BILD: Ihr gutes Recht 
Bücher: Sachbuch Ratgeber
Geschrieben von Jana Witte   
Mittwoch, 13. Juni 2012

BILD: Ihr gutes Recht - Wegweiser durch den Rechtsalltag

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: März 2012
ISBN: 978-3-404-60695-5
Preis: 9,99 EUR

750 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Dinge. Das muss aber nicht sein. Mithilfe dieses Ratgebers sind Sie in der Lage, die Rechtsfälle des täglichen Lebens zu lösen - und zwar schnell und komfortabel. Unter anderem werden folgende Themen ausführlich behandelt: Recht im Alltag, Familienrecht, Arbeitsrecht, Miete und Recht, Sozialrecht und Rechtsfälle rund ums Auto.

Meinung:

Der "Wegweiser durch den Rechtsalltag" liegt aktuell in der zweiten Auflage vor. Das Werk ist eine Zusammenarbeit zwischen Bild und dem sich auf Recht, Wirtschaft und Steuern spezialisierten Informationsdienstleister Wolters Kluwer Deutschland GmbH - Akademische Arbeitsgemeinschaft Verlag. Das Buch besteht aus sechs Teilen, die jeweils zu spezielleren Rechtsfragen weiter untergliedert werden. So kann der Leser unter A, "Recht im Alltag", zum Beispiel nachschlagen, was beim Versandhandel, bei der Auftragserteilung und -abwicklung mit Handwerkern, Tauschbörsen oder Teilnahme an sozialen Netzwerken zu beachten ist. Teil B, "Familie und Recht", beschäftigt sich unter anderem damit, wann Eltern für ihre Kinder haften, welche Unterschiede zwischen Ehe und nicht ehelichen Lebensgemeinschaften bestehen, wie ein gerichtliches Scheidungsverfahren abläuft und welche Punkte bei Unterhaltsfragen wichtig sind.

In "Beruf und Recht" (Teil C) findet man Informationen zum Arbeitsrecht, wie Teilzeitarbeit und Kündigungsvorschriften und -folgen. Diverse Punkte, die beim Abschluss bzw. bei der Beendigung eines Mietvertrages, bei Mängeln der Mietsache, Schönheitsreparaturen oder den Betriebskosten zu beachten sind, werden in Teil D, "Miete und Recht", angesprochen. Teil E widmet sich dem Gebiet "Auto und Recht" und umfasst nicht nur den Autokauf, sondern auch den Ablauf in Bußgeldsachen oder Fragen der Unfallregulierung. Etwas unglücklich wurde Teil F noch einmal mit "Recht im Alltag" übertitelt. Allerdings geht es hier um Fragen der Kranken- und Rentenversicherung und soziale Leistungen wie das Arbeitslosengeld.

Der Wegweiser zeichnet sich durch eine Fülle von Informationen aus, die der Leser je nach Interessenlage entweder über das Inhalts- oder das Stichwortverzeichnis aufrufen kann. Die Autoren haben sich dabei im Allgemeinen um eine einfache und verständliche Sprache bemüht. Dass dies nicht immer gelingt, ist regelmäßig dem Rechtsbereich geschuldet. So ist zum Beispiel die Berechnung des Unterhalts komplex und die entsprechende Erläuterung dementsprechend umfangreich.

Auf der anderen Seite muss sich der Leser allerdings auch bewusst sein, dass das Werk nur ein "Wegweiser" ist. Als solcher legt er manche Sachverhalte und Vertragsverhältnisse stark vereinfacht und schlagwortartig dar, ob nun im Familienrecht oder bei Betriebskostenabrechnung. Hier wäre im Vorwort bzw. im laufenden Text ein Hinweis, dass der Ratgeber eine Rechtsberatung nicht ersetzen kann, wünschenswert gewesen. Ein Leser kann sonst leicht den Eindruck gewinnen, dass die im Text niedergelegten Informationen generelle Geltung haben.

Mit der Erklärung, ein weiterer Anwalt im einvernehmlichen Scheidungsverfahren würde für ein Pauschalhonorar von ca. 190 EUR zzgl. Mehrwertsteuer tätig werden, dürften sich die Autoren zum Beispiel etwas weit aus dem Fenster gelehnt haben. Denn in der Regel berechnen sich Rechtsanwaltsgebühren in einem gerichtlichen Scheidungsverfahren nach einem gesetzlich zu bestimmenden Gegenstandswert. Pauschalhonorare sind - nach Vorgabe gesetzlicher Vorschriften - jeweils zu vereinbaren.

Was die Systematik des Sachbuchs angeht, ist sie punktuell verbesserungsfähig. Die im oberen Seitenbereich befindlichen Untergliederungsnummern wie B3 etc. dürften gern durch Fettdruck stärker ins Auge fallen, da es auch Verweise innerhalb der einzelnen Kapitel gibt. Im Bereich Unfallregulierung könnten thematisch zusammengehörende Schadenpositionen unter einer Rubrik zusammengefasst oder aber über Querverweise verbunden werden. Momentan finden sich zum Beispiel Reparaturkosten, Wertminderung, Mehrwertsteuer und Sachverständigenkosten auf verschiedenen Seiten verteilt. Im Wesentlichen ist die Aufteilung des Werkes zu den einzelnen Teilen jedoch nachvollziehbar.

Positiv fallen die vielen Beispiele im "Wegweiser durch den Rechtsalltag" auf, mit denen einzelne Sachverhalte verdeutlicht werden. Und auch die grafisch hervorgehobenen Tipps lenken den Leserblick auf sich. Hinzu kommt, dass das Sachbuch mit einem Online-Angebot kombiniert ist (eine im Buch erwähnte "Arbeitshilfe-CD" lag der Printausgabe nicht bei und existiert offenbar auch nicht). Hat der Leser also die Möglichkeit, ins Internet zu gehen, kann er online Mustertexte und weitere Informationen durch Eingabe von Buch-Fundstellennummern abrufen. Diese Texte wurde im Rahmen dieser Rezension nicht gesichtet, auch hier dürfte allerdings gelten, dass im Zweifelsfall Rechtsrat einzuholen ist.

Der Ratgeber deckt fast alle Bereiche des Rechtslebens ab und bietet dem Leser vielfältige Ansatzpunkte, um sich zu informieren. Kommende Auflagen könnten vielleicht noch um Informationen zum gesetzlichen Erbrecht und den Möglichkeiten der Abänderung ergänzt werden, vielleicht auch um Informationen zu Patientenverfügungen oder erste Schritte einer Privatinsolvenz. Interessant wären zudem sicherlich Hinweise dahingehend, was einen Rechtsanwalt von einem Notar unterscheidet und wo ein Rechtssuchender weitergehende Hilfe finden kann, sei es nun bei Verbraucherzentralen, Mietvereinen, Gerichten oder Rechtsanwälten (über Anwaltskammern)

Fazit:

Die aktuelle Auflage des "Wegweiser durch den Rechtsalltag" deckt viele Bereiche des täglichen Lebens ab und bietet dem Interessierten neben Erläuterungen, Beispielen und Tipps im Buch auch weitergehende Informationen und Mustertexte im zugehörigen Onlineangebot. Dabei haben sich die Autoren um eine verständliche Sprache und nachvollziehbare Systematik des Ratgebers bemüht und halten dies im Allgemeinen auch durch. Allerdings kann dabei der Eindruck entstehen, dass die schlagwortartig niedergelegten Informationen in dieser Form generell gültig seien. Es muss daher deutlich darauf hingewiesen werden, dass der "Wegweiser durch den Rechtsalltag" eine rechtliche Beratung im Einzelfall nicht ersetzen kann.
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