Tsumitsuki 
Comics: Manga Horror & Mystery
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 17. November 2011

Tsumitsuki

Autor: Hiro Kiyohara
Zeichner: Hiro Kiyohara

Originaltitel: Tsumitsuki
Verlag: Egmont Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Oktober 2011
ISBN: 978-3-7704-7553-7
Preis: 6,50 EUR

208 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Chinatsu ist neu in der Stadt. In einem kleinen Schrein begegnet sie Kuroe, der ihr von der uralten Legende der Tsumitsuki erzählt: Das sind Sünden-Götter, die nach Schuldgefühlen von Menschen jagen, die ein Verbrechen begangen haben. Sie verfluchen die Sünder und dringen in ihr Innerstes ein. Wird auch sie Teil der Legende?

Meinung:

"Tsumitsuki" ist der erste Manga der Zeichnerin, bei dem Hiro Kiyohara sich nicht auf eine Romanvorlage (wie zum Beispiel bei "Can you hear me?" oder "Holiday") stützt, sondern eine eigene Handlung erzählt. In diesem Einzelband wird in verschiedenen Episoden die Geschichte von Kuroe dargestellt, der gemeinsam mit einem Fuchs bei einem kleinen Schrein lebt. Dieser Schrein ist den Tsumitsuki gewidmet, vermeintlichen Sünden-Göttern, die von den Schuldgefühlen der Menschen leben. Auch Chinatsu, die neu in der Stadt ist, besucht den Schrein, wo ihr Kuroe von der Legende der Tsumitsuki berichtet.

Für sie bietet die Geschichte eine Erklärung dafür, was gerade mit ihrer Mitschülerin Mayu passieren könnte. Das Mädchen ist still, zieht sich von den Klassenkameraden zurück und wird auch immer wieder sehr verächtlich von ihnen behandelt, ohne sich dagegen zu wehren. Chinatsu versucht alles, um Mayu aus ihrer Isolation zu holen, aber all ihre Bemühungen, sich mit ihr anzufreunden, scheinen zu scheitern. Letztlich macht sich auch Chinatsu Vorwürfe, weil es ihr nicht gelingen will, Mayu aufzuheitern und sie wieder in die Klassengemeinschaft einzubeziehen.

Doch Chinatsu ist nicht die Einzige in der Klasse, die mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen zu kämpfen hat, und Kuroe kümmert sich um jedes Mädchen, das aus diesem Grund zu seinem Schrein kommt. Doch welche Beweggründe der ungewöhnliche junge Mann wirklich hat, wird erst nach und nach enthüllt. Anfangs erfährt der Leser nur, dass Kuroe die Tsumitsuki jagt, die sich in den Körpern der Menschen eingenistet haben und sich von ihren Schuldgefühlen nähren.

So fesselnd die Legende rund um die Tsumitsuki ist und so spannend die einzelnen Episoden sind, vermisst man als Leser doch den entscheidenden Funken, der einen auf den Fortgang der Handlung hinfiebern lässt. Man ist eher neugierig auf weitere Informationsteilchen zu Kuroe, als dass man mit den verschiedenen Mädchen mitleidet, die versuchen, mit dem, was sie erlebt und gesehen haben, fertig zu werden. Deshalb berühren einen auch die grauenhaften Szenen, in denen die Tsumitsuki ihre wahre Gestalt zeigen, nicht so sehr, wie es bei einer intensiveren Erzählweise möglich wäre. Trotz dieser Schwäche ist "Tsumitsuki" ein reizvoller Manga mit interessanten Ansätzen und einigen Elementen, die den Leser zum Nachdenken bringen.

Bei den Zeichnungen findet man zwar auch in diesem Manga (so wie zum Beispiel bei "Can you hear me?") einige wunderschöne und detaillierte Hintergründe, wenn Landschaften und Klassenräume dargestellt werden, aber auf den meisten Panels stehen die Figuren im Mittelpunkt, ohne dass der Betrachter durch weitere Elemente abgelenkt würde. Doch vor allem fällt der starke Schwarzweiß-Kontrast bei diesem Manga auf, durch den die unheimlichen und monströsen Elemente eine deutliche Gewichtung erhalten, während die emotionalen Szenen durch den hohen Weißanteil eine schon fast erschreckende Zerbrechlichkeit beinhalten. Betont wird dieser Gegensatz auch noch durch die schwarze Umrandung der Seiten, auf denen sehr grausame Szenen gezeigt werden.

So gelingt es Hiro Kiyohara durch die gelungenen Zeichnungen, die Schwächen in der Handlung wieder auszugleichen und insgesamt einen guten Eindruck beim Leser zu hinterlassen. Noch besser wäre die Geschichte aber vermutlich geworden, wenn sich die Mangaka mit einem erfahrenen Autor zusammengetan hätte, um den Aufbau ihrer Geschichte zu optimieren und ihren Charakteren mehr Tiefgang zu verleihen. Denn erst wenn der Leser bei einer solchen Geschichte mitleiden kann, wird sie auch inhaltlich zu einer lang anhaltenden Erinnerung.

Fazit:

Mit "Tsumitsu", ihrem ersten eigenständigen Manga, präsentiert Hiro Kiyohara dem Leser zwar eine fesselnde Grundidee, kann aber mit ihrer Erzählweise der Geschichte nicht wirklich überzeugen. Trotz vieler dramatischer Szenen bleibt der Leser eher unbeteiligt, statt mit den verschiedenen Figuren mitzufühlen. Dafür überzeugt die Mangaka auch in diesem Titel mit ihren Zeichnungen. Vor allem die starken Schwarzweiß-Kontraste und die Konzentration auf einzelne Figuren sorgen für eine atmosphärische Darstellung und so gelingt es Hiro Kiyohara durch die fantastische Optik, das Beste aus der nicht ganz so mitreißenden Handlung herauszuholen.
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