Die zerborstene Klinge 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 29. September 2013

Die zerborstene Klinge

Originaltitel: Broken Blade
Übersetzt von: Frauke Meier

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Mai 2013
ISBN: 978-3-404-20713-8
Preis: 8,99 EUR

383 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
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Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Einst kämpfte Aral, die legendäre Klinge von Namara, im Namen der Gerechtigkeit, stets begleitet von seinem Vertrauten, dem lebenden Schatten Triss. Doch nun schlagen sich die beiden mit Gaunereien durch, immer im Dunklen verborgen. Eines Tages heuert eine rätselhafte Frau Aral an. Er soll eine geheime Nachricht überbringen. Doch wie sich herausstellt, ist der Auftrag eine Täuschung, denn er führt ihn zu einer geheimen Zusammenkunft, die sich zum Ziel gemacht hat, das Reich in einen Krieg zu stürzen.

Meinung:

Mit "Die zerborstene Klinge" ist Kelly McCullough ein Fantasyroman gelungen, der durch seine eher lineare Erzählweise im besten Sinne altmodisch wirkt. Dabei kann die Geschichte nicht nur durch eine ungewöhnliche und reizvolle Welt, sondern auch durch vielschichtige Charaktere überzeugen. Anfangs wird der Leser vom Autor ein wenig ins Ungewisse geworfen, als die Hauptfigur Aral in einer Kneipe sitzt und einen Auftrag von einer geheimnisvollen Frau annimmt. Obwohl Aral sich sicher ist, dass ihm die als Dienstmädchen verkleidete Maylien nicht alles über seine Aufgabe sagt, lässt er sich von dem versprochenen Lohn locken. Für die - wenn auch von vornherein riskante - Überbringung einer Nachricht an einen unbekannten Empfänger wäre dieser nämlich überraschend hoch und würde Arals Lebensunterhalt für die kommenden Monate sichern.

Doch als Aral an dem verabredeten Treffpunkt auftaucht, erwarten ihn einige erschreckende Erkenntnisse. Er findet nicht nur heraus, dass die Baronin Marchon anscheinend üble Pläne verfolgt, sondern auch, dass ein schon lange totgeglaubter Verbündeter noch am Leben - und auf die falsche Seite gewechselt - ist. Nach fünf Jahren, die sich Aral dem Alkohol hingegeben hatte, muss er nun wieder auf seine früheren Fähigkeiten und seine Ausbildung als Klinge der Namara zurückgreifen, um die Pläne der Baronin zu zerschlagen und sich gegen die Nachstellungen seines ehemaligen Freundes, der Stadtwache und anderer übermächtiger Gegner zu wehren. Sein treuester Gefährte ist dabei sein Schatten Triss, ein so genannter Finsterling, der schon seit zwanzig Jahren mit Aral verbunden ist und ohne den der Krieger nicht leben könnte.

Obwohl seine Hauptfigur Aral ein Mann ist, der schon in frühester Jugend zum Kämpfer ausgebildet wurde und sich nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Magie auskennt, setzt Kelly McCullough in seiner Geschichte eher auf das Vermeiden von Kämpfen. Aral bewegt sich mit dem Wissen eines Assassinen durch die Stadt Tien, erkundet Schleichwege und Verstecke und wägt immer wieder seine Überlebenschancen gegen die Risiken ab, die er eingehen muss. Das sorgt dafür, dass die Handlung weniger actionreich und rasant voranschreitet, als man es bei einer solchen Geschichte vielleicht erwarten könnte. Dieses Vorgehen erzeugt aber auch einiges an Spannung, gerade aufgrund der vielen Facetten, die Aral bei seiner Arbeit beachten muss, und der diversen Fallen und Gefahren, die auf ihn lauern.

Einen weiteren Pluspunkt bildet die komplexe und ungewöhnliche Welt, in der die Götter greifbare Kreaturen sind und Magie an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Dabei erhascht man als Leser nur einen kleinen Einblick in die uralte Küstenstadt Tien, die die Hauptstadt des Reiches Zhan bildet, was Hoffnung auf neue Details in weiteren Romanen des Autors weckt. Obwohl Kelly McCullough dies nicht besonders betont, wird durch viele Kleinigkeiten deutlich, dass Tien asiatisch inspiriert ist, ohne dass die Stadt ein getreues Abbild einer historischen asiatischen Gesellschaft bildet. Zusätzlich hat der Autor eine stark gespaltene Gesellschaft geschaffen, die in eine Sonnen- und eine Schattenseite aufgeteilt wurde - wobei die Schattenseite die große Anzahl an mehr oder weniger kriminellen Elementen beschreibt, zu denen auch Aral seit einigen Jahren gehört. Anfangs scheint Aral nicht mehr als einer von vielen desillusionierten Kämpfern zu sein, doch schnell wird klar, dass er über eine ungewöhnliche und fesselnde Hintergrundgeschichte verfügt, die erst nach und nach erzählt wird. So reizt einen im Laufe des Romans auch die Frage, ob es Aral gelingen wird, sich vom antriebslosen Säufer wieder in einen Kämpfer für die Gerechtigkeit zu verwandeln.

Einen nicht geringen Anteil daran, dass Aral immer wieder bewusst wird, wie sehr er abgestürzt ist, hat Triss, der geheimnisvolle Finsterling, mit dem Aral während seiner Ausbildung für den Dienst an der Göttin Namara verbunden wurde. Auch diese Figur sorgt dafür, dass der Leser voller Interesse die Geschehnisse verfolgt, denn schnell steht fest, dass selbst Aral nicht besonders viel über die Finsterlinge, ihre Herkunft und ihr Leben weiß - und dass sich hier noch einiges Potenzial für weitere Wendungen verbirgt. So wird die eigentliche Handlung letztlich zur Nebensache, während man sich als Leser an den facettenreichen Figuren und der ebenso vielschichtigen Welt erfreut. Und obwohl der Roman eine abgeschlossene Geschichte erzählt, bleibt am Ende die Neugier auf weitere Details über Aral und Triss und ihr weiteres Auskommen in dieser so komplexen Welt.

Fazit:

Kelly McCullough erzählt mit "Die zerborstene Klinge" eine spannende Geschichte rund um Aral, einen ehemaligen Assassinen im Dienste der Göttin Namara. Dabei setzt der Autor weniger auf eine komplexe Handlung und actionreiche Szenen als auf faszinierende Charaktere mit gut ausgearbeiteter Vergangenheit und eine ungewöhnliche und leicht asiatisch wirkende Welt. Vor allem die Figur des Aral und sein Verbündeter, der Finsterling Triss, fesseln dabei die Aufmerksamkeit des Lesers, während die gut geschriebenen Einschleichszenen ebenso Spannung erzeugen wie die innere Entwicklung des Kriegers. Dabei ist die Handlung dieses Romans zwar in sich abgeschlossen, aber sowohl das Team aus Aral und Triss als auch die Gestaltung dieser fantastischen Welt bieten noch einiges Potenzial für weitere Geschichten.
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