Ein Weihnachtswunder zum Verlieben 
Bücher: Belletristik Liebe & Romantik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 2. Dezember 2012

Ein Weihnachtswunder zum Verlieben

Originaltitel: Miracle on Regent Street
Übersetzt von: Stefanie Retterbusch

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Oktober 2012
ISBN: 978-3-404-16780-7
Preis: 9,99 EUR

606 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
5.3
von 10
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Zum Inhalt:

Vorweihnachtliches Treiben in London. Nur Evie und ihre Kollegen bei Hardy's - einst Synonym für Eleganz und höchste Ansprüche - drehen Däumchen. Denn das Traditionskaufhaus hat mittlerweile ebenso Staub angesetzt wie Evies Liebesleben. Als Evie erfährt, dass Hardy's an einen amerikanischen Investor verkauft werden soll, schmiedet sie einen Plan. Wenn es ihr gelingt, aus Hardy's bis zum 26. Dezember wieder eine der ersten Adresse der Stadt zu machen, dann wäre noch nicht alles verloren. Doch dazu braucht es mehr als Talent und Willen. Ein Wunder wäre nicht verkehrt ...

Meinung:

Die Grundidee von Ali Harris' Roman "Ein Weihnachtswunder zum Verlieben" ist wirklich bezaubernd: Ein altes Kaufhaus steht kurz vor der Übernahme durch einen amerikanischen Investor und um dies in letzter Minute noch zu verhindern, bemüht sich eine junge Frau, den alten Charme des Geschäfts wiederzubeleben. Doch erst einmal muss die Leserin diverse unglaubwürdige Elemente hinnehmen, bevor die Handlung sie in ihren Bann zieht. So arbeitet Evie schon seit zwei Jahren im Lager vor "Hardy's" und doch glauben alle Angestellten noch immer, dass sie ihre Vorgängerin Sarah sei. Evie hat es in all der Zeit nicht fertig gebracht, dieses Missverständnis aufzuklären oder zumindest einer Verkäuferin, mit der sie angeblich gut befreundet ist, ihren wahren Namen zu sagen.

Abgesehen davon, dass das schon angesichts einer modernen Buchhaltung unwahrscheinlich ist, macht einem dieses Verhalten die weibliche Hauptfigur nicht gerade sympathisch. Auch wird von der ersten Seite an von der Autorin betont, was für eine wunderbare Zuhörerin Evie ist und wie sehr sie ihrem Umfeld mit all ihren guten Ratschlägen schon geholfen hat, doch wirklich glauben kann man dies anhand von Evies Verhalten zu Beginn der Geschichte kaum. Ein weiterer Brocken, den die Leserin schlucken muss, ist die Tatsache, dass das Lager von "Hardy's" noch in großen Mengen Bestände aus den vergangenen Jahrzehnten beinhaltet. So ist Evie bei ihrer Neustrukturierung vor zwei Jahren nicht nur über einzigartige Deko-Elemente gestolpert, sondern hat auch Waren gefunden, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs in diesem Lager verstauben. Egal, wie traditonsbewusst die früheren Geschäftsführer dieses Kaufhauses gewesen sein sollen: So eine Platzverschwendung kann sich wohl kein Geschäft über Jahrzehnte hinweg erlauben.

Wenn man aber über diese unrealistischen Verhaltensweisen und Elemente hinwegsehen kann, dann entfaltet sich im Laufe der Kapitel eine wirklich niedliche Geschichte vor der Leserin. Der hauptsächliche Sympathieträger dieses Romans ist das Kaufhaus "Hardy's" und seine Vergangenheit. Durch die Erinnerungen von Evie und vielen anderen Menschen, die "Hardy's" noch zu seiner Blütezeit kannten, weckt Ali Harris eine schöne, wenn auch idealisierte Vorstellung von der vielberufenen "guten alten Zeit". Die Autorin spielt mit der Sehnsucht der Leserin nach einem Ort, an dem Kundenservice, Individualität und Qualität eine größere Rolle spielen als der Gewinn. So ist es einfach mitreißend zu erleben, wie Evie sich heimlich Stück für Stück die einzelnen Abteilungen des Kaufhauses vornimmt und jede von ihnen in eine heimelige Kulisse für das Weihnachtsgeschäft verwandelt.

Natürlich haben diese Veränderungen auch einen greifbaren Einfluss auf das restliche Personal und den Umgang mit den Kunden. Es gelingt Ali Harris relativ glaubhaft und sehr unterhaltsam zu beschreiben, wie sich die Umgestaltungen der Abteilungen auf die verschiedenen Menschen auswirken. Abgestumpfte und gelangweilte Verkäufer haben wieder Freude an ihrem Beruf und die von der Kulisse faszinierten Kunden gehen offener und neugieriger auf die Auslagen des Kaufhauses zu. Dass eine so gravierende Veränderung auch das Miteinander der Angestellten beeinflusst, bleibt da natürlich nicht aus. Auch bei Evie hinterlassen ihre Bemühungen um "Hardy's" ihre Spuren. So wird die junge Frau selbstbewusster, bekommt wieder Lust, sich um ihr Äußeres zu kümmern, und geht offen auf einen sympathischen Mann zu, den sie bei "Hardy's" getroffen hat.

Auch wenn die Geschichte sehr vorhersehbar verläuft und Ali Harris einige unglaubwürdige Elemente eingebaut hat, ist "Ein Weihnachtwunder zum Verlieben" doch ein netter und unterhaltsamer Roman, der einem ein paar entspannende Lesestunden in der Vorweihnachtszeit bescheren kann. Vor allem der Mythos um das alte "Hardy's" und die verschiedenen Nebenfiguren schließt man schnell ins Herz und kann so all die kleinen liebevollen Szenen rund um die Teestube des Kaufhauses, den Nachtwächter, die polnische Putztruppe und den gutmütigen Lieferfahrer genießen. Auch das Thema "Vintage-Chic" wird von Ali Harris mit hübschen Details umgesetzt und macht große Lust darauf, einmal all die im Anhang empfohlenen Anlaufstellen auszuprobieren.

Fazit:

Mit "Ein Weihnachtswunder zum Verlieben" hat Ali Harris zwar keinen mitreißenden Roman geschaffen, aber immerhin eine niedliche Geschichte für ein paar unterhaltsame Lesestunden. Wenn man sich als Leserin erst einmal mit der einen oder anderen unglaubwürdigen Grundvoraussetzung abgefunden hat, nimmt einen der Charme des alten Traditionskaufhauses "Hardy's" schnell gefangen. Gemeinsam mit Evie wünscht man sich, dass der Laden wieder zu altem Glanz zurückfindet. So sind es vor allem all die kleinen Szenen rund um die Umdekorierung der einzelnen Abteilungen und die vielen Nebenfiguren, deren Leben mit "Hardy's" verbunden sind, die die Leserin angenehm unterhalten, während in einem die Sehnsucht nach einem solch zauberhaften Kaufhaus aufkommt.
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