Kaito Kid Treasured Edition 01 
Comics: Manga Allgemeines
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 25. Februar 2013

Kaito Kid Treasured Edition 01

Autor: Gosho Aoyama
Zeichner: Gosho Aoyama

Originaltitel: Magic Kaito Tresured Editon Vol. 1
Übersetzt von: Costa Caspari

1. Band der Reihe

Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Oktober 2012
ISBN: 978-3-7704-7844-6
Preis: 7,50 EUR

208 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
6.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.4

Wertung:
6.4
von 10
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Zum Inhalt:

Ladies & Gentlemen! Ich bin Kaito Kid, der immer wieder überraschend auftauchende Kavalier mit magischen Kräften! Das Pokerface, das ich von meinem Vater geerbt habe, ist meine Waffe, und so tanze ich nach acht Jahren wieder durch die finstere Nacht und "erwerbe", stets angekündigt, die wertvollsten Edelsteine dieser Welt!

Meinung:

Noch bevor Gosho Aoyama mit "Detektiv Conan" bekannt wurde, hatte er mehrere Mangaserien veröffentlicht. Eine dieser Serien drehte sich um Kaito Kid, einen jugendlichen Meisterdieb, der angeblich nach dem Vorbild von Arsène Lupin erschaffen wurde. Dem Detektiv-Conan-Leser ist Kaito Kid durch seine Gastauftritte und seine Duelle gegen den Meisterdetektiv im Grundschülerformat schon vertraut, doch in seiner eigenen Serie ist der ungewöhnliche Dieb häufiger in etwas weniger realistischem Umfeld unterwegs.

Kaito Kuroba verlor seinen Vater Toichi vor acht Jahren und zur selben Zeit hörten die Diebstähle des berüchtigten Verbrechers Kaito Kid auf. Doch nun kündigt der Meisterdieb einen erneuten Beutezug an, was nicht nur die Aufmerksamkeit von Kommissar Nakamori weckt. Während Kaito sich noch Gedanken über die Identität des Diebes macht, entdeckt er durch Zufall einen geheimen Raum in seinem Elternhaus. Dort sind einige mysteriöse Hinterlassenschaften seines Vaters verborgen, der als Bühnenzauberer unvergleichliche Tricks auf Lager hatte. Unter anderem findet der Teenager die Verkleidung von Kaito Kid, was ihn davon überzeugt, dass der neue Meisterdieb ein Betrüger sein muss.

Um herauszufinden, was es mit dem "neuen" Kaito Kid auf sich hat, schlüpft der Junge in die Verkleidung seines Vaters - und erfährt kurz darauf, dass dieser vor acht Jahren ermordet wurde. Nun übernimmt der Schüler die Rolle des Kaito Kid, in der Hoffnung, auf diese Weise mehr über den Mord herauszufinden. Dabei muss sich Kaito nicht nur vor der Polizei in Acht nehmen, sondern auch vor diversen anderen Gegnern. Eine weitere Herausforderung wird für ihn der Umgang mit seiner Schulfreundin Aoko Nakomoro. Sie kann den berühmten Meisterdieb nicht leiden, weil dieser ihren Vater, Inspektor Nakamori, immer wieder in der Öffentlichkeit blamiert, und würde es Kaito nie verzeihen, wenn sie herausfände, dass er Kaito Kid ist.

Für diese Neuauflage der Kaito-Kid-Geschichten wurden neue Cover entworfen und im ersten Band der "Kaito Kid Treasure Edition" findet der Leser zudem zehn Farbseiten, auf denen Kaito Kid (und auch Conan Edogawa) zu sehen sind, sowie zwei Seiten mit Anmerkungen von Gosho Aoyama zu den einzelnen Episoden in diesem Manga. So erfährt man, dass es der Traum des Mangaka war, eine Geschichte über ein "Oberschulphantom" zu zeichnen, welche Probleme er beim Zeichnen hatte und welche Dinge ihn zu den einzelnen Handlungssträngen inspiriert haben. Dabei ist es recht faszinierend, welche Auslöser zu welcher Geschichte geführt haben, und so erklärt sich auch die stark unterschiedliche Thematik der einzelnen Episoden.

Drehen sich die ersten beiden Kapitel noch um Kaitos Vater und seine Ermordung sowie einen Beutezug des jugendlichen Meisterdiebs, so driften die Themen in den folgenden Geschichten in immer kuriosere Bereiche ab. In einer Episode muss sich Kaito mit einem mechanischen Klon seiner selbst messen, während er in anderen Geschichten Abenteuer in einem Piraten-U-Boot erlebt, von einer Schwarzmagierin gejagt wird oder Aoko beweisen muss, dass er nicht der berüchtigte Meisterdieb ist (was überraschenderweise zu einer actionreichen Achterbahnfahrt führt). Immer wieder stolpert der Detektiv-Conan-Leser dabei über Elemente, die Gosho Aoyama auch in der weitaus ernsthafteren Detektivserie aufgegriffen hat.

Insgesamt merkt man den Kaito-Kid-Geschichten deutlich an, dass sie ein Frühwerk des Mangaka sind. So fehlt nicht nur der rote Faden zwischen den einzelnen Episoden, sondern die Handlung ist auch wesentlich alberner und driftet in skurrilere Themen ab als die Detektiv-Conan-Geschichten - was allerdings sehr unterhaltsam sein kann. Auch bei den Zeichnungen sieht man auf den ersten Blick, dass Jahre zwischen den beiden Serien liegen. Die Striche sind nicht so sicher gesetzt wie in seinen späteren Werken, Schattierungen werden von Gosho Aoyama kaum - und wenn, dann relativ grob - verwendet und auch bei den Perspektiven fallen diverse Fehler ins Auge.

Doch vor allem bei der Darstellung der verschiedenen Figuren ist Gosho Aoyamas Unerfahrenheit in diesen frühen Kapiteln kaum zu übersehen. Der Zeichner experimentiert sichtbar mit verschiedenen Stilrichtungen, obwohl sein charakteristischer Zeichenstil schon gut erkennbar ist. Auch wirken die Gesichter und Figuren deutlich undifferenzierter und weicher als in seinen späteren Werken, Mimik und Gestik sind regelmäßig viel zu überzogen (was allerdings dem Humor dieser Geschichten entspricht) und es fehlen sowohl die Individualität, die heutzutage seine Hauptfiguren ausmacht, als auch der Detailreichtum, mit dem seine späteren Kriminalgeschichten glänzen.

Fazit:

So viele Jahre nach der Erstveröffentlichung der Kaito-Kid-Geschichten ist es wirklich faszinierend, mit der "Kaito Kid Treasured Edition" noch einmal zu Gosho Aoyamas Anfängen zurückzukehren und sich an den unterhaltsamen Kapiteln rund um den jugendlichen Meisterdieb zu erfreuen. So kann man nicht nur von Geschichte zu Geschichte die Entwicklung des Mangaka verfolgen, sondern auch mehr über Kaito Kid und seine Abenteuer erfahren. Allerdings darf der Leser nicht erwarten, dass die Zeichnungen von Gosho Aoyama hier schon in der gewohnten Qualität vorliegen.
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