht", hinterlässt beim Leser ein etwas zwiespältiges Gefühl. Auf der einen Seite gewinnt man den Eindruck, dass die Autorin die Reihe nur noch zum Ende bringen wollte. Es werden zwar fast alle offenen Fragen beantwortet, doch diese Antworten wirken leider des Öfteren nicht gut durchdacht und ohne größeren Tiefgang. Gut gelungen ist hingegen die Charakterentwicklung der Hauptfiguren, vor allem die der Halbelfe Nihal, die endlich zu einer reifen und erwachsenen Person wird, die die Sympathien des Lesers auf ihrer Seite weiß. Wieder einmal hat die Autorin in ihren Roman auch moralische Fragen eingeflochten, ohne dabei belehrend zu wirken. Insgesamt bekommt der Leser trotz aller Kritikpunkte mit "Die Drachenkämpferin: Der Talisman der Macht" einen unterhaltsamen Roman, der für einige spannende Lesestunden sorgen wird.
Weiterführende Infos