Knochenfinder 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. Juli 2012

Knochenfinder

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: April 2012
ISBN: 978-3-404-16669-5
Preis: 8,99 EUR

464 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Ein Schüler verschwindet spurlos. Wenig später wird in einem Geocaching-Versteck im Rothaargebirge ein Finger gefunden, und an der Schule des Vermissten kursieren brutale Gewaltvideos. Kommissarin Natascha Krüger und ihre Kollegen suchen nach einem Täter - und ahnen nicht, welches grausame Spiel dieser mit ihnen spielt. Denn kurz darauf gibt es einen weiteren Geocaching-Fund ...

Meinung:

Melanie Lahmers Kriminalroman "Knochenfinder" führt den Leser nach Siegen, eine Stadt, deren Autobahnauffahrt in Richtung Köln laut der Hauptfigur Natascha Krüger das Beste sei, was sie zu bieten hätte. Doch nach und nach entdeckt die junge Kommissarin die reizvollen Seiten ihrer neuen Heimat, während sie gemeinsam mit den Kollegen nach einem vermissten Schüler sucht und gleichzeitig nach einem Geocacher fahndet, der menschliche Finger in seinen Caches versteckt. Schon früh steht die Vermutung im Raum, dass die Körperteile von dem vermissten René Staudt stammen könnten, doch niemand will die Hoffnung aufgeben, dass der Junge noch leben könnte.

Dabei wurde René mit überraschender Verspätung von seinen Eltern als vermisst gemeldet, unabhängig davon, dass der Schüler schon volljährig ist. Während Natascha Krüger und ihr Vorgesetzter Hannes Winterberg immer neue Anzeichen dafür finden, dass einiges in Renés Familie im Argen liegt, werden weitere Finger in den umliegenden Wäldern gefunden. Andere Hinweise deuten darauf hin, dass an Renés Schule illegale Gewaltvideos im Umlauf sind und dass einige Schüler sich sogar an der Herstellung dieser brutalen Filme beteiligen.

Für Hannes Winterberg ist dieser Umstand besonders alarmierend, da sein beiden Söhne auf die gleiche Schule gehen wie René. Während er allen Hinweisen über den Verbleibt Renés nachgeht, macht er sich gleichzeitig Sorgen, dass sein - seit Monaten rebellierender - Sohn Niklas irgendwie in eines der Verbrechen verwickelt sein könnte. Natascha hingegen lässt dieser Fall auch in ihrer Freizeit nicht los. So lässt sie sich von ihrem sympathischen Kollegen Simon in die Geheimnisse des Geocachings einweisen und rätselt auch noch nach Feierabend über die verschiedenen Sinneseindrücke, die sie als Synästhetikerin von den unterschiedlichen (Tat-)Orten "mitgenommen" hat.

Melanie Lahmer konzentriert sich bei ihrem Kriminalroman "Knochenfinder" auf die Dinge, mit denen sie Erfahrung hat. Wie ihre Protagonistin Natascha Krüger ist auch die Autorin Synästhetikerin, außerdem betreibt sie seit einigen Jahren Geocaching und wohnt in Siegen, wo auch die Handlung ihrer Geschichte angesiedelt ist. Das alles führt dazu, dass die Autorin dem Leser die einzelnen Aspekte sehr bildhaft vor Augen führen kann. Die verschiedenen Stadtteile Siegens werden so plastisch beschrieben, dass sie sich vertraut anfühlen, auch wenn man noch nie in der Stadt war, und die Synästhesie, bei der sich verschiedene Sinneseindrücke wie Gerüche und Farbwahrnehmungen überschneiden, wird nachvollziehbar geschildert.

Allerdings übertreibt es die Autorin stellenweise zu Ungunsten der Spannung ein wenig mit ihren Beschreibungen. So fällt es einem zwar leicht, sich eine vom Jagdhobby ihres Bewohners zeugende Wohnung vorzustellen, aber der Jäger selber geht bei all den Details etwas unter. Und obwohl die Grundidee mit den Funden von Körperteilen beim Geocaching sehr reizvoll ist und Melanie Lahmer dem Leser mit den verschiedenen Geocachern, den unterschiedlichen Schülern und anderen Beteiligten einige Verdächtige vor die Nase setzt, kommt keine mitreißende Spannung auf. Am Ende enttäuscht zudem die Motivation des Täters, da es der Autorin nicht so recht gelingt, diese überzeugend darzustellen.

Trotzdem ist die Krimihandlung solide konstruiert und ermöglicht es einem im Laufe der Geschichte, die Perspektive von Täter und Opfer mitzuverfolgen. Aber abgesehen von Natascha und ihrem Kollegen Winterberg wächst einem kaum eine der Figuren so sehr ans Herz, dass man um sie bangt. Stattdessen lässt sich der Leser von der Fülle der vorkommenden Personen und ihrer Geschichten ebenso von dem eigentlichen Fall ablenken wie von den (wirklich interessanten) Fakten zur Vergangenheit des Siegerlandes und des dort früher vorherrschenden Bergbaus. So sind es eher die diversen Nebenhandlungen und die sympathischen Hauptfiguren, die die Neugier des Lesers erhalten und "Knochenfinder" zu einer unterhaltsamen Lektüre machen.

Fazit:

Melanie Lahmer hat für ihren Roman "Knochenfinder" eine wirklich spannende Grundidee gewählt, auch wenn die Autorin nicht in der Lage ist, diese Spannung die gesamte Handlung über aufrecht zu erhalten. Stattdessen spielt sie mit sehr detaillierten Beobachtungen und reizvollen Informationen über ihre Wahlheimat Siegen. Und während die Protagonistin Natascha Krüger und ihr Kollege Hannes Winterberg sehr sympathisch wirken, berührt einen die Flut der Nebenfiguren und Verdächtigen kaum. Das sorgt dafür, dass man - trotz der Gefahr, in der der entführte Schüler René schwebt - nicht wirklich mitfiebern kann und in Gedanken mitermittelt, sondern sich lieber mit dem Geocaching und der Bergbau-Vergangenheit der Region beschäftig.
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