Die Chroniken von Ninavel 1: Die Blutmagier  Redaktionstipp
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 19. Oktober 2013

Die Chroniken von Ninavel 1: Die Blutmagier

Originaltitel: The Whitefire Crossing
Übersetzt von: Angela Koonen

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: August 2013
ISBN: 978-3-404-20725-1
Preis: 8,99 EUR

480 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Blutmagie ist bei weitem die mächtigste Magieform - und die grausamste. Magier mit dieser Gabe ziehen ihre Kraft aus Schmerz und Leid. Je größer die Qual, desto wirksamer ist der Zauber. Mein Name ist Dev. Ich verdinge mich als Führer durch das Weißfeuergebirge und ganz nebenbei schmuggle ich den ein oder anderen magischen Talisman von Ninavel nach Alathien. Doch dieses Mal soll ich einen jungen Mann namens Kiran einschleusen. Was ich leider zu spät erfahre: Er ist der entflohene Lehrling eines Blutmagiers - und sein mächtiger Meister denkt nicht daran, ihn einfach ziehen zu lassen.

Meinung:

Courtney Schafer ist mit "Die Blutmagier", dem ersten Band der "Chroniken von Ninavel", ein wirklich überzeugendes Debüt gelungen. Ihr Roman dreht sich nicht nur um zwei faszinierende Charaktere, sondern bietet mit der magischen Stadt Ninavel, dem magiefeindlichen Alathien und dem unwirtlichen Weißfeuergebirge auch drei großartige Settings für eine Fantasygeschichte. Dabei beginnt die Handlung rund um Dev und Kiran erst einmal recht gemächlich, während sich die Autorin darauf konzentriert, die Figuren, ihre Hintergrundgeschichten und ihre fantastische Welt einzuführen. Über Dev (Devan), dessen Passagen in der ersten Person geschrieben sind, erfährt man recht schnell eine ganze Menge.

Vor allem die Tatsache, dass Dev pleite ist, weil ihn seine ehemalige Geliebte übers Ohr gehauen hat, steht zu Beginn sehr im Vordergrund, aber auch seine Leidenschaft für das Leben außerhalb der Mauern von Ninavel. Weil er dringend eine große Summe benötigt, erklärt sich Dev gegen besseres Wissen dazu bereit, einen riskanten Auftrag anzunehmen, obwohl er sich von Anfang an sicher ist, dass ihm sein Auftraggeber relevante Informationen verschweigt. Der junge Kiran (dessen Kapitel in der dritten Person geschrieben sind), den Dev über die Grenze nach Alathien schmuggeln soll, könnte seinen Führer eigentlich jederzeit über die wahren Gefahren aufklären, die mit diesem Job verbunden sind. Doch er ist sich sicher, dass er niemandem vertrauen kann, und riskiert deshalb lieber den Tod einiger Menschen, als dass er seine Geheimnisse einem Fremden mitteilen würde.

Diese Ausgangssituation bietet Courtney Schafer sehr viele Möglichkeiten, um zwischen Dev und Kiran eine zerbrechliche Freundschaft aufzubauen. Auf der einen Seite entwickeln die Männer sehr schnell Respekt füreinander. Dev kann Kirans Durchhaltevermögen und seine Willenskraft, die ihn auch durch kritische Passagen in den Bergen bringt, anerkennen, gerade weil er den verwöhnt wirkenden jungen Mann anfangs unterschätzt hat. Kiran hingegen ist fasziniert von all dem Wissen, das sein Führer über die Berge, das Klettern und die Wetterverhältnisse in dieser unwirtlichen Landschaft angesammelt hat. Andererseits endet jedes Aufeinanderzugehen bei beiden mit der Erkenntnis, dass der andere nur bedingt vertrauenswürdig ist.

Solange Kiran seinem Führer lebenswichtige Informationen vorenthält und solange Dev stets hin- und hergerissen ist zwischen den verschiedenen Verpflichtungen, die er einzuhalten hat, stoßen die beiden Männer bei ihrer gemeinsamen Aufgabe immer wieder auf überraschende und kaum zu bewältigende Hindernisse. Dabei müssen sie sich nicht nur vor Kirans Verfolgern und unerwarteten Widersachern hüten, sondern auch vor den Gefahren, die die Überquerung des Gebirges mit sich bringt. Dies bietet der Autorin nicht nur die Möglichkeit, spannende Einblicke in ihre Charaktere zu gewähren, sondern dem Leser auch wunderbar atmosphärische Naturbeschreibungen zu bieten.

Hier kann Courtney Schafer ausspielen, dass das Klettern ihre eigene große Leidenschaft ist, und detaillierte, realistische und mitreißende Szenen rund um die Gebirgsüberquerung einbringen. So wird diesen eindringlichen Momenten ein relativ großer Teil in der Handlung zugesprochen, was die Konzentration auch sehr auf die beiden Hauptfiguren lenkt. Neben diesen fesselnden Charakteren und den tollen Natur- und Kletterbeschreibungen kann die Autorin auch durch die von ihr entworfene Welt überzeugen. Obwohl nur wenige Szenen direkt in Ninavel spielen, nimmt die Stadt aufgrund ihrer ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte eine große Rolle in der Handlung ein. Ohne Magie kann dieses kleine Reich in der Wüste nicht bestehen und so ist es kein Wunder, dass die Magier in Ninavel fast ohne Regeln leben können. Dies wiederum hat natürlich auch Folgen für all die Menschen, die ohne magische Fähigkeiten dort überleben müssen - und regelmäßig der Willkür der Mächtigen ausgesetzt sind.

Im großen Kontrast dazu steht Alathien, ein Land, in dem Magie streng reglementiert wird und in dem die wirklich wirksame Magie ausschließlich in der Hand der Regierenden liegt. Hier spielt Courtney Schafer ganz wunderbar mit den gegensätzlichen Lebensweisen und fordert ihre Charaktere durch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen regelmäßig heraus. Auch philosophische Fragen stehen immer wieder im Raum, wenn Dev und Kiran abwägen müssen, welche Opfer in Kauf genommen werden können, damit sie ihre Ziele erreichen. Abgerundet wird die Geschichte noch durch ein eher bitteres, aber auf jeden Fall konsequentes Ende, das sehr neugierig auf den weiteren Verlauf der Serie - und natürlich das weitere Schicksal der Charaktere - macht.

Fazit:

Courtney Schafer bietet mit ihrem Debüt "Die Blutmagier" einen wirklich überzeugenden Auftaktband zu ihrer Fantasyreihe "Die Chroniken von Ninavel". Die Autorin hat nicht nur eine faszinierende Welt voller Kontraste und Gefahren geschaffen, sondern auch fesselnde und vielschichtige Charaktere. Vor allem die Hauptfiguren Dev und Kiran und die zwischen den beiden Männern - trotz allen Misstrauens - entstehende Freundschaft werden sehr stimmig beschrieben. Dazu kommen noch eine spürbare Begeisterung für das Klettern und die damit verbundenen Naturbeschreibungen sowie ein unerwartetes Ende, das den Leser gespannt auf den nächsten Band warten lässt.
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